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Konzert-Bericht
 
Licht aus, Spot an.

Bardo Pond
Mogwai

Köln, Prime Club
17.05.2001

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Bardo Pond
Es ist schon immer wieder erstaunlich, mit welcher Vehemenz gewisse Nischenmusiker im Rockbusiness bejubelt werden, während gleichartige - vielleicht gar bessere - Vertreter derselben Zunft eiskalt ignoriert werden. Der Prime Club (und scheinbar die ganze Tour) der schottischen Instrumentalcombo Mogwai war gnadenlos ausverkauft. Was gab es also besonderes zu sehen? Gar nix. Die Beleuchtung war dermaßen puffdunkel, daß man wirklich keinen Ton sehen konnte (Die beigefügten Fotos stammen größtenteils auch von einer speziellen Infrarotkamera mit Nachtsichtgerät - ist Quatsch, hört sich aber gut an, gelle?).
Zunächst mal durften Bardo Pond dem Publikum einheizen. In dem Fall kein Widerspruch. Ach was hatte Isobel Sonnenberger beim Bardo Pond Interview sich doch so gewundert, daß man die Drone-Musik des Quintetts etwa nicht als Rockmusik werten mochte. Es sei doch Gitarrenmusik, hatte sie gesagt, ergo Rockmusik. Und überhaupt, es ginge doch darum, sich in der Musik zu verlieren, das ginge doch nur mit Rockmusik. Normalerweise ist dies ja da druckreifes Biographie-Geschwafel, was bei Interviews nervenden Journalisten vorgebetet wird. In dem Fall stimmte es aber. Bardo Pond - und es sträubt sich immer noch die virtuelle Feder - ROCKTEN. Wie geht das? Zunächst mal blüht Isobel auf der Bühne förmlich auf. Verlieren tut sie sich in der Musik und aus sich herausgehen, daß es eine Freude ist. Für eine Shoegazer-Truppe ganz schön extrovertiert also. Dann machten Bardo Pond nicht den Fehler, der ihnen auf CD oft zum Verhängnis wird - lange Stücke durch Penetranz künstlich am Leben zu halten, nämlich - sondern boten ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm, bei dem vor allen die beiden Gitarristen ordentliche Riffarbeit leisteten, sodaß es also - äh - ROCKTE. Dazu pflanzte Isobel mittels Stimmchen, Flötchen und Geiglein bunte Farbtontupfer. Sehr schön das.
Dann kamen die Meister des Abends - nun ja, nicht gerade zu Wort, aber zu Ton (Warum z.B. bei einer Instrumentalcombo 3 Mikros her mußten, weiß der Teufel alleine). Ein knallroter Spotscheinwerfer auf dem Boden ragte warnend ins Dunkel und dann gings los. Jeder der Saitenbevollmächtigten in der Band hatte Effektgeräte und Pedale im Wert von wenigstens 2.000 DM vor sich stehen - doch davon wurde vergleichsweise rücksichtsvoll Gebrauch gemacht. Mogwai's Erfolgsgeheimnis scheint das Spiel mit der Dynamik zu sein. Leise fangen alle Stücke an und werden dann von grausam lauten Lärmattacken unterbrochen oder steigern sich bis zu einem unausweichlichen Antiklimax. Ehrlich gesagt: Das ist ganz schön vorhersehbar. Da können auch Flöte und Cello nicht unbedingt helfen. Es ist schon ein mittelgroßes Rätsel, warum ausgerechnet Mogwai - oft übrigens mit dem Rücken zum Publikum spielend - dermaßen erfolgreich sind. Sicher: Das ist eine Alternative für Bands wie Tortoise, weil Mogwai nun mal nicht aus Krautrock oder Jazz schöpfen - dennoch: Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, an diesem Abend lauter Stücke gehört zu haben, die alle irgendwie 10 Minuten anfingen - und dann zu Ende waren. Irgendwo stand mal geschrieben, daß Mogwai's Stärke in der Improvisation bestünde. Das kann angesichts des streng durchkomponierten Charakters der Stücke aber in diesem Fall eher als Mißverständnis gewertet werden. Fazit: Schön, daß es überhaupt ein Publikum für diese Art von Musik gibt - die ja nun weitab vom Üblichen liegt. Allerdings hätten zumindest Mogwai mit ein wenig mehr Wärme und Beleuchtung sicherlich auch noch Größeres leisten können.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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