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Keine Angst vor dem Neid

Joshua Radin
Maria Taylor

Köln, Studio 672
23.03.2009

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Joshua Radin
Maria Taylor, die man übrigens bald wieder offiziell "die eine Hälfte" von Azure Ray nennen darf, lässt bekanntlich keine Gelegenheit aus, ihre Songs live aufzuführen. Und deswegen nutzte sie die kurze Tour von Joshua Radin dazu aus, auch Songs ihres neuen Albums "Ladyluck" zeitnah zu präsentieren. Einige davon (zum Beispiel den Titeltrack und die erste Single "Time Lapse Life Line") kannte der aufmerksame Zuhörer bereits von ihrer letzten Tour, die sie zusammen mit ihrem langjährigen Kumpel Andy LeMaster (mit dem zusammen sie demnächst eine Band gründen will) in unsere Gefilde führte. Dieses Mal begleitete sie jedoch die "Zufallsbekanntschaft", der Tour-Gitarrist von Joshua Radin: Man hatte sich erst auf der Tour kennen und schätzen gelernt und er begleitete Maria auf fast allen Nummern auf der Gitarre. Maria revanchierte sich dafür nachher und spielte in der Joshua Radin Band Keyboards.
Die Songs, die auf dem Album zum recht üppig orchestriert sind, wurden hier natürlich in simplen, reduzierten Versionen dargeboten - aber ganz anders als bei der Tour mit Andy LeMaster oder auf der Akustik EP "Savannah Drive". Nachdem Maria von dem zu 100% auf Joshua Radin fixierten Publikum zunächst nur zögerlich begrüßt wurde, hatte sie schnell die Oberhand gewonnen. Nicht zuletzt, weil ihre sanftmütige Art mit der klaren, aber nicht lauten Gesangsstimme und die Methode, die Gitarre mit einem einzigen langen Fingernagel zu streicheln, fast schon zum Zuhören zwingt. Neben den neuen Nummern, die übrigens großteils einen ziemlich stark poppigen Charakter haben, gab es natürlich auch ein paar All-Time Favorites, darunter zum Schluss auch den "Song Beneath The Song", bei dem das Publikum zumindest zum Mitklatschen bewegt werden konnte. Letztlich verließ Maria mit viel Applaus die Bühne.
Nach einer kurzen Umbaupause betrat Joshua Radin mit seiner Band dieselbe. Der Mann mit dem Schlapphut hat sich mittlerweile nahtlos eingereiht in die Riege der Jack Johnsons, Jason Mraz oder Jesse Harris dieser Welt (Harris ist bei uns nicht sonderlich bekannt, führt aber in den USA so ziemlich diese Riege an). Der Kumpel von Schauspieler und Regisseur Zack Branff, der über diesen überhaupt erst angeregt wurde zu musizieren und mit Auftritten in dessen Filmen und der Fernsehserie "Scrubs" seine Karriere ins Rollen brachte, macht pflegeleichten Gitarrenpop der eher ruhigen Natur. Sein Set untergliederte er - abwechselnd - in Solo-Nummern in klassischer Songwriter Tradition, Duette mit seinem Bassisten und solche mit der ganzen Band. Gerockt wurde zwar nicht wirklich, zuweilen gab es aber zumindest eine Prise Power Pop. Das war alles recht angenehm, tat sicherlich auch niemandem weh und klang (besonders bei den Solo-Nummern) ausgezeichnet - war aber auch ein wenig vorhersehbar und so richtig merken kann man sich Radins Nummern auch nicht. Einfach deswegen, weil sie zwar handwerklich okay - aber nicht besonders wagemutig oder originell konstruiert sind. Ein zweiter Elliott Smith oder Nick Drake - was ihm oft angedichtet wird - ist er jedenfalls definitiv nicht.

Nicht, dass das irgendjemand im ausverkauften Auditorium gestört hätte. Denn Joshuas Publikum ist so jung und wissbegierig, das es schlicht nicht wissen konnte, dass das, was Radin da machte, alles schon mal dagewesen ist - woraus er übrigens sympathischerweise keinen Hehl machte: Dass Bob Dylan sein Lieblings-Songwriter war, erkannt man nicht nur an dem "Don't Think Twice"-Cover. Sein Song "No Envy No Fear" sei direkt vom Meister inspiriert, verriet er, und klang dann im Folgenden auch an mehr als einer Stelle mehr oder minder deutlich nach dem übergroßen Vorfahren. Eine andere Inspirationsquelle - vielleicht gesanglicher Natur, denn Radin ist schließlich für sein butterweiches Organ berühmt - ist Sam Cooke, dessen "Bring It On Home" er auch im Programm hat. Was Radin von weniger berühmten Kollegen (außer seines pflegeleichten Schwiegersohn-Heartthrob-Aussehens) unterscheidet, sind zweifelsohne seine Qualitäten als Geschichtenerzähler und Unterhalter. Ohne Mühe suchte und fand er sofort einen Draht zum Publikum und es gelangen ihm durchaus amüsante, spontane Anekdötchen. "Der nächste Song handelt von diesem wiederkehrenden Albtraum, den ich hatte... und dann haben wir uns getrennt", kündigte er den Song "Sky" an. "Ich hatte zwei Freundinnen", erklärter er als Ankündigung des Tracks "Closer", "und deswegen habe ich jetzt auch zwei CDs - eine für jede Freundin." Diese Freundinnen, so erklärte er, seien eher trauriger Natur gewesen (wobei er offen ließ, ob das an ihm lag), und deswegen seien seine Songs auch vornehmlich traurig. Die Nummern, die es dann nicht waren, wie z.B. "Vegetable Car", sind kurzweilig und poppig - und darum geht es dann, wie zum Beispiel in diesem Fall, um gegebenenfalls zukünftiger Freundinnen. Radin bedient - auf durchaus selbstverständliche, natürliche und allgemein verständliche Weise - die gesamte Klaviatur des romantischen Songwriters - ohne irgendwie das Rad neu erfinden zu wollen oder zu können. Das macht ihn ebenso sympathisch wie übersichtlich. Mit Joshua Radin kann man - ohne große Aufregung (in jedweder Hinsicht) nicht viel falsch machen. Insbesondere dann nicht, wenn man mit ihm zusammen diese Art von Musik überhaupt erst mal entdeckt. Maria Taylor kehrt im Mai für eine "richtige" Tour mit Band zurück auf unsere Bühnen.

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Surfempfehlung:
www.joshuaradin.com
www.myspace.com/joshuaradin
www.myspace.com/mariataylor
www.maria-taylor.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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