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Konzert-Bericht
 
Fiesta Mexicana

Patricia Vonne

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
28.10.2007

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Patricia Vonne
Im Prinzip ist ein Patricia Vonne-Konzert so etwas wie das musikalische Äquivalent zu den Filmen ihres Bruders, Robert Rodriguez: Handwerklich auf dem höchsten Niveau, mit einer Vorliebe für Retro-Schnickschnack und -Details und klassischen Tex-Mex, totally over the top und schräg, getrieben von einer geradezu befremdlichen Energie - dafür aber unter dem Strich rattenscharf und immens unterhaltsam. Patricia ist dabei zweifelsohne ein mindestens ebenso flamboyanter Charakter wie die überzeichneten Figuren, die die Rodriguez-Filme bevölkern. Ihre Selbstinszenierung kennt dabei keinerlei Hemmungen. Seien es nun blumige Ansprachen ans Auditorium, grandios inszenierte Rock'n'Roll-Posen oder das virtuose (aber eben befremdliche) Hantieren mit Castagnetten.
Allerdings - und das muss der Neid lassen - man nimmt ihr das ab. Einfach deswegen, weil sie ihre Songs mit voller Überzeugung und Inbrunst darbietet - und einfach weil sie auch im richtigen Leben so extrovertiert und dramatisch zu Gange ist, wie auf der Bühne (sie kreiert z.B. ihr illustratives Bühnen-Outfit selber). Musikalisch bietet Patricia allerbesten Tex-Mex-Rock'n'Roll mit fast operettenhaften Pop- und Folk-Elementen - unterstützt von ihrem musikalischen Partner Robert LaRoche, der - neben einer niederländischen Rhythmusgruppe - beim Konzert als vielseitiger, effektiver Gitarrero in Erscheinung trat. Dabei weist sie mit einigem Stolz darauf hin, dass sie sich allerbestens in ihrer neuen Heimat Austin eingelebt hat und sich mit entsprechend begnadeten Musikern aus dem Wüstenrock-Umfeld umgibt. So z.B. mit der Saxophon-Legende Johnny Reno, mit dem sie den Song "Hot Rod Heart" zusammen schrieb uns einspielte. Robert LaRoche erwies mit "Miss Me When I'm Gone" der Austiner Legende Billy Joe Shaver eine weitere Referenz. Natürlich ließ es sich Patricia nicht nehmen, mit Bezug auf ihre mexikanischen Wurzeln einige Tracks auf Spanisch vorzutragen. Darunter das "Pistolero"-Stück aus dem Rodriguez-Film, "Once Upon A Time In Mexico", das fast schlagerhafte Stierkampf-Drama "Torera" und "Mujeres Desaparecidas" (wegen des eingängigen Refrains so etwas wie der "Hit" des aktuellen Albums "Firebird") - ein Amnesty International gewidmetes Stück über die Frauen, die seit Jahren in der mexikanischen Grenzregion verschwinden.
In Patricias Songs wimmelt es geradezu von Pistoleros, Bandoleros, Boleros und Desperados: Wenn schon Stereotypen, dann aber auch richtig. Subtil ist zwar etwas anderes, aber wenn man die Sache mit dermaßen viel Schmackes und Begeisterung präsentiert bekommt, dann funktioniert das Ganze auch. In etwa so, wie es auch in einem Saloon vor Ort funktionieren würde - weil das dann eigentlich auch kein Klischee mehr wäre. Es gibt aber auch die Patricia Vonne, die sich von der Comic-Figur entfernt: Entweder dann, wenn es wie bei den verschwundenen Frauen mal ernst wird, oder wenn sie sich, wie in "Dutch Cigarettes" selbstironisch über das Tourleben in Europa lustig macht. Rein musikalisch gab es eigentlich gar nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil: Dieser geradlinige Rock'n'Roll mit gelegentlichen folkloristischen Einlagen ließ eigentlich für den Freund zünftiger Americana-Mucke rein gar nichts zu wünschen übrig. Musikalische Details gab es viele zu bestaunen: Das traumhafte Zusammenspiel von Patricia und Robert z.B., das erwähnte Castagnettengeklappere oder aber die beeindruckend durchdringenden Harmoniegesänge, die Patricia und Robert als Hommage an die Everly-Brothers verstanden wissen möchten. Dazu bemühte sich Patricia einige Brocken auf Niederländisch einfließen zu lassen und erwähnte auch - sichtlich stolz -, dass mit einem Support-Slot für Golden Earring ihr Jugendtraum in Erfüllung gegangen war. Nach dem Konzert mischten sich die Musiker ungezwungen unter das Publikum. "Eigentlich ist es ja viel zu früh für Rock'n'Roll", beklagte Robert den ungewohnten Zeitpunkt für die Show um 17 Uhr Nachmittags, "nun ja, immerhin ist es jetzt ja dunkel draußen." Patricia Vonne und Band - das ist allerbeste Rock'n'Roll-Unterhaltung im Sinne einer "Guilty Pleasure". Es blieb nur eine Frage übrig: Warum ist eigentlich Patricia Vonne nicht auf dem Blue Rose Label?

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Surfempfehlung:
www.patriciavonne.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Patricia Vonne:
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