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Der Pilgervater

Kris Kristofferson

Bonn, Museumsplatz
22.07.2008

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Kris Kristofferson
Es kommt ja nur selten vor, dass lebende Legenden wie Kris Kristofferson sich die Zeit nehmen, sich auch jenseits des Atlantik die Ehre zu geben (von Bob Dylan mal abgesehen) - schon gar nicht solo. Deswegen war es schon verwunderlich, dass das Konzert in Bonn zwar gut besucht, längst aber nicht ausverkauft war. Was auch an den hohen Eintrittspreisen gelegen haben mochte - die indes (im Vergleich zu anderen Veranstaltungen dieser Art) angesichts des Gegenwertes durchaus angemessen erschienen. Denn es gab Kristofferson pur. Und das heißt: Die Musik war eher Beiwerk. Zu bewundern gab es den Entertainer, den Geschichtenerzähler, gar Menschen Kristofferson.
Musikalisch muss man sich die Sache so vorstellen, wie eine nochmals reduzierte Version der letzten Kristofferson CD "This Old Road". Gerade an Kristofferson ist ja die Zeit eben nicht spurlos vorübergegangen (wie soll man sonst auch zu solch einem Gesicht kommen?) und so brillierte der Mann nicht gerade mit musikalischer Subtilität. Er selbst nahm den Lauf der Zeit offenbar gelassen: Als er von "Lonely Girls" sang, entschuldigte er sich dafür, indem er darauf hinwies, dass er das betreffende Stück vor einer sehr langen Zeit geschrieben habe. Doch was machte das schon: Kristofferson spielte praktisch sein ganzes Leben vor - zum Beispiel anhand seines umfangreichen Back-Kataloges, wobei er die Klassiker vom Schlage "Bobby McGhee", "Sunday Morning Coming Down", "Nobody Wins" oder "Help Me Make It Through The Night" (das er in scherzhaft in "Help Me Make It Through TONIGHT" ummünzte) geschickt im ganzen Set verteilte. Aber auch die neue CD mit dem charmant retrospektiven Charakter wurde ausgiebig vorgestellt (und eifrig beklatscht) und er nutzte natürlich die Chance, den "Pilgrim's Progress" gegen den ursprünglichen "Pilgrim" zu setzen. Auch der nach wie vor vorhandene Protestsänger Kristofferson ist immer noch vorhanden: "In The News" versprüht immer noch dieses retroaktive Element, dessentwegen er in seiner Heimat immer noch gelegentlich aneckt. Schade nur, dass er die Hommage an die modernen Outlaws wie John Trudell oder Steve Earle ausließ, denen er auf der Scheibe mit "Wild American" ein Denkmal setzte. Dafür erinnerte er gleich mehrfach an seinen verstorbenen Freund Johnny Cash, dem er mehrere Songs ausdrücklich widmete (wie auch seinen Kindern und deren Mütter).

Im Laufe des durch eine kurze Pause unterbrochenen Konzertes spielte er sich peu a peu warm, so dass im zweiten Teil die Sache dann auch weniger holprig dargeboten wurde als im ersten. Was Kristofferson an musikalischer Finesse vermissen ließ, machte er durch Charme und Spontaneität wieder wett. So kommentierte er die ungewohnte, "furchteinflößende" Tageszeit (die Show begann pünktlich um 19 Uhr), unterhielt sich mit dem Publikum (nun ja, wenigstens ansatzweise) und machte mehrfach auf die Spendenaktion für ein lokales Krankenhaus aufmerksam. Sehr unterhaltsam auch seine Kommentare zu einigen seiner Songs: Es sei doch erstaunlich, dass im Land der Freien mehr Leute hinter Gittern säßen als in jedem anderen Land der Welt, kommentierte er "In The News" und die einsamen Bürgersteige in "Sunday Morning Coming Down" erklärte er durch den Umstand, dass - zumindest in Nashville - um diese Zeit die Bars zumachten. Das alles wirkte vollkommen unaffektiert und spontan und zeigte, dass es Kristofferson überhaupt nicht mehr nötig hat, irgendetwas zu kalkulieren oder zu wollen. Das Konzert vermittelte eher den gegenteiligen Eindruck, dass er dieses nämlich aus Spaß an der Freude spielte.

Und als dann gegen Ende des Konzertes, dass er offiziell mit dem wie für solche Anlässe geschaffenen "Thank You For A Life" beschloss, die Fans (zu denen übrigens nicht ausschließlich ältere Semester, sondern durchaus auch nachgewachsene Apostel und sogar neugierige jugendliche gehörten) sich von ihren Stühlen erhoben und nach einer stehenden Ovation zur Bühne strömten, schien er dieses aufrichtig zu genießen. Fazit: Mag auch der Schauspieler Kris Kristofferson in den letzten Jahren stärker in Erscheinung getreten sein als der Musiker: Als Songwriter, Querkopf und Outlaw ist er jedenfalls noch lange nicht am Ende.

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Surfempfehlung:
www.kriskristofferson.com
de.wikipedia.org/wiki/Kris_Kristofferson
www.imdb.com/name/nm0001434/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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