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Brot und Spiele

Jane Monheit

Köln, Altes Pfandhaus
29.11.2008

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Jane Monheit
Zum letzten Mal war Jane Monheit vor vier Jahren in Deutschland unterwegs. Seither hat sich viel getan: Unter anderem ist sie Mutter geworden und hat mit "The Lovers, The Dreamers And Me" soeben ein neues Album veröffentlicht. Die Tournee war noch unter dem Motto ihrer letzten Veröffentlichung, dem Weihnachtsalbum "The Season" angekündigt, doch ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Ganz im Gegenteil: Ein Großteil des Programmes bestand aus Nummern, die bislang noch gar nicht den Weg auf Tonträger gefunden haben (z.B. "The Devil And The Deep Blue Sea").
Was übrigens ein bezeichnenden Blick auf die Situation von Künstlerinnen wie Jane Monheit wirft: Die Auswahl der Stücke, die letztlich veröffentlicht werden, treffen offensichtlich andere als die Betroffenen. Dieses ließ sie gleich mehrfach anklingen. Weiter gedacht bedeutet das vermutlich auch, dass es nicht Jane Monheit ist, die die Arrangements auf ihren Veröffentlichungen zu verantworten hat. So erschien sie im Kölner Pfandhaus mit einer reduzierten Trio-Besetzung und griff hier auf die Arrangements ihrer Musiker zurück. Das Pfandhaus bietet dabei einen ebenso außergewöhnlichen wie passenden Rahmen: Die Musiker spielen in der Mitte der ehemaligen Versteigerungshalle, die wie ein Amphitehater aufgebaut ist, so dass von allen Seiten der Blick auf das Geschehen gewährleistet ist - ganz im Stile der alten Römer mit ihrem Brot und den Spielen. Was allerdings von den Künstlern verlangt, dass diese sich auch in alle Richtungen orientieren müssen (Jane Monheit nannte das "interessant" und "schwindelerregend"). Eine klassische PA gibt es auch nicht wirklich (am Deckenkranz hängen - neben der Beleuchtungsanlage - einige kleine Boxen) - was aber auch nicht wirklich Not tut, da die ausgezeichnete Akustik und das Verhalten des sehr disziplinierten Publikums dafür sorgt, dass auch akustische Instrumente glasklar wahrgenommen werden können.
In dem Fall galt das insbesondere für den Flügel und das E-Piano von Michael Kanan der zwar mit großer Geste, aber vergleichsweise kleiner Lautstärke zu Werke ging - was dem Rahmen allerdings auch angemessen war. Insbesondere das Fender Rhodes E-Piano stellte dabei eine Besonderheit dar - zumal Kanan diesem mit einem von Hand bedienten Effektpedal - ausgerechnet bei einem Jobim-Samba - beinahe psychedelische Töne entlockte. Ansonsten erschienen die Arrangements im Vergleich zu den Studio-Versionen (wie gesagt: Insofern es diese überhaupt gab) härter, transparenter und konkreter. Nach diesem Konzert erschiene eine abgespeckte Monheit-Scheibe - also ohne Plüsch, Orchester und Big Band - durchaus wünschenswert. Ihre direkte Mitbewerberin, Diana Krall, hat das ja immerhin durchaus schon des Öfteren vorexerziert, ohne Schaden dabei zu nehmen. Auf ihrer neuen Scheibe wagte die Interpretin Jane Monheit ja auch den Schritt in Richtung Neuzeit - mit Interpretationen von Songs von Fiona Apple, Corinne Bailey Ray und Paul Simon. Leider schaffte es davon nur "I Do It For Your Love" von Paul Simon ins Programm (und später noch eine Weihnachtsnummer der Carpenters). Dennoch war das Ganze kein routinemäßiges Abarbeiten des klassischen Songbooks (von Ausnahmen, wie einer - wieder leicht psychedelischen - Version von "Somewhere Over The Rainbow" abgesehen). Stattdessen gab es eine interessante Mischung von eher weniger totgespielten Nummern wie Gershwins "One And Only", gelegentlichen Samba-Nummern auf portugieseisch und typischen Klassikern, die dann aber - wie "Cheek To Cheek" - musikalisch wagemutiger aufgebaut waren, als man es eigentlich gewohnt war. Nicht zuletzt war dies das Verdienst des wild tätowierten Drummers Rick Montalbano, den Jane Monheit zuweilen gar bremsen musste. Der musikalische Anker der Show war dabei eine extensive Version von "Sentimental Mood", wobei auch die notwendigen Soli (die sich glücklicherweise in Grenzen hielten) abgearbeitet werden konnten.

Insgesamt ließ diese Show Jane Monheit in einem leicht düstereren, wagemutigeren und insgesamt weniger zuckrigen Bild erscheinen als auf den CDs - wobei die Performance selbst - was Gesten und Maniersimen betraf - gerade noch eben im erträglichen Rahmen ablief. Interessante Randnotiz: Anders als bei vielen Veranstaltungen dieser Art bestand das Publikum zu ca. 40% aus jungen Leuten (darunter wiederum ca. 40% angehende Jazz-Sängerinnen). Grundsätzlich wäre also ein Mal anzuraten, zumindest mal für eine Veröffentlichung, Jane Monheit auf das eigentlich Notwendige zu reduzieren. Aber ob das die Leute mit den dicken Portemonnaies, die alles besser wissen und die offensichtlich die Entscheidungen treffen mitmachen würden?

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Surfempfehlung:
www.janemonheitmusic.com
www.janemonheitonline.com
de.wikipedia.org/wiki/Jane_Monheit
www.janemonheit.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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