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Konzert-Bericht
 
Himmel auf Erden

Willard Grant Conspiracy
Howe Gelb

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
25.05.2008

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Willard Grant Conspiracy
Als Robert Fisher vor einigen Monaten auf der Promo-Tour für das neue WGC-Album "Pilgrim Road" einige Solo-Konzerte gab, weigerte er sich, auch nur ein Stück des neuen Albums zu spielen - mit dem Argument, er wolle die Stücke nur in angemessenem Rahmen präsentieren. Was er damit meinte, wurde auf dieser Tour klar. Mit insgesamt 11 Musikern (darunter Roberts Co-Autor Malcom Lindsay) präsentierte Robert das neue Material in einem entsprechend reichhaltigen Format, bei denen den komplexen Songstrukturen und Arrangements - mittels einer vielseitigen Instrumentierung - entsprechend Rechnung getragen wurde.
Die Antithese zu einem solchen Konzept stellte dann Support Act Howe Gelb dar, der mit dem Gedanken an irgendwie geplante Events immer weniger anfangen kann. Bereits früher neigte der Maestro ja dazu, sich relativ frei durch die von ihm erfundenen Songlandschaften zu bewegen. Heutzutage steht er auf dem Standpunkt, dass es das Wichtigste sei, Dinge zu tun, die vorher nicht geprobt wurden. Und so lässt sich Howe immer mehr vom Moment und der Umgebung - und weit weniger von seinem umfangreichen Backkatalog inspirieren. Ein schönes Beispiel dafür war der Umstand, dass er sich angesichts der Roepaener Kapelle an Mönche erinnert fühlte, was ihn bemüßigte, den Folk-Song "Frère Jacques" anzustimmen, über den er dann mittelbar zu seinem Song "Shiver" fand. (Howe war von der Kapelle so angetan, dass er sogar meinte, dass er sich so in etwa den Himmel vorstelle.) Später geriet er über eine Blues-Improvisation zu Johnny Cashs "Ring Of Fire", in das er dann noch "Hey Jude" einfließen ließ. Und so ging das munter hin und her - oft unterbrochen von psychedelischen Effektgeräte-Experimenten und wechselweise an Piano und Gitarre. Zum Schluss kam - neben Howes Bassisten, der freilich Mühe hatte, den Eingebungen des Meisters zu folgen - noch WGC-Drummer Tom King hinzu und auch Vokalistin Iona MacDonald gab ein Gastpiel. Manche sagen, Howe Gelb werde immer wunderlicher - aber wahrscheinlicher ist, dass der Mann mit sich selbst dermaßen im Reinen ist, dass er sich mehr als fast jeder andere Künstler in der Form verwirklichen kann, die ihm am meisten entspricht. Und unterhaltsam ist Howe allemal - das merkte auch Robert Fisher selbst in seiner entsprechenden Dankesbotschaft noch einmal an.

Das Willard Grant Conspiracy Pilgrim Orchestra ist dabei weniger ein Orchester im klassischen Sinne, sondern eine Gruppe von Musikern, bei der jeder gewisse Aufgaben hat. Was besonders für Musiker wie Chris Eckman, die für gewöhnlich in einem etwas freieren Format tätig sind, eine gewisse Herausforderung darstellte. Im Vorfeld hatte Chris gar noch bedenken, dass man nicht lange genug proben könne, um die komplexen Arrangementsideen irgendwie umzusetzen. Schließlich probte man für zwei Tage und bei der dritten Show saß dann alles dort, wo es hingehörte. (Die zweite Show sei die schwierigste gewesen, berichtete Chris.) Das Erfolgsgeheimnis des ganzen Unterfangens war die Idee, die Streicher-Arrangements aufzubrechen und auf die anderen Instrumente zu verteilen. Denn außer Josh Hillmanns kräftiger Viola und Pete Harveys Cello gab es keine Streicher. Akzente setzten hingegen Dennis Cronins Trompete und John Songdahls Posaune. Der Rest ergab sich dann aus dem geschickt gestaffelten Zusammenspiel der anderen Instrumente, die auf diese Weise dann tatsächlich einen orchestralen Charakter ergaben. Ein Beispiel dieser Art war z.B. "Painter Blue", bei dem die Harfen-Akzente auf Piano, Posaune, Gitarre, Pizzicato-Geige und Vibraphone-Keyboard aufgeteilt wurden.

Aber das klingt jetzt schon wieder zu akademisch. Wichtig war, dass alles anders klang als auf der Scheibe, der Geist der Stücke und der Geist der Idee jedoch erhalten blieb. Insgesamt kam die Sache auf diese Weise ein wenig kurzweiliger rüber - was zum einen an dem vielseitigen Klangbild lag und zum anderen natürlich daran, die Musiker hier in Aktion zu erleben. Und dann gab es natürlich auch keine großartigen Improvisationspassagen: Das relativ starre Konzept verleitete zu einer ziemlich kompakten Darbietungsform. Aber natürlich kann ein Musiker wie Robert, der immerhin vom Punk her kommt, das Rocken dann doch nicht vollständig lassen. Und so beschloss das Orchester das Set mit einer lebhaften Version von "Soft Hand", die dann durchaus ganz gut swingte (und natürlich Dennis Chronin die Möglichkeit bot, das raffinierte Trompeten-Riff, das dem Song erst seinen Charme verleiht, einzubringen). Robert legte großen Wert darauf, festzustellen, dass alle Stücke des neuen Albums gespielt wurden. Bei den Interviews hatte er ja geradezu darauf bestanden, dass sich die neuen Stücke gar nicht so sehr von dem unterschieden, was er vorher gemacht habe. Und um dieses zu belegen, wurden ältere Tracks - "Ghost Of The Girl In The Well", "The Suffering Song" oder "From A Distant Shore" - ziemlich nahtlos in das Konzept mit eingebaut. Dennoch wirkte die Show nicht halb so düster und dräuend, wie Robert es immer wieder darstellte. Vielleicht lag es daran, dass man sich ein Sechs-Song-Limit für Todesthemen auferlegt hatte, der traurigste Song, den man kenne - der "Suffering Song" - gar nicht so traurig dargeboten wurde oder dass die pastorale Stimmung des Albums kurzerhand aufgelockert wurde (so gab es beim "Great Deceiver" eher Shanty als Gospel). Insgesamt war das Konzert und auch wohl die ganze Tour genau das, was Robert sich gewünscht hatte. Dem Vernehmen nach wurden alle Shows mitgeschnitten. Es wäre schön, wenn daraus ein Live-Dokument entspränge, denn mit den Live-Shows hievten Robert und seine Musiker das neue Material zweifelsfrei nochmals in ganz neue Dimensionen.

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Surfempfehlung:
www.willardgrantconspiracy.com
www.myspace.com/willardgrantconspiracy
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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