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Wishful Thinking

Oh Susanna
Luke Doucet/ Melissa McClelland

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
19.10.2008

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Oh Susanna
Kanadier schauen ja gemeinhin mit einer eigenartigen Mischung aus Ehrfurcht und Skepsis auf ihr nordamerikanisches Nachbarland. Gelegentlich kommt dann noch eine Prise Minderwertigkeitskomplex hinzu. All das manifestiert sich manchmal auch musikalisch: Kanadische Songwriter aus dem Americana-Sektor klingen öfters gar amerikanischer als ihre Kollegen aus den USA. Im Prinzip traf dies auch auf die hier versammelten Vertreter ihrer Gattung zu, die (unterstützt von Bassist Rich Levesque, der ansonsten in Lukes Band spielt) soeben unter dem Motto "Americana Treasure" durch die Niederlande getourt waren und im Landgut Roepaen das Ende dieser Tour feierten.
Melissa McClelland ist ihres Zeichens die Ehegattin von Luke Doucet und in ihrer Heimat ein großer Star in eigenem Namen (weswegen sie den wohl auch beibehalten hat). Melissa hat sich - im Vergleich mit ihren den beiden Kollegen - mit ihren blues-orientierten Road-Songs im klassischen Storytelling-Stil die vielleicht reinrassigste US-Variante ausgesucht und brachte mit ihrem betont damenhaften Outfit zudem optisch einen Hauch von Eleganz in das ansonsten ja eher hemdsärmelige Genre. Melissa spielte eine spröde, funkige Dobro-Gitarre und besitzt mit ihrem gedehnten Lamento im Prinzip eine klassische Country-Stimme. Die recht stilvollen Stücke ihres erst im Januar offiziell erscheinenden Albums "Six Shooter" drehen sich dabei thematisch um die klassischen US-Themen wie Fernweh, Wanderlust, Straßen, Züge und Geisterstädte, die sie auf einem Trip über die Route 66 durchquerte. Das Ganze wurde ziemlich straightfaced und ohne erkennbaren doppelten Boden durchgezogen und überzeugte als musikalische "what you hear is what you get"-Variante ohne allzu große Überraschungen, aber auf einem sehr hohen Niveau.

Ihr Gatte ist da schon ein wenig anders gestrickt. Bei seinem letzten Besuch vor Ort vor ein Paar Monaten lieferte er noch die volle Schweinerock-Dröhnung. Nun, im halbakustischen Ambiente beschränkte er sich verständlicherweise eher auf die balladesken Nummern seine Oeuvres und ließ nur gelegentlich - meist bei den Soli zu den Stücken seiner beiden Partnerinnen - den Gitarrenhelden raushängen. Auf seine mordsmäßige Gretsch-Gitarre mochte er freilich nicht verzichten und entlockte dieser dann doch einige subfrequente Twang-Passagen, die es in sich hatten. Luke geht seine Stücke von einer weniger poetischen Richtung an als seine Gattin und singt einfach so, wie ihm die Schnüss gewachsen ist - von Familienfeiern, eigenen Erlebnissen auf der Tour oder seinen Heroen, wie z.B. Rick Danko. Offensichtlich sieht sich Doucet aber trotz allem als Rocker in der klassischen Tradition etwa eines Springsteen (dessen "I'm On Fire" es wieder als Zugabe gab). Das fängt bei der Frisur an, geht über die großen Gesten und hört beim klassischen Grand Ol Opry-Shirt noch nicht auf. Zum Glück kommt Luke damit aber auch mühelos durch, denn er hat zweifelsohne dieses unterschwellige Rockstar-Gen, das so manches Klischee verträgt. Sein Kommentar zur Kanada-USA-Rivalität war dann der Song "I Wish I Was An American", bei der Bush-Country sein Fett wegbekam.

Suzy Ungerleider alias Oh Susanna ist da schon etwas zurückhaltender. Zwar bot sie bei dieser Show deutlich mehr Gesicht, als gemeinhin üblich (für gewöhnlich hängt die halbe Haarpracht davor), dennoch ist ihr Vortragsstil nicht unbedingt extrovertiert zu nennen. Vielmehr verlässt sie sich ganz auf die Kraft ihrer Songs - von denen es hier vornehmend ältere gab (z.B. "You'll Always Be" von Johnstown) - und ihren unnachahmlich intensiven Gesang. Auch Oh Susanna spielt souverän mit klassischen Songwriter-Versatzstücken - wobei sie sich allerdings im Vergleich eher dem Folk verpflichtet fühlt, auch dann, wenn sich gelegentlich die eine oder andere Wildwest-Story einschleicht. Vielleicht liegt das daran, dass sie gebürtig gar aus den USA stammt, weswegen sie im Kindergarten als Yankee verschrien war, wie sie schmunzelnd beichtete. Das Fazit dieser Veranstaltung war dann das, dass hier zwar nichts grundlegend Neues versucht wurde, die drei unterschiedlichen Charaktere aber doch ein relativ breit gefächertes Programm im Angebot hatten, was sich sowohl unterhaltsam anhörte, wie auch ergänzte (z.B. wenn es um den mehrstimmigen Harmoniegesang ging). Hier spielten nicht drei Songwriter (und ein Bassist) nacheinander, sondern tatsächlich zusammen. Und wissenswertes über Kanada erfuhr man auch noch. Für Freunde klassischen Songwritings war das jedenfalls ein exquisites Sternstündchen der besonderen Art.

Video: Oh Susanna, "You'll Always Be", 19.10.2008:

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Surfempfehlung:
www.ohsusannamusic.com
www.myspace.com/ohsusannamusic
www.myspace.com/lukedoucet
www.myspace.com/melissamcclelland
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Oh Susanna:
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