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Black is Black

Soap & Skin

Köln, Kulturkirche
30.09.2009

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Soap & Skin
Dass dieses kein Konzert wie jedes andere werden würde, war schon daran zu erkennen, dass im Vorfeld echter Weihrauch (und nicht etwa Räucherstäbchen) auf der Bühne abgefackelt wurde - was den protestantischen Pastor der Kulturkirche bei der Ansage zu einem beinahe triumphalen Schmunzeln motivierte. Ansonsten war die Bühne bis auf einen Flügel, zwei Votivkerzen und einer Vase mit Lilien gänzlich leer. Anja Plaschg - alias Soap & Skin - hat also zumindest eine konzeptionelle Vision. Obwohl sie von sich selbst sagt, sie sei eigentlich nur "wahnsinnig verkorkst".
Insgesamt machte die zierliche Österreicherin an diesem Abend dann auch den Eindruck, als wisse sie nicht so recht, was die ganzen Leute vor der Bühne eigentlich von ihr wollten. Und so gab es dann auch eine - heutzutage auf diesem Level eigentlich fast schon unübliche - natürliche Distanz zwischen Künstlerin und Publikum. Was aber der ganzen Sache eigentlich eher zuträglich war. Denn Anja bewegt sich da auf der Bühne in einer ganz eigenen Welt. Einer Welt, die dann eigentlich auch nicht jeder unbedingt teilen möchte, denn - und das war eigentlich das Resüme der ganzen Show: Ihr geht das schon sehr nahe, was sie da zwischen flüstern und expressivem Brüllen, zwischen katatonischer Starre und Schamanentänzen aufführt. Auch, wenn sie dabei irgendwo eher kühl rüberkommt. Was aber am eher Setting lag: Das Ganze war einer dramatischen Inszenierung unterworfen. Außer ihren roten Schuhen war alles auf der Bühne in schwarz gehalten und außer einem kaum hörbaren "Hallo" zu Beginn des Konzertes gab es keinerlei verbalen Kontakt zwischen Künstlerin und Publikum. Zwei Drittel des Konzertes absolvierte Anja - angestrahlt nur von drei weißen Spots von oben - konzentriert und eben schweigend hinter dem Klavier sitzend.

Hier trug sie dann die Kompositionen ihres Debütalbums "Lovetune for Vacuum" vor, bis es dann - im letzten Drittel - plötzlich eine Zäsur in Form einer kakophonischen Krachorgie gab (das, was Anja selbst nicht auf dem Piano spielen konnte, kam vom Computer), wobei die Bühne in gleißend rotes Licht getaucht wurde, sie sich dann erstmals vom Hocker erhob und mit beschwörenden Gesten am Rande der Bühne niederkniete. Danach gab es ein wenig Farbe im Lichtspiel, bis sie am Ende des Konzertes die letzten Stücke - darunter eine A-Cappella-Nummer im Dialekt - stehend vortrug. Danach verschwand sie ebenso wortlos, wie sie anfangs erschienen war - mutmaßlich in der Krypta oder der Gruft. Allerdings ist die Sache mit der Düsternis bei Soap & Skin kein Kokettieren mit einer Mode, sondern integraler Bestandteil des ganzen Plaschg-Wesens. Wie ein so junger Mensch dermaßen intensive, düstere und emotional bodenlose Elaborate produzieren kann, bleibt aber schon ein wenig rätselhaft - gerade auch, weil das alles nicht aufgesetzt, sondern eben aufrichtig, lebendig und glaubwürdig rüberkam. Anjas Musik hält sich dabei angenehm von allem entfernt, was irgendwie angelsächsisch anmuten könnte - auch wenn die Intensität ihrer Darbietung zuweilen durchaus an die frühe Chan Marshall erinnerte (jedoch nie ins Unkontrollierte abzugleiten drohte). Gerne verglichen wird Anja mit Nico (von der sie auch Nummern im Repertoire hat) - was allerdings musikalisch kaum greift, denn ihre Stücke mit Versatzstücken aus Klassik, moderner Musik und Elektronik sind schon sehr eigen. Und: Anders als auf der zuweilen doch recht experimentellen CD - sehr zugänglich.

Anja ist eine gute, wenn auch nicht virtuose Pianistin und auch wenn die komplexen Rhythmen zuweilen ein wenig den Flow unterbrechen, so strahlt ihre Musik - abgesehen von der depressiven Grundnote - auch eine zerbrechliche Schönheit aus. Eine Kommunikation fand dann auch ausschließlich über die Musik statt. Eine Quasselstrippe ist Anja Plaschg nun wahrlich nicht. Gegen Ende des Konzertes überreichte ihr ein Fan ehrfürchtig eine weiße Rose. Diese nahm sie zögerlich (und wortlos) entgegen - überreichte dann aber im Gegenzug spontan eine der Lilien. Als sie sich dann nach einem letzten Applaus endgültig zurückzog, huschte sogar der Anflug eines Lächelns über ihr Gesicht. Das musste dann freilich eine kleine Unachtsamkeit gewesen sein.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/soapandskin
www.soapandskin.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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