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Elektrospielzeug

Coralie Clément
Missincat

Köln, Luxor
24.04.2009

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Coralie Clément
"Kommt doch ruhig nach vorne, ich bin nett", rief Caterina Barbieri alias Missincat zu Beginn des Konzertes im Kölner Luxor zu den zunächst zögerlich im halbleeren Raum verharrenden Zuschauern. Diese ließen sich dann im Folgenden nicht lange bitten, denn Missincat ist tatsächlich nett. In jeder Beziehung. Ihre abwechslungsreichen Folk-Pop-Songs trug die in Berlin lebende Italienerin, die hierzulande zuerst als Support für Amy Winehouse von sich reden machte, getreu ihres Mottos "weniger ist mehr" zusammen mit einem Drummer vor (ansonsten bevorzugt sie einen Cellisten) und das Glockenspiel, das sich wie ein roter Faden durch das CD-Programm zieht, fand auch den Weg ins Set.
Das war es aber auch schon: Ansonsten blieben da nur Caterinas Stimme und ihre Gitarre. Die Ansagen und kleinen Geschichten zwischen den Songs, vorgetragen auf deutsch, machten dabei das Salz in der Suppe aus. "Es weiß niemand, dass wir heute Abend hier sind, deswegen spielen wir auch so früh", scherzte sie z.B. - denn das Konzert begann bereits um 19.30 Uhr. Songs wie jene, die sich auf ihrem Debütalbum finden, machen dabei im Prinzip viele. Zum Beispiel die Künstler aus der Antifolk-Ecke. Des weiteren fühlt sich Missincat fühlbar von Velvet Underground inspiriert, deren "After Hours" sie auch coverte. Es findet sich aber selten jemand, der diese Art von Indie-Pop auf eine dermaßen sympathische Art mit Leben erfüllt, wie Caterina Barbieri - zumal Songs wie z.B. die Single "Shoot" traditionellerweise durchaus melancholischen Charakters sind. Wahrscheinlich liegt das Erfolgsgeheimnis darin begründet, dass Missincat einfach Spaß auf der Bühne hat. Manchmal ist das alles ganz einfach. Jedenfalls ließ sie am Ende mit Sicherheit viele neue Fans zurück.
Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann Coralie Clément mit zwei Musikern die Bühne. Zwei Musiker? In der Tat: Das Setup der aktuellen Show war relativ außergewöhnlich, denn außer einem Keyboard (mit angeflanschtem Synthie-Theremin) und ein paar Gitarren war die Bühne leer. Bereits sieben Jahre ist es her, seit die kleine Französin im Schatten ihres großen Bruders Benjamin Biolay mit dem Samba-Album "Salle Des Pas Perdus" reüssierte. Seither ist eine Menge passiert. Das zweite Album, "Bye Bye Beauté" legte Coralie als Indie-Rock-Scheibe an - was die Fans der ersten Stunde teilweise nicht nachvollziehen mochte. Auf ihrem dritten Album "Toystore" kehrte sie ansatzweise wieder zu ihren "Wurzeln" zurück - das Album war allerdings um das Gimmick herum konstruiert, dass Benjamin Biolay auf jedem Track irgendein Spielzeuginstrument favorisierte. Coralie versuchte gar nicht erst, dieses live umzusetzen. Von ein paar Samples abgesehen und der gelegentlichen Glockenspiel-Emulation abgesehen, gab es keine Spielzeugsounds. Dafür basierte das Soundkonzept alleine auf Gitarre, Synthesizer-Bass, Keyboard und gelegentlichen Beats vom Computer. Das bestätigt wieder mal den allgemeinen Eindruck, dass sich gerade französische Acts erfolgreich darum bemühen, das etwas verstaubte Gitarrenband-Konzept im Live-Bereich irgendwie aufzubrechen.

Diese Art von Elektro-Pop stand den meisten Songs - auch den älteren - ziemlich gut zu Gesicht. Einigen der sowieso schon poppigen neuen Nummern wie "C'est La Vie" oder "Houlala" bekam diese Frischzellenkur besonders gut - zumal der naive Charme durch die geradlinigere musikalische Behandlung keineswegs verloren ging. Denn während die Stücke selbst prinzipiell unangetastet blieben (auch, was die Länge betraf), verlieh ihnen das neue musikalische Kostüm doch ganz neue Aspekte und Perspektiven. Coralie spielte nahezu das komplette neue Album, einige Coverversionen - darunter "Pourtant" von Vanessa Paradis und "La Ballade Du Mois Du Juin" von ihrem Bruder, mit "Sono Io" und "Share The Day" die beiden fremdsprachigen Experimente von "Toystore" sowie einige Highlights der letzten beiden Alben. Dabei gab es Samba-Feeling nur bei einigen Akustik-Nummern - darunter der letzten Zugabe, "Lou", bei der das Publikum mittels Übersetzerin gebeten wurde, den Chorgesang zu übernehmen - was tatsächlich auch funktionierte. Zu einigen der Songs erzählte Coralie kleine Geschichten. Überhaupt war sie bemüht, trotz der Sprachbarriere (die im traditionell frankophilen, quasi grenznahen Köln natürlich nicht nicht sooo groß ist) mit dem Publikum im Kontakt zu kommen - was bei ihren bisherigen Touren noch nicht so sehr im Vordergrund gestanden hatte. Dass Coralies Stimme im Laufe der Zeit tiefer geworden ist, schadet natürlich - gerade auch beim Live-Vortrag - nicht wirklich - wenngleich ihre gesanglichen Fähigkeiten nach wie vor überschaubar sind. Wenn aber - wie in diesem Fall - mit den gegebenen Mitteln und den richtigen Ideen das Optimum herausgeholt wird, dann wird sich schon niemand beklagen. Und mit diesem Ansatz gelang Coralie Clément auf dieser Tour ganz en passant auch ein Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. Es wäre interessant, diesen auch einmal auf Tonträger verfolgt zu sehen. Vielleicht sollte Coralie einfach mal eine Scheibe ohne ihren großen Bruder machen.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/coralieclment
www.myspace.com/missincatmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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