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Gemüseschwänze, Hallelujah!

Emiliana Torrini
Lay Low

Köln, Kulturkirche
05.02.2009

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Emiliana Torrini
Obwohl das Konzert von Emiliana Torrini ausverkauft war, suchten doch so einige Spätentschlossene vor dem Konzert noch nach Karten - so beliebt ist die multionationale Songwriterin mittlerweile geworden. Das Publikum rekrutierte sich überwiegend aus jungen Leuten jenseits des Teenie-Alters, wodurch sich die Atmosphäre in der (leergeräumten) Kulturkirche dann dennoch recht entspannt gestaltete.
Ein wenig so, wie der Support Act, Lay Low, sich präsentierte. Lovisa Elísabet Sigrúnardóttir ist wahrscheinlich die einzige Alt-Country-Songwriterin mit isländisch-indischen Wurzeln - macht aber aus diesem Umstand nicht viel Aufhebens. Ihre Welt ist die der düster-melancholischen Country-Noir-Sirenen aus der Gründerzeit. Kitty Wells, Loretta Lynn und Patsy Cline sind allgegenwärtig, wenn Lovisa in die Schatzkiste greift. Zumindest auf ihren beiden Tonträgern "Please Don't Hate Me", den sie - unter anderem mit dem Titeltrack - hier zum Gegenstand machte und den noch nicht erschienenen "Farewell Good Night's Sleep", den sie auszugsweise vorstellte. Live, nur begleitet von einem Gitarristen, kommt sehr viel stärker der Folk-Charakter des zugrunde liegenden Songmaterials zum Tragen. Auch zum Blues hat Lovisa ein entspanntes Verhältnis (Lefty Frizzell zählt zu ihren Vorbildern). Was auf CD ziemlich mühelos klappt - nämlich dass es Lovisa gelingt, ihren Songs auch mal eine fröhliche Note zu entlocken -, funktionierte live nur Ansatzweise. Dafür gab es aber einen isländischen Song "zum Mitsingen", wie sie schmunzelnd meinte, und charmant zurückhaltende, witzige Ansagen. Lovisas Gesang kam in diesem Zusammenhang nicht so gut zum Tragen - was aber weniger an ihr selbst lag, sondern an der bemerkenswert unterdimensionierten Beschallung und dem daraus resultierenden allgegenwärtigen Plapperfaktor. Einerseits war es ja ganz schön, ein Konzert bei Zimmerlautstärke genießen zu können - allerdings nur für die Zuschauer in den ersten drei Reihen. Hier wäre mehr tatsächlich mal mehr gewesen.
Gleiches galt auch für das Set von Emiliana Torrini, die mit kompletter Band angereist war. Zwar gab es hier durchaus auch elektrische Gitarren (und ein ziemliches Keyboard-Arsenal) zu bestaunen - nur besonders durchdringend klang das auch nicht gerade. Die sprachlich sehr versierte Emiliana unterhielt das Publikum in sympathisch gebrochenem Deutsch mit kleinen Geschichten, die entweder gerade am Tag durchlebt waren (wie z.B. die von den Gemüseschwänzen, die sie in den in der Kulturkirche angebrachten Skulpturen zu entdeckt haben glaubte und die sie mit einem entzückten "Hallelujah" kommentierte) oder aber jenen Stories, die ihren eigenen Songs wie "haha" oder "Me & Armini" zugrunde liegen. Rein nach Tonträgern betrachtet, hatte Emiliana zuletzt mit "Love In The Times Of Science" (Trip Hop), "Fisherman's Woman" (Folk) und "Me & Armini" (Indie-Pop) ein erstaunlich breit gefächertes Oeuvre präsentiert. Im Live-Kontext wurde indes das meiste als relaxte, swingende Akustik-Variation dargeboten - dezidiert unrockig, oft ohne Bass, aber dann doch lebhafter als das rein folkige "Fisherman's Woman". Das neue Album wurde fast ganz gespielt, "Fisherman's Woman" halb und zumindest "Sea People" von "Science" versteckte sich noch in einem Medley.

So weit, so gut. Was dann allerdings durchaus Abzüge in der B-Note rechtfertigte, war der Umstand, dass nahezu alle Nummern - was die Struktur betraf - 1:1 wie die Konserven-Versionen dargeboten wurden. Wohlgemerkt: Nicht unbedingt was die Arrangements, (hier wichen z.B. die Drum-Parts stark ab) aber was Tempo und Länge anging. Da gab es keinerlei Abweichungen - ja nicht ein Mal echte Soli der Musikanten. Ein echtes Live-Ereignis konnte so natürlich nicht entstehen - zumal sich Emiliana bei den wenigen Up-Tempo Nummern wie "Jungle Drum" sogar noch eher für diese entschuldigte. Was die Sache dann rettete, war Emilianas ungekünstelte und wirklich unterhaltsame Bühnenpräsenz, ständige Instrumentenwechsel und die nicht enden wollenden, spontanen, witzigen Ad-Libs. Irgendwie stand das im krassen Gegensatz zu dem generalstabsmäßig durchgeplanten Rest der Show, der jegliche Spontaneität schon im Keim erstickte. Für diejenigen, die von einem Live-Konzert eine möglichst CD-ähnliche Präsentation (oder nicht mehr als eine Slice Of Life-Momentaufnahme) erwarten, ging die Sache dann somit durchaus in Ordnung - während diejenigen, die vielleicht nach einem unterhaltungstechnischen oder persönlichen Mehrwert suchten, dies vielleicht vergeblich taten.

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Surfempfehlung:
www.emilianatorrini.com
www.myspace.com/emilianatorrini
www.myspace.com/baralovisa
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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