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Leverkusener Allerlei

Holly Cole
Dobacaracol/ Malia

Leverkusen, Forum
06.11.2007

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Holly Cole
Jazzfestivals erkennt man heutzutage ja weniger an der Musik, die dort gespielt wird, sondern eher daran, dass das Piano während eines Konzertabends gleich zwei Mal gestimmt wird, dass es Szenenapplaus bei jedem Solo gibt und dass die Damen nach der Show einen Blumenstrauß überreicht bekommen. Ansonsten ist heutzutage ja praktisch alles möglich. Zugegeben: Malia nahm sich in Bezug auf die Pop-Elemente, die ihre Alben zuweilen zieren, sehr zurück und Holly Cole, die eigentlich stets als Verfechterin des freistiligen Crossover bekannt ist, hat wohl einen Narren an der kleinen Big-Band Besetzung mit Bläsergruppe gefunden und konzentrierte sich doch eher auf klassische Standards. Dobacaracol aus Kanada aber auch nur Ansatzweise mit Jazz in Verbindung bringen zu wollen, wäre dann doch eher anmaßend gewesen. Die Women's Night der 28. Leverkusener Jazztage stand dann auch - der stilistischen Vielfalt wegen - eher unter gar keinem bestimmten Thema.
Aber der Reihe nach: Der in Malawi geborenen, aber hörbar in England aufgewachsenen Malia werfen Puristen ja gerne vor, dass auf ihren Scheiben zu sehr die Pop-Schiene betont würde. Ein Mal davon abgesehen, dass dies ja nun wahrlich kein Problem wäre (und auf ihrer kürzlich erschienenen dritten Scheibe "Young Bones" auch nicht mehr zutrifft), stand dieser Aspekt bei Malias Auftritt im Leverkusener Forum keineswegs im Mittelpunkt. Es gab zwar einige Up-Tempo-Nummern wie "Salmon Colored Man" (das sogar 2 x gegeben wurde), aber das Kernstück des Auftrittes bildeten die Balladesken Nummern, wie z.B. der Opener "Yellow Daffodils" oder der Titeltrack des neuen Albums. Dabei ging es darum, die reichhaltigen und zum Teil auch üppigen Arrangements der Studio-Aufnahmen im Live-Kontext irgendwie elegant zu kompensieren. Neben Pianist Andre Manoukian war es vor allen Dingen Cellistin Matilda Sternant, die hier Akzente setzte und - zuweilen sogar in Zusammenarbeit mit Bassist Fabien Marcoz die Streicherparts der Studio-Versionen emulierte. Malias selbst outete sich dabei als durchweg kompetente, aber auch etwas distanziert agierende Diva, die indes dem selbst verfassten Material die jeweils bestmöglichen Aspekte abgewann. Im direkten Vergleich mit der später auftretenden Holly Cole sah dieses Material dann allerdings vergleichsweise blass aus. (Was unter anderem daran lag, das sich Holly an diesem Abend vorwiegend des klassischen Repertoires bediente).

Vorher durften jedoch Dobacaracol aus Quebec das Forum aufmischen. Mit einer schier unerschöpflichen Energie und bewaffnet mit allerlei Percussion-Instrumenten jeglicher Couleur wirbelten Dorianne Fabreg und Carole Facal über die Bühne, als sei dies auch gleich ein Tanz-Wettbewerb - und zwar in einer ausgeklügelten Choreographie, die indes trotz diverser dramatischer Posen auch immer irgendwie spontan und natürlich wirkte. Es gelang sogar, das Publikum mit einzubeziehen und - trotz Bestuhlung - zum Tanzen zu bewegen. "Wann habt ihr das letzte Mal auf einem Jazz-Festival getanzt?", fragte Dorianne Fabreg sichtlich angetan. In einem verwirrenden Kauderwelsch aus Französisch, Englisch, Ansagen auf gebrochenem Deutsch sowie Phantasiesprachen und afrikanischer Lautmalerei boten Dobacaracol ihre eigentümliche, phantasievolle Version der "Global Village World Music" dar, die neben Ethnosounds auch mit Pop, Funk, Soul, Chanson und Reggae flirtete - nicht jedoch mit dem eigentlich anstehenden Jazz. (Gerade das aber macht die Leverkusener Jazz-Tage ja eigentlich auch immer so interessant.) Neben den angedeuteten rhythmischen Orgien gab es jede Menge Reggae-, bzw. Dub-Momente, eine Prise Psychedelia, Chorgesang, Rap-Einlagen des Drummers Mohamend Coulibaly, Elektronik-Eskapaden des Keyboarders Martin Lizotte und gelegentliche Ausflüge des Gitarristen Maxime Audet-Halde zur Steel-Gitarre. Das Ganze stand dabei unter dem Motto: Möglichst anders als auf der CD "Soley", aber mindestens genauso spielfreudig, unterhaltsam und vielseitig. Was den Unterhaltungswert betraf, war dieses Konzert der Höhepunkt des Abends.

Holly Cole ist ja von Haus aus eher als bekennende, nachdrückliche Interpretin bekannt. Deswegen verwunderte es fast, dass sie in ihr Programm zur gerade erschienenen, seltbstbetitelten CD "Holly Cole" zwei eigene Stücke ("Larger Than Life" - vom Album und ein ganz Neues namens "Secret") einfließen ließ. Daneben schien überhaupt weniger das Album selbst, sondern eine Sammlung ausgesuchter Tracks, die Holly aus persönlichen Gründen am Herzen lagen, im Zentrum zu stehen. So gab es eine wunderschön reduzierte Version des "Tennessee Waltz" zu hören, den ihr Großvater Holly auf dem Akkordeon beigebracht hatte oder einen Song über die See, an der Holly aufgewachsen ist - aber es fehlte zum Beispiel Hollys beeindruckende Version von Jobims "Waters Of March" - dem Höhepunkt des Albums. Das mochte auch daran liegen, das Holly zum ersten Mal mit einer Bläsergruppe unterwegs war. Da wurden dann natürlich die Tracks in den Vordergrund gestellt, die sich mit Bläser-Arrangements besonders gut machten. Wie zum Beispiel der "Alley Cat Song" oder das Halloween gewidmete "This House Is Haunted By The Echo". Holly selbst war - wie eigentlich üblich - gut aufgelegt und in Plauderlaune, lobte die Schönheit Leverkusens und machte sich auch sonst ihre Späße mit dem Publikum und den Musikern. Die Band - allen voran Pianist und musikalischer Partner Aaron Davis - war bester Dinge und die Bläsergruppe setzte messerscharfe und vergleichsweise überraschende Akzente (z.B. John Johnson mit seiner Bassklarinette - die zuweilen wie eine Schiffssirene daherkam). Dem Anlass entsprechend war Holly nicht nur wie ihre Musiker in Anzug und Krawatte erschienen, sondern widmete sich - eigentlich auch erstmalig - fast vollständig dem klassischen Repertoire. So gab es denn auch nur einen Ausflug in die "Pop-Musik" - und hier zeigte sich wieder ein Mal Hollys Gespür für musikalische Feinheiten - indem sie nämlich Stephen Stills "I Can See Clearly Now" als Gospel-Nummer zelebrierte, was hervorragend funktionierte. Insgesamt war dies ein vergleichsweise vielseitiger Abend zwischen balladesker Eleganz, poppig-souliger Energie, überbordender Spielfreude und ausgebuffter, aber leichtfüßig dargebotener Professionalität. Und obendrein einer, der eben nicht nur für Freunde von puristischem Jazz...

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Surfempfehlung:
www.hollycole.com
www.dobacaracol.com
www.malia-music.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Holly Cole:
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