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Aller guten Dinge

Tina Dico
Helgi Jonsson

Köln, Stadtgarten
13.05.2009

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Tina Dico
Nur um es gleich zu sagen: Neben Helgi Jonsson war auf der diesjährigen Tour der in London lebenden Exil-Dänin Tina Dico noch ihr langjähriger musikalischer Partner Dennis Ahlgren an Gitarre, Drums und Keyboard mit von der Partie. Aller guten Dinge waren also, nicht nur in Bezug auf Tinas aktuelles, dreigeteiltes Album "A Beginning, A Detour, An Open Ending" - auch in diesem Sinne - drei. Aber Helgi Jonsson, der dritte im Bunde, ist nun aber mal selbst Songwriter von eigenen Gnaden und nutzte ergo die Gelegenheit, seine Songs im Vorprogramm vorzutragen.
Das immer wieder Irritierende dabei ist, dass Helgi, der acht Jahre seines Lebens in Österreich verbrachte, ergo fließend Österreichisch spricht und somit das Publikum mit flotten Sprüchen bei Laune zu halten versteht. So etwas erwartet man einfach nicht - und deswegen ist es doppelt spaßig. Das war auch schon bei seinem letzten Besuch in Köln - als Support und Mitstreiter von Teitur - nicht anders und funktionierte auch dieses Mal prächtig. Seine Songs sind dabei zumindest interessant gestaltet. Helgi hat eine ganz ungewöhnliche Art zu singen - in den höchsten Tönen jubilierend und dabei chargierend wie der selige Jeff Buckley. Das führte dazu, so Tina Dico später, dass er, der auch auf Tinas neuem Werk mitsingt, von der dänischen Presse als "starke Frau" identifiziert wurde. "Das ist ein klasse Kompliment und sonst nix", kommentierte er dieses. Egal: Auch als starke Frau gab Jonsson heuer ein gutes Bild ab und zwar, weil er nicht viele, aber verschiedenartige Songs aus seinem Oeuvre präsentierte - darunter eine Piano-Ballade und eine "Rock-Nummer" - wodurch der lamentöse Charakter vieler seiner Nummer nicht weiter ins Gewicht fiel.
Tina Dico, die im richtigen Leben und in Dänemark als Tina Dickow bekannt ist, schien überhaupt nicht überrascht, dass der Stadtgarten restlos ausverkauft war. Das zeigt schon, wie selbstsicher und souverän die Einschätzung der eigenen Position im Business da ist. Wer kann es sich heutzutage schon erlauben, des reinen Prinzip Willens eine Triple-CD mit aufwendiger Verpackung beim Label durchzudrücken? Nicht viele - und Tina Dicos Erfolg gibt ihr auch noch recht mit dieser Maßnahme. Es war nun so, dass sie sich musikalisch keineswegs nur auf das Material des neuen Werkes beschränkte - sondern alle Nummern in der eher zurückhaltend inszenierten Art vortrug, die auf diesem Album dominiert. So spielte sie zum Beispiel zunächst die Titeltracks der letzten beiden CDs "Count To Ten" und "In The Red" - mit Unterstützung von Helgi und Dennis an Gitarre, Drums und Posaune - aber ziemlich losgelöst und transparent. Tina hat ja auch als Songwriterin eine recht eigene Art, mit Strukturen und Atmosphären umzugehen - was die Fans wissen und mögen und ihr deshalb auch auf jeder diesbezüglichen Exkursion folgen. Was dazu führte, dass die Live-Versionen recht wenig mit denen der Studio-Aufnahmen zu tun haben, sondern sich freigeistig, inspiriert und im spielfreudigen Miteinander in fast jazzigen Gefilden bewegen. Sollte man da nach Vergleichen suchen, so käme Joni Mitchell, als Gottmutter dieser Stilistik nicht ungelegen.

Was Tina des Weiteren auszeichnet, ist natürlich ihre klare, ausdrucksstarke Gesangsstimme, mittels derer sie mühelos auch die abenteuerlichsten Situationen dominiert. Beispielsweise, indem sie bei den wenigen reinen Solo-Nummern sich ganz auf diese Stimme verlässt, Gitarrenakkorde nur andeutet oder gar gleich A Cappella singt ("Room With A View"). Nun sind aber sparsame Akustik-Songs, etwa vom Kaliber "Glow" - auch wenn die auf dem neuen Album überwiegen - nur ein Teil dessen, was Tina in der Summe ausmacht. Starke Refrains und poppige Momente finden sich ja durchaus auch in ihrem Oeuvre. So löste sie dementsprechende Momente - etwa bei den Songs "Night Cab", "Warm Sand" oder "Sacre Coeur" - dann mit Hilfe von Dennis Ahlgren an Drums und Percussion und Helgi am Keyboard. Alles in allem ging das so ganz gut, nur wäre zuweilen ein Bass effektiver gewesen als der stattdessen verwendete Mini-Synthesiser.

Tinas Songs, so erklärte sie, entstünden oft auf ihren vielen Reisen, aufgrund derer ihr Liebesleben demzufolge etwas zu kurz kommt ("He Doesn't Know"). Eine dieser Reisen - im übertragenen Sinne - stellt auch das neue Album dar. Und gipfelt in der Erkenntnis, dass sie, Tina, wohl nie am Ende einer Entwicklung (oder Reise) ankommen werde, sondern dass alles einen Strudel von Anfängen, Umleitungen und offenen Enden darstelle - was dann aber auch okay sei. Wie überhaupt ihr ganzer Vortrag, gehörte auch diese Erklärung zum Thema einfach nachzuvollziehende Selbstdarstellung. Überhaupt ist dieses auch der Gesamteindruck, der sich bei einem Tina Dico-Konzert einstellt: Da gibt es keinen doppelten Boden, kein Netz, keine Verkleidung - was man sieht (oder hört) bekommt man auch. Da gibt es nichts Geheimnisvolles, Unverständliches oder Provozierendes. Alles läuft in geordneten, nachvollziehbaren Bahnen - was auf der anderen Seite natürlich auch Anbiederungen oder plumpe Vertraulichkeit ausschließt. So wurde es - von Helgis Kaspareien abgesehen - eigentlich nur ein Mal richtig locker: Als nämlich Tina - bereits in Freizeitkleidung gewandet - nach 15 Minuten Dauerklatschens für eine zweite Zugabe aus dem Backstage-Raum auf die Bühne zurückkehrte. Vielleicht ist aber gerade diese Balance das Erfolgsgeheimnis der Tina Dico, die zweifelsohne konsequent ihren eigenen Weg geht.

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Surfempfehlung:
www.tinadico.de
www.helgijonsson.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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