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Konzert-Bericht
 
Auf ins Licht!

Holly Williams
Colin Moore

Köln, Stadtgarten
02.02.2010

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Holly Williams
Zunächst sah es so aus, als würde das eine gut besuchte Veranstaltung werden. Doch die meisten der Leute, die an der Abendkasse zu dem Konzert von Holly Williams im Stadtgarten vorstellig wurden, wollten zur zeitgleich stattfindenden Show vom Laura Veirs im benachbarten Studio 672. Nun folgt Gaesteliste.de ja bekanntlich nicht blind jedem Trend und so kam es dann, dass die Tourpräsentation der Songwriterin aus Nashville auf dem Programm stand. Genau genommen war die Sache sogar schon vier Jahre in Planung. Doch 2006 musste die damalige Tour kurzfristig abgesagt werden, da Holly am Vorabend der Abreise in einen schweren Verkehrsunfall mit ihrer Schwester verwickelt wurde. Dazu später mehr.
Das Konzert eröffnete im überschaubar gefüllten Auditorium dann Songwriter Colin Moore aus Montreal mit seinem gutgelaunten Gitarristen Brian Battistuzzi. Colin sah mit seinem ins Gesicht geschobenen Käppi und dem verkniffenen Gesicht ein wenig so aus wie der selige Brian Johnson von AC/DC. Als akustischer Folkie blieb Moore aber musikalisch ganz seinem Metier treu - auch wenn immer wieder die Rickenbacker seines Partners zum Einsatz kam. Die Sache ist die: Colin Moore ist als Kanadier ein absolut typischer Vertreter seiner Zunft. Wie viele seiner Kollegen auch leidet er unter dem US-Syndrom und hat thematisch praktisch nur Trinklieder, Herrenschmerz und vertonte Reiselust zu bieten (sein Debüt-Album heißt bezeichnenderweise "Leaving Home"). Anders als die Kollegen aus der Indie-Zunft hat er auch keinen Drang, irgendwelche Bezüge zu seiner Heimat einzubauen, sondern präsentiert sich als pflegeleichter - aber auch extrem übersichtlicher - Americana-Freund. Das alles war nun nicht direkt unangenehm anzuhören, aber Herzrasen bekam der Zuhörer davon auch nicht gerade. Hauptsächlich deswegen, weil es Songwriter wie Colin Moore wie Sand am Meer gibt. Immerhin wirkten die beiden Musikanten durchweg sympathisch. Und das muss ja auch was gelten.
Ihre spezielle Situation im Musikbusiness verriet Holly Williams mit en passant eingestreuten Sätzen wie "Ich mag alle möglichen Songwriter - nicht nur meinen Vater und meinen Großvater". Bei den besagten Herren geht es selbstredend um Hank Williams senior und junior. Eine solche Herkunft zwingt ja quasi zu einer Karriere im Musikbusiness. Zwar arbeitet Holly auch als Modedesignerin, jedoch ist es die Musik, die es ihr seit dem 17. Lebensjahr angetan hat. Holly spielte Songs von ihren zwei recht unterschiedlichen Scheiben sowie ausgewählte Coverversionen. Gerade letztere zeichneten sie durchaus auch als Musikliebhaberin und Fan aus. So coverte sie Gillian Welchs "Orphan Girl", Neil Youngs "Birds", John Prines "Angel Of Montgomery" und von Hank Williams gab's eine mitreißende Version von "I See The Light". Dass hier das Publikum nicht mitmachen würde, hätte sich die Gute indes freilich vorher denken können. Denn wenn man sich nicht in einer Masse verstecken kann, möchte man sich gemeinhin ja auch nicht als Solo-Sänger entblöden. Sei es drum. Das, was Holly selbstredend prägte, war der o.a. Unfall, bei dem ihre Schwester reanimiert werden musste und sie selbst schwere Verletzungen davon trug. Dieses Ereignis verarbeitete sie auf ihrer letzten Scheibe "Here With Me" - insbesondere auch im spirituellen Titeltrack. Dieses zweite Album wurde in ihrer Heimat Nashville aufgenommen und insofern ist ihr Stil seither auch eher Country-orientiert. Da kommt es recht, dass Gospel-Momente, wie z.B. eben bei "Here With Me" oder ihre Vorliebe für klassischen Gitarrenpop - etwa wie bei der erfolgreichen Single-Nummer "Keep The Change" das Bild auflockern. Dargeboten wurden die Songs unaufgeregt und ziemlich straight von Holly und ihrem frisch angetrauten Gemahl, Chris Coleman, den sie auch überreden konnte, gesanglich tätig zu werden. Hollys Material ist weitestgehend autobiographisch - unter anderem auch die Hommage an die "Mama" - wobei aber insgesamt der Eindruck entstand, dass sich Holly gerade bei den Stücken emotional ins Zeug legte, die sie NICHT selbst geschrieben hat. Das kann aber auch täuschen, da dieses Material zumeist einfach auch musikalisch etwas anders strukturiert ist, als ihr eigenes.

Höhepunkt der Show waren hingegen unerwarteterweise zwei Songs - darunter das melancholische "Alone" - die sie am Flügel spielte. Vielleicht auch deswegen, weil diese klanglich eben ganz anders rüberkamen als die üblichen "Wandergitarern"-Nummern. Nach nur einer Zugabe ging das Konzert dann relativ schnell vorüber. Dafür begab sich Holly aber zumindest zum signieren von Tonträgern an den Merchandise-Stand. Insgesamt zeigte dieses Konzert durchaus, was in der Performerin Holly Williams steckt und dass diese durchweg positive Vibes verbreitete (womit wir dann wieder bei "I See The Light" wären) - auch wenn man sich gewünscht hätte, dass es die Band auch bis in unsere Gefilde geschafft hätte oder dass die Tour zeitnäher zur VÖ hätte stattfinden mögen.

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Surfempfehlung:
www.hollywilliams.com
www.myspace.com/colinsacoustic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Holly Williams:
Interview
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Mehr über Colin Moore:
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