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Souverän

Elvis Perkins
Karamel

Köln, Gebäude 9
30.10.2007

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Elvis Perkins
Bevor Elvis Perkins und seine Band Dearland die Bühne betraten, überraschten Karamel aus Hamburg mit einem zwar nicht schlechten, aber in dem Zusammenhang nicht ganz passenden Support-Slot. Das Trio um Songwriter Johann Scherer kämpfte ein wenig mit der Technik (defektes Tape-Loop, unübersichtliche Effektpedale und Johanns Frosch im Hals), trumpfte dafür aber mit einem linkshändigen (und linksbeinigen) Gitarristen auf, der kongenial (und eben auf einem Bein balancierend) Bass-Pedal spielte, wie es Ray Manzarek auch nicht besser hinbekommen hätte. So weit, so gut - leider wirkten die Songs des zweiten Albums "Schafft Eisland" dermaßen uneinheitlich, das man zuweilen den Eindruck habe, da spielten mehrere Bands gleichzeitig. Vielleicht auch deshalb, weil Scherer zu viel auf einmal will? Da gingen dann die ganz ohne Zweifel enthaltenen poppigeren Momente - oder auch beseelten psychedelischen Gitarrensoli - ein wenig im eher spröden Hin und Her unter.
Immerhin: Mit Elvis Perkins schien man sich gut zu verstehen und lobte sich gegenseitig. Nach einem relativ zügigen Umbau, während dessen es mengenmäßig wirklich einiges zu bewegen gab - betrat dann der Meister selbst; zunächst solo, die Bühne. Aha! Der singende Sohn von Schauspieler Anthony Perkins ist also ein Folkie. Perkins, dessen Debüt-CD "Ash Wednesday" ihn als melancholischen Songwriter präsentierte, der sich seine bittersüßen Gedanken über die Unbilden des Lebens macht (kein Wunder: Seine Mutter kam bei den Anschlägen vom 11. September um, sein Vater verstarb an Aids), zeigte sich im Live-Ambiente mit seiner Band Dearland offensichtlich tief beeindruckt vom klassischen Südstaatenfolk. Und zwar dem wirklich klassischen: "Weeping Pilgrim", der Song den er als Coverversion vortrug (und den auch andere Folkbegeisterte wie Natalie Merchant schon unter hatten) wurde bereits 1859 von einem gewissen J.P. Reese geschrieben. Das bedeutete nicht unbedingt, das Perkins eine folkselige Show hinzauberte: Zuweilen ging die Band - insbesondere Stehtrommler Nicholas Kinsey - ab wie die Feuerwehr -, aber alles geschah in einem eigenartigen, eher marschierenden als rockenden Ambiente. Das passte aber alles sehr gut, denn Perkins sah nicht nur aus wie ein konföderierter Freischärler, sondern ist seine Art, das akustische Songwriting für sich zu entdecken, schon relativ altmodisch - aber auf eine charmante, unaufgeregte, und keinen Widerspruch duldende Weise. Als Elvis vor einigen Monaten als Support von Clap Your Hands Say Yeah durch unsere Lande zog, wurde das noch viel weniger deutlich.
Jetzt hatte er es sich zur Aufgabe gesetzt, die Songs in gründlich überarbeiteter Form vorzustellen. Dazu gehörte, das Kinsey sich bei einigen Schlüsseltracks - wie z.B. "Without Love" - mit einer gewaltigen, umgeschnallten Basstrommel in die Frontline einreihte, Gitarrist Wyndham Boylan-Garnett zuweilen auch zeitgleich ein Harmonium oder eine Posaune bediente und Bassist Brigham Brough (Elvis bester Kumpel und Pate) nicht nur auf einer Klarinette blies, sondern obendrein auch gerne seinen akustischen Bass herumschwang, als sei dies eine bloße Ukelele. Überraschend für jemanden, der erstmals als Headliner mit seiner Debüt-CD tourt, war dann der Umstand, dass Elvis bereits mehrere neue Songs im Gepäck hatte. Und zwar sogar solche ("Setting Sun", "Shampoo"), die sich relativ weit vom Schema der Songwriter-Schiene entfernten. Das war aber weniger mutig, als selbstbewusst. Zu recht, denn das neue Material ist ziemlich eingängig, kurzweilig und sehr intensiv. Elvis sang ausschließlich mit geschlossenen Augen, was die Sache ein wenig autistisch hätte anmuten lassen können - wären da nicht seine agilen Jungs, die lebhaften Arrangements und gelegentliche Temperamentsausbrüche gewesen. Das Set endete mit einem weiteren neuen Song - "1-2-3 Goodbye" - bevor es dann mit dem zuvor schmerzlich vermissten "While You Were Sleeping" noch mal so richtig zur Sache ging (wobei allerdings der Rhythmus ein wenig verstolpert wurde). Egal, der folgende Tracks, "Doomsday" riss das dann - fast mit New Orleans Swing - wieder raus. Insgesamt empfahl sich Elvis Perkins hier als souveräner Meister seines Fachs, der bereits jetzt eine Routine und Reife erreicht hat, die viele seiner Kollegen vermutlich nie erreichen werden.

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Surfempfehlung:
www.elvisperkins.net/
www.myspace.com/elvisperkins
www.karamel.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Elvis Perkins:
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