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Konzert-Bericht
 
Auf Reise zum Mars

Fredrika Stahl

Köln, Studio 672
08.03.2009

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Fredrika Stahl
Zum ersten Mal verirrte sich Fredrika Stahl in westdeutsche Gefilde, und so überraschte es nicht, dass die Fans auch aus dem benachbarten Ausland zahlreich erschienen, wo die quirlige Schwedin wesentlich bekannter ist als bei uns. (Besonders natürlich in ihrer Wahlheimat Frankreich.) Das Studio 672 war demnach gut gefüllt, als Fredrika kurz vor 21 Uhr mit ihrer Tourband, dem Pianisten Leo Montana, dem norwegischen Gitarristen Oyvind Nypan, dem brasilianischen Bassisten Acelino de Paula und dem italienischen Drummer Simone Prattico die Bühne betrat.
Ähnlich eklektisch wie ihre Musikantentruppe war dann auch das Songmaterial, das Fredrika zum Besten gab. Findet man Fredrikas Scheiben in den Plattenläden meist in der Jazz-Abteilung, so spielt diese Kategorisierung im Live-Kontext keine Rolle: Vom französischen Chanson über Rock, Blues, Soul und Pop bis hin zum Ragtime und Disco wurde alles aufgefahren, was gerade passte. Obwohl die Setlist sorgsam zusammengestellt und verfolgt wurde, vermittelte das Ganze den Eindruck spontaner Eingaben - was nicht zuletzt an Fredrikas ungezungener, sympathischer Bühnenpräsenz lag. Für die ersten beiden Nummern ("Pourquois Pas Mois", dem einzigen Track, den sie auf französisch sang und "So High") setzte sie sich zunächst noch selbst ans Piano, das sie dann allerdings dem Gast-Pianisten Leo Montana überließ, der sich auch um einiges virtuoser entpuppte, als die Auteurin selbst. Und damit war klar: Fredrika sieht sich nicht als Instrumentalistin, sondern als Interpretin und Performerin. Und das, wie angedeutet, keineswegs im üblichen Jazz-Umfeld.
Das wurde auch an der Titelauswahl deutlich: Alle Songs, die auf ihren CDs als Big-Band oder Swing-Nummern daherkommen, wurden ausgespart. Dafür gab es - neben der entsprechenden restlichen Stücke ihrer beiden Studio-Alben - einen brandneuen Song namens "Rocket Trip To Mars", der in Köln seine Premiere erfuhr sowie zahlreiche, intelligent ausgesuchte Coverversionen: Nat King Coles "Nature Boy", zum Beispiel, als einfühlsame Solo-Nummer zur Bassbegleitung, Stevie Wonders "Pastime Paradise" in einer funkigen Soul-Version, oder "Lovefool" von den Cardigans in Kombination mit einer Santana-Einlage. Dabei war das Ausschlaggebende weniger die Tatsache, wie umsichtig die Stücke arrangiert waren, sondern wie gut das alles zusammenpasste: Obwohl jede Nummer irgendwo ihre Besonderheiten hatte und alles auch sehr abwechslungsreich daher kam, erschien das Konzert wie aus einem Guss. Sicherlich einen großen Anteil daran hatten die perfekt aufeinander eingespielten Musiker - allen voran Oyvind Nypan, der vom klassischen Rock-Solo über den Blues bis hin zur simulierten Akustik-Gitarre alles drauf hatte, was das Herz begehrte. Dabei nutzte er ausgiebig sein Effekt-Board (insbesondere das Wah-Wah-Pedal) - nahm sich aber ebenso zurück und ließ den anderen Musikern den Vortritt. Und das war dann auch das einzige, was an ein klassisches Jazz-Konzert erinnerte: Die Solo-Einlagen und der zugehörige Szenen-Applaus.

Fredrika erwies sich dabei als sympathisches, energiegeladenes Plappermaul, das indes mit den spontanen Ad-Libs immens unterhaltend, natürlich und kurzweilig rüberkam - durchaus mit einer Prise Selbstironie: Die Nummer "Irreplaceable" sei der Song, den sie am schnellsten geschrieben habe; weil sie hier lediglich eine Liste aller Dinge anführen musste, die sie falsch gemacht habe - was ja nun wirklich nicht schwer sei. Das war - alles in allem - wirklich großes Entertainment auf einem sehr persönlichen Level. Als Sängerin überzeugte sie mit einem breiten Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten ohne große Theatralik oder gar den genretypischen Manierismen und einem bezaubernden Vibrato im Abgang. Und musikalisch erwies sich die Show als buntes Füllhorn, bei dem die verschiedenen Stilistiken im übrigen ausgelebt, und nicht etwa nur halbseiden angedeutet wurden. Insgesamt dürfte bei dieser Show für wirklich jedermann etwas dabei gewesen sein.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/fredrikastahl
www.lastfm.de/music/Fredrika+Stahl
www.sonymusic.de/Fredrika-Stahl
www.fourartists.com/index.php?mode=artists&id=114
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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