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Zeitreise

Dean & Britta
El May

New York, Zipper Theater
21.08.2008

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Dean & Britta
Genau genommen war dies natürlich keine Galaxie 500 Re-Union-Show. Die Sache war nur die: Dean & Britta - ehemals Luna (und im Falle von Dean Wareham davor eben Galaxie 500) spielten eine Serie von drei Konzerten im Zipper-Theater im Zentrum von Manhattan. Auch in New York ist das Club-Sterben allgegenwärtig: Nachdem das CBGBs schon vor einiger Zeit den letzten Kampf verloren hat (und heutzutage eine Edel-Boutique ist), sind nun auch die Tage der Knitting Factory gezählt, die demnächst schließen muss. Auf der Suche nach neuen Auftrittsmöglichkeiten sind Dean & Britta dabei auf das besagte Zipper Theater gestoßen. Dieses ist eine ehemalige Feuerzeugfarbik - deswegen der Name -, die in ein Theater für Kleinkunst links der Mitte konvertiert wurde, das aber durchaus auch für Rockshows geeignet ist. Nachdem im ersten Set einige Wochen vorher das Dean & Britta-Programm gespielt wurde, hatte man sich entschlossen, die zweite Show mit Galaxie 500-Material zu bestreiten - unter anderem, damit die Fans auch zu diesem Set kommen sollten.
Der Plan ging auf: Der mit alten Autositzen in der Anordnung eines Amphi-Theaters eingerichtete Club war gut gefüllt. Den Support bestritt die gelegentliche Luna-Keyboarderin Lara Meyerratken alias El May. Da sie bei Luna so wenig ausgelastet gewesen sei, dass sie während der Spielpausen stricken konnte, so El May scherzhaft, habe sie begonnen, eigene Songs zu schreiben. Diese trug sie allerdings nicht mittels eines Keyboards, sondern mit Gitarre und geschickt eingesetztem Sampler vor. El May fühlt sich dabei der Tradition der Indie-Songwriterinnen verpflichtet - was meint, dass ihre Songs weniger auf Folk denn auf Rock-Strukturen basieren - wobei indes das erzählerische Element nicht zu kurz kommt. Den Sampler nutzte El May dabei dazu, sich selbst Gesangsharmonien beizusteuern und mittels wohldosierter Klopfgeräusche eine Art Drumkit zu emulieren. Dabei verzog sie beim Vortrag zuweilen auf eigenartige Weise das Gesicht - ein Problem, das ihr indes durchaus bewusst ist und an dem sie auch arbeitet. Als Freundin der Band konnte sie es sich natürlich nicht verkneifen, auf einige Passagen in Dean Warehams eben erschienenen, autobiographischen Buch "Black Postcards" einzugehen.
Nach einer kurzen Pause betraten dann Dean und Britta mit ihren Musikern, Drummer Anthony LaMarca (der auch auf der letztjährigen Europa-Tour mit von der Partie war) und Keyboarder / Gitarrist Matt Sumrow die Bühne. Wie gesagt, war das Thema des Abends Galaxie 500. Und da wurde geklotzt und nicht gekleckert. Es gab praktisch eine Vollbedienung - neben den Galaxie-"Hits" wie "Snowstorm" oder "Blue Thunder" (dem Song für den gleichnamigen Film mit Roy Scheider, wie Dean scherzte) spielten Dean und Britta z.B. auch das Joy Division-Cover "Ceremony", das sich auf der zweiten Galaxie 500-CD "On Fire" befindet. Zwar hatte man sich zum Üben einige Tage Zeit genommen, dennoch lag der Charme der Performance weniger in der musikalischen Perfektion, sondern in einem impulsiven Mit- und Umeinander, das durchaus an die seligen Galaxie-Tage erinnerte. Hat sich Dean Wareham in den letzten Jahren zu einem gewieften Songwriter entwickelt, so ging es ja bei Galaxie 500 zu Beginn eher um Atmosphäre und natürlich darum, Velvet Underground sein zu wollen - oder besser: Den nach wie vor geliebten Idolen musikalisch so nah wie möglich sein zu können. Auch darf nicht vergessen werden, dass Galaxie 500 ursprünglich als Dilettanten-Outfit begannen. Das erklärt den - nach wie vor - teilweise unfertigen Charakter der Songs - was aber auf der anderen Seite Raum für musikalische Entfaltung bietet. Denn stand Dean als Gitarrist bei Luna stets (freiwillig und bewusst) im Schatten seines Kollegen Sean Eden, so ist er selber ja durchaus auch ein virtuoser Saiten-Wringer. Und so kamen die Anwesenden dann in den Genuss einiger ausufernder, psychedelischer Soli, die indes nie zum Selbstzweck gerieten, sondern spontan, und im Dienste des Momentes angestimmt wurden. Dabei ist Dean auch heute noch die Perfektion keineswegs so wichtig wie dieser Moment selber: Wenn eine Gitarre mal nicht richtig gestimmt ist, dann ist das eben so und wenn's zu laut oder zu leise ist, dann auch - dafür wird kein Song unterbrochen oder gar neu angestimmt. So sägte man dann zuweilen auch prächtig aneinander vorbei.

In einem zweiten, kleineren Teil der Show gab es dann doch noch ein paar Dean & Britta-Stücke (vor allen Dingen solche wie "Singer Sing" oder "You Turn My Head Around", bei denen Britta als Sängerin tätig werden konnte). Hier gaben sie z.B. eine vergleichsweise rockige Version von "Knives In Bavaria", bei der Dean in einer ganz anderen Tonlage spielte als seine Kollegen. Sei es drum. Technische Probleme (wie z.B. der Umstand, dass (so sagte Britta nachher) die Monitore nicht ausreichend waren, weswegen sie öfters mit dem Rücken zum Publikum spielen musste, um sich selbst hören zu können) müssen ja nicht zwangsläufig den Charme einer Show zerstören, wenn man mit diesen halbwegs kreativ umgeht. Das Publikum war jedenfalls ziemlich begeistert, was dazu führte, dass Dean und Britta auch noch ein paar Zugaben geben mussten (in New York nicht unbedingt zwingend erforderlich). Und so gab es dann mit "Bonnie & Clyde" (naturellement en français) auch noch eine kleine Erinnerung an die nunmehr auch seligen Luna-Zeiten. Diese Show war somit ein ziemlich einzigartiger - und betont wenig wehleidiger - Rückblick auf eine bemerkenswerte Band. Und wie gesagt: Von ihren alten Heroen werden Dean und Britta auch in Zukunft nicht lassen. So arbeiten sie gerade an einer Vertonung für eine Performance mit Video-Tapes aus dem Nachlass von Andy Warhol. Hauptsächlich geht es dabei um Instrumental-Musik aber, so verriet uns Britta, Dean habe da auf einem Bootleg einen Velvet Underground Song entdeckt, der nie veröffentlicht worden sei, und den wolle man sich auch mal vornehmen...

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Surfempfehlung:
www.deanandbritta.com
www.myspace.com/deanandbritta
www.myspace.com/el_may
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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