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Konzert-Bericht
 
Vodka mit Rotwein

Jackie Leven
Michael Weston King/ Markus Segschneider

Köln, Kulturbunker Mülheim
14.11.2007

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Jackie Leven
Jackie Leven ist mit der Willard Grant Conspiracy in Glasgow mit Aufnahmen beschäftigt, als die Amerikaner die Lust überkommt, einmal ein schönes Angus-Steak zu essen. Zusammen mit Jackie begibt man sich also in ein Steakhouse. Der anwesende, unfreundliche Ober erkennt Jackie sogleich als Anführer und nimmt die Bestellung auf. Ob er sein Steak gebraten wolle, fragt er. Wie er sein Steak gebraten haben möchte, glaubt Jackie gehört zu haben, was der Ober verneint. Natürlich wolle Jackie sein Steak gebraten haben. Also notiert der Ober: "Gast wünscht ein schwules Steak" und fragt dann, ob Jackie grüne Scheiße dazu wolle. "Grüne Scheiße" meint Salat - und ja, Jackie möchte auch Salat. Der Ober notiert: "Gast wünscht schwules Hippie-Steak". Robert Fisher, der die ganze Szene - ziemlich blass - beobachtet hat, ist erstaunt. "Mein Gott, das ist ja doch ein ganz anderes Land hier!", wundert er sich. Machen wir uns nichts vor: Das, was eine Jackie Leven-Tour von der anderen unterscheidet (mal abgesehen von den jeweils neuen Stücken), sind Geschichten wie diese, die der Mann unentwegt zwischen seinen Songs einräumt.
In diesem Sinn ist Jackie Leven, wie sein Freund (und an diesem Abend Support) Michael Weston King ganz richtig feststellt, ein klassischer Geschichtenerzähler - jemand, der nicht einfach nur seine Songs spielt, sondern die Kommunikation mit dem Publikum zum zentralen Gegenstand seines Tuns macht. Dazu gehören auch seine seltsamen kulinarischen Vorlieben (Vodka mit Rotwein an diesem Abend) und ein lockerer Umgang mit den Kollegen - neben Michael Weston King natürlich Sidekick, Keyboarder und neuerdings Flötist Michael Cosgrave. Jackie Leven nimmt eben Anteil. Auch das Versprechen an Markus Segschneider, sich dessen Programm anzuschauen, löste Jackie teilweise ein. Markus Segschneider präsentierte hochfiligrane, hochkomplexe, hoch-anspruchsvolle, wieselflinke, jazzige Gitarrenkunstwerke mit verstiegenem Gesang nahe des Atonalen - mal auf Englisch, besser (weil akzentfrei) auf Deutsch. Das war alles sehr schwierig und anstrengend - jedenfalls für die eher bodenständigere Kost gewohnten Jackie Leven-Fans. Die Kluft zeigte sich, indem Markus eines seiner Elaborate allen Ernstes als Country-Nummer verkaufen wollte - was nun wirklich niemand nachvollziehen konnte.

Michael Weston King ist hingegen ein Künstler, wie er bodenständiger nicht vorstellbar ist. Was keineswegs negativ zu verstehen ist. Michael schreibe trotz seines komplexen Lebens bemerkenswert simple Songs, brachte es Jackie Leven mal auf den Punkt. Von diesem komplexen Leben - z.B. von Eheproblemen, dem gerade verstorbenen Schwiegervater oder den Problemen langjährig Verheirateter, die plötzlich mit alten Lieben konfrontiert werden ("She's Still My Weakness") singt Michael - vollkommen aufrichtig und ungekünstelt, aber mit einem effektiv verinnerlichten Hang zur Dramatik. Bei einigen Stücken unterstützt von Jackie und Michael Cosgrave packte Michael alles, was er zu geben hatte, in die üblichen 30 Minuten, die selbst einem guten Freund als Support Act lediglich zustehen.

Jackie und Michael Cosgrave blieben dann gleich auf der Bühne sitzen. Denn nicht nur dann, wenn es um das Verweigern von Zugaben geht, zeigt der große Schotte seine Abneigungen gegen Rituale des Rockbusiness. Es folgte die übliche Melgange von ergreifenden Moritaten wie der eingangs erwähnten sowie alten und neuen Songs - besonders jenen vom letzten Album "Oh What A Blow That Phantom Told Me" und den Elaboraten, die Jackie unter dem Pseudonym Sir Vincent Lone veröffentlicht. Musikalisch gab es keine großen Offenbarungen - denn mittlerweile haben sich Cosgrave und Leven blind aufeinander eingestellt und brauchen kein großes Tamtam mehr, um zu reüssieren. (So gab es lediglich bei "Moscow Train" einen Drumloop.) Interessant für Fans war die besonders persönliche Note, die Jackie heuer einfließen ließ: Die Geschichten über seine Frauenprobleme, die Sache mit dem Überfall und die lange Genesungsgeschichte und jene vom Royal Lunch mit Lady Di waren es dieses Mal, die die Show besonders menschelnd erscheinen ließ. Dazu gab es auch schon lange nicht mehr gehörte Kleinode wie "Main Travelled Roads" zu hören (das Jackie nach eigener Aussage Lady Di vorsingen musste, um zu beweisen, dass er ein Sänger sei). Darüber hinaus erfuhr man ein wenig über die zum Teil recht codierten Texte Jackies und die Geschichten, die hinter Songs wie "Kings Of Infinite Space" stehen - oder stehen könnten, denn bei Jackie kann man sich nie ganz sicher sein, wann die Phantasie mit ihm durchgeht. Insgesamt war das eine sehr solide, sehr gute und - für Kölner Verhältnisse und den eher obskuren Auftrittsort durchaus gut besuchte - Jackie Leven Show; die zwar nichts grundlegend Neues, aber gewohnt gute Unterhaltung bot.

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Surfempfehlung:
www.jackieleven.com
www.michaelwestonking.com
www.markus-segschneider.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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