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Konzert-Bericht
 
Effizient und doch so unterhaltsam

Pelle Carlberg

Duisburg, Steinbruch
24.08.2009
Pelle Carlberg / Jonathan Hummelman
"Wir sind wirklich froh, in Deutschland zu sein, denn in Schweden ist der Sommer schon vorbei", verriet Pelle Carlberg gleich zu Beginn seiner Show. Dass unser liebster schwedischer Singer / Songwriter an einem der heißesten Tage des Jahres erstmals in Duisburg gastierte, hatte aber nicht nur Gutes. Zwar bot sich ihm so zwar die Chance für einige nette Ansagen ("Sagt mal, herrscht in Duisburg immer tropisches Klima? Die Luftfeuchtigkeit erinnert mich irgendwie an Peru!"), aber richtig viel Publikum konnte er an diesem Montagabend nicht vom Grill in den Steinbruch locken.
Pelle Carlberg / Jonathan Hummelman
Das war aber nicht weiter schlimm, denn trotz des Schnupperpreises (Vorverkauf 5,00 Euro!) hatten sich hauptsächlich eingefleischte Pelle Carlberg-Fans nach Duisburg verirrt, die an genau den richtigen Stellen ergriffen lauschten ("A Tasteless Offer"), mitklatschten ("Middleclass Kid") und ganz zum Schluss sogar den Chor bei "Pamplona" sangen - begeistert dirigiert vom am Bühnenrand stehenden Pelle. Der hatte auf eine vorgefertigte Setlist verzichtet und stattdessen einfach seine drei Soloalben mit dem Tracklisting nach oben auf seinen Gitarrenkoffer gelegt, um die Songs spontan auszuwählen. Häufig funktioniert so etwas nicht so gut, dieses Mal dagegen klappte es ganz hervorragend. So stand "Musikbryan Makes Me Wanna Smoke Crack", der brillante Opener seines Solo-Erstlings "Everything Now!", auch dieses Mal am Anfang, und auch für den Rest der Setlist griff der Skandinavier ausschließlich auf die besten Songs seiner drei Platten zurück. Weil ihm vermutlich bewusst war, dass ihn die wenigsten im Saal zum ersten Mal sahen, verzichtete er bei den älteren Songs fast vollständig darauf, die oft niedlichen Entstehungsgeschichten der Stücke zu erzählen, sondern konzentrierte sich auf die Anekdoten zu den Songs der aktuellen Platte "The Lilac Time", die auch dieses Mal wieder vom Leben geschrieben wurden. Schließlich tauchen die mahnenden Worte von Pelles Vater an seinen 14-jährigen Sohn bei "1983" ebenso im Song auf wie die "Karate Kids", vor denen Pelle damals flüchten musste, und dass "Metal To Metal" ein Originalzitat eines Berliner Automechanikers ist, der so den Ölverlust bei Pelles liegen gebliebenem Auto erklären wollte ("Metal to metal is no good!"), verwundert auch kein bisschen, wenn man ein wenig mit Pelles Schreibstil vertraut ist. Nett auch: Über "Because I'm Worth It" verriet er nicht nur, dass er den Titel bei einem L'Oréal-Slogan ausgeliehen hat, sondern auch, dass er von der Generation der in den 70er Jahren Geborenen handelt. "Der Song hat also rein gar nichts mit mir zu tun, denn ich wurde Ende Oktober 1969 geboren...", fügte er spitzbübisch hinzu.
Pelle Carlberg / Jonathan Hummelman
Zu den netten Ansagen gesellte sich musikalische Effizienz. Nachdem der ehemalige Frontmann von Edson in den letzten zwei Jahren bisweilen mit einer "richtigen" Begleitcombo unterwegs war, war dieses Mal Jonathan Hummelman alleine die Band. Ähnlich wie zuvor Henrik Nilsson spielte er bis zu drei Instrumente (Mundharmonika, Bass und Koffer-Schlagzeug) gleichzeitig und fand zwischendurch noch Zeit, Pelle gesanglich zu unterstützen. Interessant am Rande: Gleich mehrere Songs spielten die beiden deutlich schneller, nein, rasanter als bisher üblich. Nachdem sie mit dem feinen Elton John-Cover "Rocket Man" und dem "cleveren" "Clever Girls Like Clever Boys Much More Than Clever Boys Like Clever Girls" das reguläre Programm nach rund einer Stunde beendet hatten, entwickelte sich die Zugabe zum Wunschkonzert mit einem ganz besonderen Highlight: Auf Zuruf spielte Pelle - dem Vernehmen nach zum allerersten Mal - eine Nummer von Tvillingarna, Truls & Jag, der Band, die Pelle gemeinsam mit seinen drei kleinen Kindern gegründet hat, um eine etwas andere Kindermusik-Platte aufzunehmen. "Kinder sind nicht nur Kinder, sondern auch Menschen", erklärte Pelle, und deshalb seien die auf Schwedisch gesungenen Nummern weniger albern und bunt als die sonst übliche Kindermusik. Als "fröhlichen Song mit einem traurigen Text" kündigte er "Varannan Vecka" an, das vom Umgang mit geteiltem Sorgerecht (!) handelt. Dass Pelle es schaffte, auch damit zu unterhalten, spricht für seine großen Fähigkeiten als Songwriter und setzte ein letztes Ausrufezeichen hinter einen wirklich tollen Auftritt im Steinbruch.
Surfempfehlung:
www.pellecarlberg.se
www.myspace.com/pellecarlberg
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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