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Die Mädels

Francoiz Breut
Marianne Dissard

Köln, Stadtgarten
15.03.2009

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Francoiz Breut
Die diesjährige LePop-Tour stand wieder einmal unter dem Zeichen der Damenstimmen: (wie eigentlich immer, oder?). "Le Pop Les Filles" heißt der aktuelle Labelsampler und zwei davon waren nun auf Tour: Francoiz Breut ist mit vier Besuchen eine wahre Stadtgarten-Veteranin und Marianne Dissard machte zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Joey Burns von Calexico auf sich aufmerksam. Unbekannt waren die besagten Damen also nicht gerade - und ergo war der Stadtgarten dann auch prächtig gefüllt.
Bevor es losging, unterhielt der LePop-eigene DJ die Fans mit gutgelauntem Franco-Pop von der Bühne herunter. Währenddessen hatte man Muße, das angesammelte Instrumentarium zu begutachten. Dieses war dabei weniger exotisch, als ungewöhnlich: So gab es zwar ein Rack mit allerlei Gitarren und einem Banjo - aber keinen Bass. Daneben fanden sich noch ein Plattenspieler, eine Melodica und eine musikalische Säge auf der Bühne. Das konnte ja heiter werden. Im Prinzip wurde es das dann auch. Das heißt: Heiter ist nicht das richtige Wort - denn insbesondere Marianne Dissard hinterließ zusammen mit ihren beiden Musikern einen eher ernsthaften und distanzierten Eindruck. Gelächelt wurde nur selten und gesprochen noch weniger. Im Prinzip war das bei Francoiz Breut eigentlich nicht anders - nur hatte man hier als Zuschauer den Eindruck, mehr ins Geschehen einbezogen zu sein. Und sei es auch nur, indem man versuchte herauszubekommen, worüber Francoiz die ganze Zeit so verschmitzt grinste.
Aber der Reihe nach: Marianne Dissard lebt zur Zeit in Tucson, Arizona, wo sie intensiv mit Joey Burns zusammenarbeit. Zunächst gab es einige Gastauftritte bei Calexico, dann schrieb sie französische Texte für Burns und schließlich produzierte dieser ihre Debüt-CD "L'entredeux". Trotzdem gab es bei diesem Konzert kein "Calexico Light". Einmal abgesehen vom fehlenden Bass bemühten sich die beiden Musikanten Gitarrist Clay Koweek und Drummer Andrew Collberg recht erfolgreich darum, jedweden Eindruck von Chanson-Seligkeit im Ansatz zu ersticken. Wie auch Francoiz bevorzugt Marianne musikalisch eher amerikanische Musikformen. So hört man aus ihren Songs immer wieder klassische Einflüsse - von Velvet Underground bis hin zu zeitgenössischer Americana wie eben Giant Sand / Calexio heraus. Nur gelegentlich - z.B. zu Vaudeville-geprägten Nummern wie "Confetti" kommt mal eine Prise Swing ins Spiel oder aber - noch seltener - gewisse frankophile Folk-Aspekte. Im Zentrum stehen aber eher Nummern wie "Cayenne" oder "L'Embellie", die sich auch im downgestrippten Format - also ohne Streicher und Band - recht gut machten. Dabei klingen die Songs in diesen Versionen dann mit der Zeit ein wenig ähnlich, denn es gibt relativ wenig Variationen im Tempo. Allerdings machte Marianne das teilweise wieder wett, indem sie bei einigen Nummern zur singenden Säge griff - was man ja auch nicht alle Tage geboten bekommt. Anders als Francoiz beschränkt sich Marianne auch ganz darauf, auf Französisch zu singen, obwohl sie des Englischen ja durchaus mächtig ist. Insgesamt war dies ein gutes Konzert, das indes noch ein wenig besser geworden wäre, wenn sich Marianne zu ein wenig mehr Publikumsnähe hätte entscheiden können.

Auch Francoiz Breut trat im Trio-Format auf - wenngleich die Instrumente für ihre Musiker Boris Gronemberger und Luc Rambo umgebaut wurden. Der Plattenspieler diente - wie bereits bei ihren letzten Besuchen - dazu, kleine Hörspiel-Einleitungen beizusteuern - wie zum Beispiel Chorgesänge, Windgeräusche oder ein aufgelistetes Alphabet. Das machte zwar musikalisch nicht unbedingt Sinn war aber auf sympathische Weise schrullig. Das eigentlich Überraschende war dann der Umstand, dass die Bretonin auf fast alle ihrer alten "Hits" verzichtete und - neben dem Material ihrer aktuellen CD "À l'aveuglette" - vor allen Dingen jede Menge neues Material präsentierte. Darunter auch solche ("Ma colère"), die so neu waren, dass sie sich noch handgeschriebene Spickzettel mit den Texten hinlegte. Und ebenfalls gab es mit "Tell My Now", "Please Be Angry" und "Over All" gleich drei Nummern auf Englisch. Was insofern eine Überraschung war, da man nie den Eindruck gewonnen hatte, Madame Breut fühle sich im Englischen besonders wohl. Und das, obwohl sich ihre Musik immer schon eher an US-amerikanischen Mustern orientierte. Bei diesem Konzert kam noch eine gewisse Folk-Note hinzu - hauptsächlich dann, wenn das Banjo zum Einsatz kam. Und zwischendurch wurde - Bass hin oder her - richtig gerockt. Das ging sogar so weit, dass zuweilen die Drumsticks den Geist aufgaben. Mit einer singenden Säge konnte Francoiz nicht dienen - dafür gab es aber, wie gewohnt, ein paar Akzente mit der Melodica. Im Vergleich zum letzten Besuch in Köln bot diese Show eine vollkommen neue, geradezu überschäumende Facette der Francoiz Breut. Es scheint, als habe ihr die letzte Scheibe, auf der sie alle Nummern selber schrieb, ein neues Selbstvertrauen einverleibt, was sich auch musikalisch niederschlägt. Im Prinzip bot auch dieser Konzertabend dennoch wieder genau das, was die Freunde des LePop-Gedankens schätzen: Aktuelle französische Popmusik links der Mitte und vor allen Dingen mit einer ganz eigenen Note.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/francoizbreut
www.myspace.com/mariannedissard
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Francoiz Breut:
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Konzert-Bericht

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Interview
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Konzert-Bericht

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