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Leises Doppelpack

Krista Detor
Wendy McNeill

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
21.10.2007

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Krista Detor
Eine wirklich interessante und attraktive Kombination für Freunde von Americana-Songwriterinnen links der Mitte bot das Cultureelpodium Roepaen im holländischen Ottersum am 21.10.07. Wendy McNeill aus Kanada trat mit ihren Akkordeons, Gitarre und einem Bassisten - aber ohne ihre Loops und Sampler - auf und Krista Detor aus Indiana (aber eigentlich "all over the place") spielte Piano, ein wenig Gitarre, und mit den Gefühlen ihres nunmehr Ehemanns und langjährigem musikalischen Partner David Weber (einfach indem sie lauter Späße auf seine Kosten machte). Beide Künstlerinnen sind Roepaen Veteraninnen: Wendy war bereits zum vierten Mal zu Gast, Krista zum zweiten Mal. Kein Wunder also, dass die Kapelle gut gefüllt war. (Nun gut: Das mag auch daran liegen, dass die betreffenden CDs der Damen in Holland bekannter und einfacher zu bekommen sind als bei uns.)
Wendy spielte Tracks ihrer kommenden CD - der CD in ihrem Kopf, wie sie es nannte -, die vielleicht "A Dreamer's Guide To Hardcore Living" heißen wird (und dann wahrscheinlich doch wieder nicht) sowie Stücke ihrer immerhin vier bislang erschienenen Werke. Wer Wendy kennt, der weiß, dass sie seit Anfang des Jahrhunderts das Akkordeon als Mittel ihrer Wahl betrachtet. Das funktioniert immer wieder erstaunlich gut - auch ohne Samples oder Loops. Nicht nur, weil Wendy das Ganze zuweilen mit Songs auf der Gitarre auflockert, sondern vor allen Dingen, weil sie sich im Live-Vortrag auf die Stücke beschränkt, die ein so reduziertes Ambiente auch vertragen. Wie z.B. das als melodischer Walzer angelegte "Black Angus" (Akkordeon) oder "Fall Girl" (Gitarre). Die auf ihren CDs mit "normaler" Band-Begleitung orchestrierten Tracks lässt sie dann lieber außen vor (auch wenn sie vom Publikum gewünscht werden) als sie bis auf das Mark zu entblättern. Es hilft natürlich auch, dass Wendy McNeill eine geborene Performerin ist - jemand, der in seiner Musik aufgeht, diese mit Inbrunst und Leidenschaft vorträgt, das Publikum einbezieht und anspricht und somit auch begeistert. Dazu erzählt sie - mit charmantem kanadischen Akzent - kleine Geschichten zu den Songs und deren Entstehungsgeschichten. Natürlich hilft es dabei, dass Wendy eine sehr kräftige, melodische und wandlungsfähige Stimme ihr Eigen nennt und es ihr obendrein Spaß macht, die Worte beim Vortrag regelrecht genüsslich durchzukauen. Auch wer auf ihre Songs nicht steht (die ein wenig in Richtung "kooky" tendieren), muss attestieren: Als unterhaltsamer Live-Act ist Wendy McNeill immer ein sichere Bank - so auch hier.
Krista Detor ist nicht ganz so extrovertiert wie Wendy McNeill. Ihre Qualitäten sind eher die sanfte, einnehmende Gesangsstimme, die nach klassischem Muster gestrickten, stets souveränen Texte und die eigentümliche Art ihres Pianospiels - irgendwo zwischen Jazz und Folk, aber stets mit einer ganz eigenen Note. David Weber spielte dazu ein wenig Gitarre und noch weniger Mandoline - alles sehr dezent und stets im Dienste des Songs. Im Zentrum standen dabei jene ihrer neuen CD "Cover Their Eyes", die in Europa bereits erschienen ist, in den USA aber noch nicht veröffentlicht wurde. Im Prinzip ist besagter Tonträger eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgänger-Albums "Mudshow" - indem hier die Songs auf dezente Art stilistisch weiter aufgebrochen werden. Das spielt im Live-Vortrag keine so große Rolle: Hier regiert der ruhige Flow, der sich aus der reduzierten Darbietungsart fast automatisch ergibt. Was die Sache dann spannend machte, waren die Stories, die sie zu den Songs erzählte. So erklärte sie z.B. warum Robert Johnson Mississippi verlassen hat und dass dieser Song sich auf den alten Süden vor Katrina bezieht (woher letztlich auch die Wasser-Thematik auf dem aktuellen Album herrührt) oder es gab die Geschichte des Songs "Anemic Moon" zu bestaunen: Das Stück beruht auf einem Gedicht von Kristas Vater, der dieses im Knast schrieb - wo er wegen Geldfälscherei im großen Stil einsaß ("Wir waren sehr reich damals - für eine Woche"). "Steal Me A Car" handelt schließlich von einem gefallenen Mädchen, das im Gefängnis darauf wartet, dass ihr Lover sie mit einem gestohlenen Auto befreit. Das ist insofern interessant, als das Kristas Texte zunächst scheinbar sehr klar zu sein scheinen. Darin, dass sie dann doch von ganz anderen Dingen handeln - und dennoch funktionieren -, zeigt dann Kristas Meisterschaft als Texterin. Eat your heart out, Leonard Cohen! Musikalisch schlug sich die Hinwendung zu jazzigeren Tönen (die "Cover Their Eyes" auszeichnet und dafür Sorge trägt, dass sich Krista hier ein wenig wie ihre Kollegin Eleni Mandell anhört) nicht so sehr zu Buche. Stattdessen blieb mehr Raum für die Melodie - wie z.B. im Falle des "Icarus"-Songs. Einen Song trug Krista auf der Gitarre vor - allerdings unwillig: Weil man eine Gitarre so oft stimmen müsse und nicht genau wisse, wo die Töne seien, die man als Pianistin alle vor sich habe, und ein Mal sang sie A-Cappella zu David Webers Gitarrenspiel. Als Zugabe gab es - auf einen Publikumswunsch hin - den Song "On The Water" von dem momentan nur online zu beziehenden Album "A Dream In A Cornfield". Beide Künsterinnen zeigten eindrucksvoll, dass man auch ohne viel Brimborium und ohne laute Töne und vor allen Dingen ohne sich in Klischees zu ergehen, abwechslungsreiche, unterhaltsame Live-Auftritte auf akustischer Basis gestalten kann, die man im weitesten Sinne dem Americana-Genre zurechnen kann - wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt.

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Surfempfehlung:
www.kristadetor.com
www.wendymcneill.com
www.cultureelpodium.nl
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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