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Konzert-Bericht
 
Eine lockere Angelegenheit

Calexico
Bodies Of Water

Köln, E-Werk
10.10.2008

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Calexico
Calexico sind eine der wenigen Bands aus dem Americana-Lager, die es geschafft haben, sich eine treue Gefolgschaft außerhalb der klassischen Flanellhemd-Fraktion zu erspielen, die ansonsten das Gros der Fans des Genres ausmacht. Unter anderem wohl auch aufgrund ihrer unermüdlichen Live-Touren, die die Band - in immer neuen Konstellationen - regelmäßig in unsere Gefilde führen. In Köln haben Calexico-Konzerte dabei seit jeher eine Art Heimspiel-Charakter, denn Joey Burns und John Convertino sind (auch mit Giant Sand) bereits unzählige Male in diversen Kölner Clubs zu Gast gewesen. Ein Schelm, wer also böses dabei denkt, wenn Joey Burns das Publikum mit "Hallo Berlin" begrüßt. Denn natürlich weiß der Mann, was er gerade dem Kölner Publikum zu verdanken hat.
Das Ganze gehörte aber wohl zur neuen Spontaneität, die das Unterfangen mittlerweile ausmacht. Waren früher die Scheiben der Hort der Kreativität, auf denen man sich musikalisch wie konzeptionell austobte (während der Fan im Umkehrschluss geradezu nach den Versionen hungerte, die Calexico live spielten), ist es heute umgekehrt. Das neue Album, "Carried To Dust", ist ein perfekt durchinszeniertes Calexico-Werk mit ausformulierten Songs und wenigen Überraschungen - aber mit einer perfekt sorgsam konzipierten Calexeico-Ästhetik. Bei der Live-Show wurde das Ganze dann allerdings auf den Kopf gestellt: Hier wurden die (alten wie neuen Track) gerne auch ein Mal im Grateful Dead-Modus durch den Live-Wolf gedreht was darin gipfelte, dass Burns im Mittelteil des Konzertes ein ganzes Stück - inklusive improvisiertem Text - neu erfand.

Zunächst durften Bodies Of Water aus Joeys Heimatstadt Los Angeles die Fans bemühen. Das Quintett schaffte es dabei, ebenso hakelig-widerspenstigen Indie Art-Rock mit faszinierend auf dem Punkt sitzenden Vokalharmonien und durchaus poppigen Melodien zu kombinieren. Das hatte zwar durchaus seine Momente, war aber im Wesentlichen ziemlich anstrengend (also auf die Art anstrengend, auf die weiland auch Pavement-Konzerte anstrengend waren). Der Unterhaltungsfaktor kam dabei durch die unglaubliche Motivation der Musikanten zustande, die alles mit ungeheurem Enthusiasmus vortrugen, klassischer Indie-Rock eben.

Dass das Calexico-Konzert dann eine besonders lockere Angelegenheit werden würde, wurde schon deutlich, als Joey Burns zusammen mit Paul Niehaus das Konzert mit einer sehr freistiligen, auf das aktuelle Weltfinanzgebaren hin aktualisierte Version von "Bisbee Blue" eröffnete. Dass da kaum ein Stein auf dem anderen bleiben würde, ahnte der geneigte Kenner da bereits. Und in der Tat: Seien es Klassiker wie "Feast Of The Wire" oder neue Tracks "Bend In The Road" und "Two Silver Trees" - fast alles wurde inspirativ ausgelotet, gerade so, als gälte es die Stücke neu zu definieren. "Sarabande" zum Beispiel geriet zu einer viertelstündigen Jam Session, in der die Ramones und Gott und die Welt zitiert wurden und "Red Blooms" führte quasi als Blaupause das Konzept "vom Flüstern zum Sturm" vor. Interessant dabei: Neben den mittlerweile von Jacob Valenzuela und Martin Wenk souverän emulierten Mariachis, waren es vor allen Dingen bluesige und psychedelische Töne, die das Geschehen auflockerten. Knappe Pop-Hits im Stile von "Sunken Waltz" bildeten jedenfalls die Ausnahme. Abgerundet wurde die Sache durch einige Solo-Beiträge von Jacob Valenzuela, der einige spanische Passagen vortrug und Martin Wenk, dessen von einem Lachanfall unterbrochenes Pfeif-Solo für viel Heiterkeit sorgte. Als nicht so gelungen muss hingegen der Versuch gewertet werden, Volker Zander mit einem E-Bass zu mehr Druck zu verhelfen. Erstens macht er auch mit dem viel organischeren Akustik-Bass schon genug Druck und zum anderen klang das Ganze - zumindest bei dieser Show - nicht besonders gut. Und das muss sich eine Band, die - besonders in der Anfangsphase - für ihren grandiosen Live-Sound bekannt war, durchaus auch mal sagen lassen. Vielleicht waren auch einfach zu viele Leute beteiligt - so gab es durchaus Durcheinander auf der Bühne, was das Verkabeln von Gitarren und Keyboards betraf.

Das sind allerdings Kleinigkeiten: Im wesentlichen war dies ein gutes Calexico-Konzert, bei der die "Schwächen" des neuen Albums (= die Beschränkung auf Calexico-Wesentliches - ohne große Experimente) auf kreative Weise als Ausgangspunkt für Ausflüge in improvisierte Klangwelten genutzt wurden. Und gegen Ende gab es denn - fast schon traditionellerweise an diesem Ort - eine empathische Cover-Version von "Alone Again Or". Für die Fans im gut gefüllten E-Werk dürfte diese Calexico-Show jedenfalls keine Enttäuschung gewesen sein.

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Surfempfehlung:
www.casadecalexico.com
www.myspace.com/casadecalexico
www.bodiesofwater.net
www.myspace.com/bodiesofwater
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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