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Nette Jungs von nebenan

The National
Hayden

Köln, Prime Club
27.11.2007

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The National
Als der Kanadier Hayden von 12 Jahren im Vorprogramm der Cowboy Junkies zum ersten Mal in Köln spielte (nicht, wie er glaubte, in einer Kirche, sondern im E-Werk), da waren die Zeiten andere: Die Industrie zeichnete noch Songwriter, es gab noch Plattenläden und "downloaden" war noch ein Unwort. Heutzutage sieht das anders aus: Hayden, ein typisches Opfer der Major-Label-Politik ist - nach langer Durststrecke - mit beiden Füßen im Indie-Lager angekommen und kündigt sein kommendes Album als Download an. Seine musikalischen Verdienste mindert das freilich nicht: Als sich The National-Mastermind Matt Berninger später bei Hayden für den Support bedankt, bezeichnet er ihn als jemandem, dem die Band schon lange zugehört und von dem sie viel gelernt habe. Das mag daran liegen, dass Hayden ein unaufgeregter Performer und guter Geschichtenerzähler ist (eine Sache, mit der Matt selber ja nicht so konform geht).
Seine Songs bieten des weiteren - zumindest großteils - auch immer angenehme Melodiebögen und interessante Harmoniefolgen. Insofern fiel es Hayden auch nicht besonders schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen - zumindest die vorderen Reihen betreffend. Mehr noch: Es gelang ihm sogar (bewaffnet mit einer E-Gitarre) zum Mitsingen zu bewegen. Dass sich Hayden und The National gut verstehen, war dann daran zu erkennen, dass ihn bei einem Stück The National Geiger Padma Newsome (eigenartigerweise auf dem Boden kauernd) begleitete und beim abschließenden "Bombs Away" dann sogar die ganze Band - wodurch Hayden dann auch mal zeigen konnte, dass er nicht nur introspektive, düstere Mörderballaden wie "My Wife" kann, sondern eben auch schrammeligen Indie-Rock. Eine nette Geste war das allemal.
Der Umbau dauerte dann noch eine Weile, weil doch einiges zu richten war - z.B. die Geigen und Keyboards von Padme Newsom und das Drumkit und die Schnürsenkel von Drummer Bryan Devendorf (die Schnürsenkel stopfte er sich in seine Schuhe und über der Snare-Drum befestigte er ein Handtuch oder etwas ähnliches - was zusammen mit seinem sehr speziellen Stil den typischen The National-Drumsound ausmacht). Und dann ging es los. Wir hatten ja das Glück, The National zufällig im Sommer bei einem der Aufwärmgigs zu ihrer Tour in New York beobachten zu können. Damals überraschte bereits die Energie, mit der Berninger und seine Mannen zu Werke gingen - obwohl alles noch ein wenig holprig daherkam. Davon war bei der von Gaesteliste.de präsentierten Tour in Köln nichts mehr zu spüren. Vielmehr bewiesen sich The National als gutgeölte Rockband, die etwas von Struktur, Dynamik und Dramaturgie versteht ("Fake Empire" war z.B. der letzte Track des offiziellen Sets, auf den alles zuvor gespielte hingearbeitet zu haben schien). Berninger zeigte sich gut gelaunt, gelöst und in Plapperlaune. So war er sichtlich bemüht, die Inhalte der Songs - die er nach eigener Aussage teilweise selbst nicht so richtig ergründen kann - zu erklären. Das ging so weit, dass ihm jemand aus dem Publikum ein gut gemeintes "Shut Up" zurief - eine Anregung, die er - gar nicht böse - gerne aufgriff und entschuldigend meinte, es seien ja die anderen, die ihn ständig dazu drängten, mehr zu erzählen.

Insgesamt übertrug sich die gute Laune natürlich, so dass sich Padme Newsom bemüßigt fühlte, einzuwerfen, man übe nur für die am nächsten Tag anstehende Comedy-Show. Im Prinzip war das ein Glücksfall, denn die Performance von The National ist dann für gewöhnlich doch sehr konzentriert. Jeder steigert sich für sich in einen Spielrausch hinein und Matt steht öfter als nötig mit dem Rücken zum Publikum und geschlossenen Augen vor dem Schlagzeug. Da passte es dann ganz gut, dass Newsom wie ein Derwisch über die Bühne tobte und dabei seine Geige fast zerlegte und der linke der beiden Dessner-Brüder mehrmals auf die Lautsprecherbox vor der Bühne kletterte - was besonders die hintenstehenden im zum Platzen gefüllten Prime Club gefreut haben dürfte, die so wenigstens einen flüchtigen Blick auf einen der Musikanten erhaschen konnten. Mittlerweile haben The National auch hierzulande einen gewissen Kultstatus erreicht, was unter anderem dazu führte, dass die Fans die Texte Berningers mitsingen konnten - was angesichts dessen, dass es sich dabei eben nicht um herkömmliche Stories handelt und die Songstrukturen auch immer ein wenig gegen den Strich gebürstet sind, gar nicht so einfach ist. Das spricht also gleichermaßen für The National und die Fans. Im Vergleich zu den CD-Aufnahmen kommen The National live wesentlich flüssiger und stromlinienförmig daher - wofür auch die alte Punk-(bzw. Indie-) Tugend sorgt, sich nicht mit instrumenteller Virtuosität aufzuhalten sondern lieber für ein organisches Miteinander zu sorgen. Echte Balladen sparen sich The National dann auch gleich - weswegen auch das Pathos, das andere Indie-Bands - gerade aus den USA - ansonsten bei solchen Gelegenheiten gerne verbreiten, fehlt. Und das trotz drei Keyboards - die von nahezu allen Musikanten wechselnd bedient wurden. Irgendwie sind The National somit auch die netten Jungs von nebenan geblieben - trotz des ständig zunehmenden Erfolges. An diesem Abend empfahlen sich The National jedenfalls als zugängliche, gut gelaunte, unterhaltsame Live Band. Nicht schlecht für einen Act, dem gerne (und nicht ganz zu unrecht) auch eine Portion Tristesse nachgesagt wird.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/thenational
www.americanmary.com
www.myspace.com/hayden
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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