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Konzert-Bericht
 
Phönix ohne Asche

Adam Green
Turner Cody

Köln, Live Music Hall
13.04.2008

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Adam Green
Im Fernsehinterview zur gerade begonnenen Tour zeigte sich Adam Green befremdet darüber, dass er von seinen deutschen Fans immer Stofftierchen zugesteckt bekomme. Schließlich sei er ein erwachsener Mann, der mit so etwas doch nicht mehr spiele. Nun, dabei hat der Mann mit dem verträumten Schlafzimmerblick doch gerade hierzulande sein Auskommen. Da sollte er mal besser akzeptieren, dass er so etwas wie der alternative Teenie-Star ist. Bei jeder Tour füllt der Mann aus New York größere Hallen und nun, zur Präsentation seines aktuellen Albums "Sixes & Sevens", fuhr er auch gleich ein ganzes Orchester auf und verabschiedete sich endgültig als Anti-Folker.
Ganz so weit ist Turner Cody noch nicht. Der Songwriter aus Brooklyn, der auch mal gerne mit Herman Düne um die Ecken zieht, stellte im Vorprogramm Songs seiner neuen Scheibe "First Light" vor und überzeugte hier vor allem als klassischer Folkie. Die schrammelig dahingerotzten Ragtimes und Country-Balladen mit den z.T. haarsträubend komischen Texten passen dabei erstaunlich gut zur Geisteswelt eines Adam Green - weswegen die Kombination auch schon mal als sehr gelungen bezeichnet werden durfte. Was auf der Scheibe indes eher nach Bob Dylan & The Band klingt, ging im Solo-Live-Kontext fast als moderner Woody Guthrie durch. Unterbrochen von haarsträubenden Beobachtungen des Meisters ("Wieso konnten sie im Mittelalter Kirchen wie den Kölner Dom bauen, aber sich nicht vor der Pest schützen?") gab es eine Vaudeville-mäßige Tour de Force durch die wundersame Welt des Turner Cody mit all den verrückten Charakteren und Situationen, die seine Stories so amüsant erscheinen lassen. Steigerungsfähig erscheint das dann tatsächlich nur noch mit Band - weswegen auf die Tour später im Jahr schon mal prophylaktisch hingewiesen sein möchte.
Adam Green ließ dann zunächst mal seine enorm variantenreiche und druckvolle Band (mit zwei Gospel-Sängerinnen) aufspielen - mit einer Art bombastischen Prog-Rock-Intro - bevor er sich dann selbst ins Getümmel stürzte. Angetan mit einem Fransenhemd, bei dem selbst so mancher Gitarrenheld der 60er vor Neid erblasst wäre, tänzelte er - im Vergleich zu früher deutlich gelenkiger - auf die Bühne. Nicht nur outfittechnisch hat er sich also vom sterbenden Schwan zum Paradies-Phönix gewandelt. "Sowas werden die Astronauten in der Zukunft tragen", scherzte er zu diesem Thema und ließ die Fransen fliegen. Musikalisch setzte sich das fort, was sich auf dem Album bereits abzeichnete: Adam Green ist stilistisch ausgebrochen und nicht mehr zu halten. Zwar gab es bei dem Konzert keine Pan-Flöten - aber doch immerhin ein Glockenspiel (u.a. bedient von Freundin und Gast-Sängerin Loribeth Capella beim Duett "Drowning Head First"). Ansonsten wurde kaum eine Gangart zwischen - sagen wir mal - Glam Rock, Psycho-Pop, Honky Tonk oder Rockabilly-Shuffle ausgespart. Und das alles wurde schön kurz und knapp hingehauen - wie man es von den Tonträgern her kennt. Die ganze Welt ein "Broadcast Beach?" Im Falle von Adam Green 2008 definitiv ja! Auch in Sachen Dynamik machte das was her: So brauchte es etwa vom A-Cappella-Intro "Leaky Flask" bis zum orkanartigen Rockgewitter gerade mal einen Wimpernschlag. Zumindest im ersten Teil der Show, in dem die meisten neuen Tracks gegeben wurden, gab es also einen knackigen Wall Of Sound. Es folgte dann eine kurze Solo-Passage (nachdem Adam festgestellt hatte, dass man auch mit den aerodynamischen Fransen Gitarre spielen konnte) und ein zweiter Teil mit Band, in dem dann auch ältere Tracks zum Besten gegeben wurde - die aber auch nicht mehr so folkselig erschienen, wie früher. Einer der Gründe, warum es Adam Green gefallen dürfte, gerade hierzulande zu reüssieren, ist wohl der, dass er hier ohne weiteres mit den gelegentlichen Obszönitäten in seinen Songs unbehelligt durchgeht. Wobei es darum geht, ist Nebensache: "Der nächste Titel heißt 'Carolina'", kündigte der Meister die betreffende Nummer an, "worum es dabei geht, habe ich vergessen, aber damals, als ich das Lied schrieb, dachte ich, es klänge cool." So oder ähnlich verhält es sich wohl bei den meisten der Adam Green-Epen: Allzuviel Bedeutung darf man da nicht hineininterpretieren wollen. Hauptsache, das Ganze macht Spaß. Und das tut es allemal. Adam Green ist ein großartiger Entertainer, ein cleverer Songwriter und einen passablen Astronauten gibt er obendrein ab.

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Surfempfehlung:
www.adamgreen.net
de.wikipedia.org/wiki/Adam_Green
www.myspace.com/misterturnercody
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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