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On the road again

Oh Susanna
Steve Dawson

Ospel, Café DePrins
17.11.2007

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Oh Susanna
Für eine Künstlerin wie Suzie Ungerleider alias Oh Susanna ist es eh schon ein finanzielles Wagnis, überhaupt auf Tour zu gehen. Verständlich also, dass sie sich dem Songwritern gegenüber eher reservierten, deutschen Markt fern hält. Und so war Suzie denn mit ihrem kanadischen Landsmann Steve Dawson als Support und Begleitmusiker im Rahmen einer Welttournee lieber bei unseren holländischen Nachbarn unterwegs, wo Musik dieser Art traditionsgemäß auf ein größeres Interesse stößt, als bei uns. So war dann das kleine Café DePrins im nicht viel größeren Örtchen Ospel (in der Nähe von Roermond) trotz Fußball-Übertragung in der Gaststätte recht gut besucht.
Steve Dawson ist ein von der Statur her eher unauffälliger Mann, der indes sein Heil auch nicht so sehr im modischen Styling, als vielmehr in der Performance suchte. Bewaffnet mit zwei akustischen Gitarren (einer davon ein Weissenborn-Nachbau von 2007, wie er nicht ohne Stolz vermerkte), die aber beide - sehr hart und prägnant - über einen elektrischen Verstärker spielte - überzeugte Dawson mit einem enorm beeindruckenden, kurzen Programm, in dem er sich als Songwriter, vor allen Dingen aber als Gitarrist empfahl. Virtuos jonglierte er mit Blues, Jazz, Swing und Folk, spielte eigenes und Covermaterial (aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts) und bewies, dass traditionelles Material immer noch nicht angestaubt klingen muss. Sein Meisterstück lieferte er mit der Hawaii-Nummer "Red Sand Serenade" (und zwar einer im Sinne Django Reinhards, wie er ausdrücklich betonte), die er zunächst auf der akustischen Gitarre begann, wobei er in mehreren Schichten eine komplexe Begleitung zusammensampelte, zu der er dann - im fliegenden Wechsel auf die Weissenborn umsteigend - messerscharfe Slide-Soli spielte. Das war Americana auf höchstem Niveau, Roots-Musik ganz so, wie sie sein muss. Wem das Ganze entfernt bekannt vorkam: Steve Dawson spielte die Slide-Gitarre auf dem Album "Slingshot Professionals" des geistesverwandten US-Kollegen Kelly Joe Phelps.
Das Charakteristische und Auszeichnende am Projekt Oh Susanna ist zweifelsohne Suzie Ungerleiders glasklare, ausdrucksstarke Gesangsstimme, die wie gemacht scheint für jene Art seufzend schöner, melodischer und todtrauriger Folk-Balladen, die ihr Oeuvre nun mal größtenteils ausmachen. Eigentlich eignen sich diese Tracks zum Vortrag mit Band gleichermaßen wie für jenen im Solo-Ambiente. Deswegen erschien Steve Dawsons zweite Gitarre hier zunächst mal als willkommene Dreingabe. Schnell jedoch zeigte sich, was alles gefehlt hätte, wenn er nicht mitgemacht hätte. Zum einen fügte er akustisch, mit Slide- und der hinzugekommenen E-Gitarre vielseitige Soundkomponenten hinzu und andererseits spielte er dabei dermaßen empathisch, als sei er integraler Bestandteil eines jeden einzelnen Songs. Nun sind Suzies Songs - auch im Vergleich mit vielem, was ansonsten aus dieser Ecke kommt - ja eh schon nicht von schlechten Eltern (einfach deswegen, weil sie ihre Stücke sowohl was die Melodie, wie auch die Arrangements und die zugrunde liegende Geschichte betrifft, einfach mehr ausformuliert als andere das tun) - so aber erschienen sie als wirklich runde Sache, bei der nie der Gedanke aufkam, dass hier etwa etwas fehle. Ihre letzte CD, "Short Stories", ist bei uns eher "unter der Hand", jedenfalls ohne viel Tamtam - und nach einer Babypause von fast vier Jahren - erschienen. Deren Songs standen natürlich im Mittelpunkt des Vortrages. Wie bei vielen nordamerikanischen Songwritern geht es bei Suzie oft um das Reisen. Sei es um Seeleute, wie z.B. jenen auf "Sleepy Little Sailor" oder um den "Greyhound Bus" von der neuen Scheibe oder die "Back Dirt Road" von ihrer "Johnstown CD". Das ist einer der Gründe, warum ihre Songs oft so eine sehnsüchtige Note haben. Und dann ist da natürlich noch der Vortrag - meist mit geschlossenen Augen - der der Sirenenhaftigkeit und dem Fernweh Vortrieb leistet. Wer Suzie Ungerleider im richtigen Leben kennt, der wundert sich vielleicht über die leicht distanzierte Art, mit der sie ihre Songs vorträgt. Ob es sich hierbei nun um Unsicherheit oder Konzentration handelt, ist nicht direkt auszumachen. Es fällt indes auf, dass es da schon einen Unterschied zwischen dieser entrückt wirkenden Bühnenpersona und der gutgelaunten, "echten" Suzie gibt. Natürlich blieben die eher rocklastigen Tracks ihres 2003er selbstbetitelten Albums in diesem Zusammenhang außen vor, dennoch ließen es sich Suzie und Steve nicht nehmen, doch wenigstens eine Rocknummer zu spielen. Nachdem man scherzhaft überlegte, eine Ramones- oder Sex Pistols-Nummer anzugehen, wurde es dann doch "Dead Flowers", das von den Fans begeistert mitgesungen wurde. Fazit: Alleine wegen der Stimme und der Songs wäre jeder Trip zu einem Oh Susanna-Konzert die Reise wert gewesen und mit Steve Dawson gab es eine echte Entdeckung aus dem Americana-Bereich zu feiern.

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Surfempfehlung:
www.ohsusannamusic.com
www.stevedawsonmusic.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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