Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Älter als Elvis

Chuck Prophet
Laura Imbruglia

Köln, Yard Club
09.10.2007

zur Foto-Galerie
Chuck Prophet
Laura Imbruglia ist die kleine Schwester von Natalie und eine Songwriterin. Laura hat im Prinzip eine Country-Stimme, weiß dies aber offensichtlich (und vielleicht zum Glück) nicht und singt stattdessen Folksongs, die in der Hand eines geschickten Produzenten auch Pop-Songs sein könnten und dann eine größere Durchschlagkraft hätten, als manches, was ihre Schwester so veröffentlicht. Ob das so kommt, wird ihre Debüt-CD zeigen, die im November mit einem Jahr Verspätung auch hierzulande erscheinen soll. Bis dahin zeigte sich Laura im Support für Chuck Prophet als solide, wenn auch ziemlich verbissene (weil nervöse) Performerin, bei der die Versuche, lockere Sprüche zu kreieren, pointenlos ins Leere liefen. Dennoch: Potential vorhanden, Zukunft gesichert.
Über die Zukunft macht sich Chuck Prophet ja gemeinhin weniger Sorgen. Er ist ein Performer, der im Hier und Jetzt lebt, und - abhängig von der Tagesform - grandiose bis katastrophale Konzerte produziert. Dieses Hier lag irgendwo im mittleren Plus-Bereich. Im Wesentlichen konnte man die Show zur aktuellen CD "Soap & Water" als Gebrauchsanweisung zu diesem Tonträger begreifen. Chuck gelang es tatsächlich, aus dem vorhandenen Material im Live-Kontext das Optimum herauszuholen. Oder anders ausgedrückt: Wer sich aufgrund dieser Performance die CD gekauft hätte, wäre eher enttäuscht, zumindest aber ernüchtert zurückgeblieben. Das lag erstens daran, dass Chucks Tagesform gut war, zweitens daran, dass er jede Chance nutzte, die prinzipiell linearen Tracks des neuen Albums aufzubrechen und in begeisternde, oft überlange Live-Versionen umzuwandeln und damit drittens die eh schon motivierte Band mitzureißen und zu gutgelaunten Höchstleistungen anzuspornen. Insbesondere der neue Gitarrist James Deprado zeigte sich ungemein motiviert, unverbraucht und inspiriert. Wie ein Uhrwerk griffen seine messerscharfen Riffs und Hooklines in die vom Meister selber und es entstand jene mitreißende Magie wie sie bei Gitarrenbands dann doch erstaunlich selten genug entsteht. (Luna war z.B. eine Band, bei der es bei jedem Konzert solche Momente gab - bei Chuck ist das aber längst nicht selbstverständlich.)
Und was die Gebrauchsanleitung betrifft: Erst nach diesem Konzert konnte man die neuen Tracks so richtig verstehen. Das kam daher, dass Chuck auf Konserve das, was er eigentlich erreichen wollte, nicht so recht gelungen war - wie er selber freimütig im Interview einräumte. "Doubter Out Of Jesus", "Freckle Song" oder "A Woman's Voice Can Kill You" funktionierten erst jetzt, mit viel Twang, ordentlich Blues und immer wieder Deprados gut sitzenden Ergänzungen so richtig. Die allgemein inspirierte Gemengelage übertrug sich auch auf älteres Material. "Homemade Blood" oder "Summertime Thing" z.B. - mit knackigen Soli - hatte Chuck selten besser und spannender hinbekommen. Die Setlist war dabei aufgebaut wie eine von Bob Dylan: Jeder zweite Track stand in Klammern und Chuck entschied sich spontan, was gegeben wurde - und das waren an diesem Abend eher Rocknummern als Balladen. Hinzu kam, dass dann ausgerechnet bei "Do You Love Me", dem einzigen, was diesbezüglich auf "Soap & Water" zu finden ist - das Halteband von Stephanie Finchs Akkordeon riss. Als Chuck einen Song diversen Persönlichkeiten wie Anna Nicole Smith oder Elvis widmete, fiel ihm etwas auf: "Elvis hat doch nie in Köln gespielt, oder", fragte er ins Publikum, "ich spiele aber in Köln - cool - dann habe ich ja öfter in Köln gespielt als Elvis. Moment mal: Wenn Elvis in meinem Alter wäre, dann wäre ich ja schon tot..." Das ist der typische Prophet-Humor: Staubtrocken, verblüffend und ohne Scheu vor Selbstironie. Zur Zugabe erfüllte Chuck zunächst solo und akustisch einen Publikumswunsch (sehr schön - "New Years Day") und schaltete dann noch mal in den Punk Modus. "Rock On", Iggys "I'm Bored" und Mink De Villes "Spanish Stroll" (zu dem zwei begeisterte Fans die Chöre beisteuerten) bildeten den krönenden Abschluss einer - im Verhältnis zum zugrunde liegenden Material - dann geradezu ausgezeichneten Show.

zur Foto-Galerie
Surfempfehlung:
www.myspace.com/chuckprophetofficial
www.chuckprophet.com
www.lauraimbruglia.com
www.myspace.com/lauraimbruglia
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

Druckversion


Mehr über Chuck Prophet:
Interview
Tonträger
Konzert-Bericht

Mehr über Laura Imbruglia:
Tonträger

Aktuelle Konzert-Reviews von Ullrich Maurer:
Nerina Pallot
Torres
Levi Parham
Jade Jackson
Take Root Festival

Alle Konzert-Reviews von Ullrich Maurer

 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister