Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin
Mehr Infos...



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Ist das Kunst oder kann das weg?

Get Well Soon

Köln, Gloria
26.02.2010

zur Foto-Galerie
Get Well Soon
Es kommt ja selten genug vor, dass sich Support-Acts und Headliner wirklich grün sind. In diesem Fall aber ließ es sich Konstantin Gropper nicht nehmen, Musée Mécanique als seine momentane Lieblingsgruppe dem Publikum nachdrücklich zu empfehlen. Zu recht, wie sich herausstellte. Micah Rabwin und Sean Ogilvie aus Portland, die im Kern Musée Mécanique ausmachen, sind aufmerksamen Insidern bereits als "Band" von Laura Gibson bekannt. Ähnlich wie in diesem Fall hatten die die beiden - unterstützt von einem weiteren Multiinstrumentalisten - ein Drumkit unter sich aufgeteilt und agierten ansonsten an einer Unzahl von Klangerzeugern, von denen Glockenspiele und singende Sägen noch die normalsten zu sein schienen.
Das, was die Herren auf ihrem Debütalbum "Hold This Ghost" mit Akribie und beinahe ausufernd zelebrieren - das Erzeugen melodischer Klangwolken mit möglichst organischen Instrumenten -, hatte man hier der Praktikabilität halber mit Synthesizern und Samplern sublimiert. Das hatte aber den unschätzbaren Vorteil, dass - anders als auf der CD - sich hier nichts ins Ziellose verfleuchte, sondern die fabelhaften Melodiebögen, der ausgezeichnete Harmoniegesang und die faszinierend einfallreichen Songstrukturen und Arrangements im Zentrum standen (und nicht die experimentelle Klangkunst). Das wirkte: Selten erlebt man ein so großes Publikum so aufmerksam und hingerissen - zumal bei einem bloßen Support-Act. Ihnen selbst schien die Wirkung ihres Tuns durchaus bewusst. So platzierten sie den Titeltrack des Albums, die aktuelle Single und gleichzeitig eingängigste Nummer "From Home" ganz am Ende des Sets. Auch wenn Rabwin und Ogilvie nicht unbedingt die größten Entertainer sein mögen: Allein durch ihre Songs, den Vortrag und die zweifelsohne vorhandene musikalische Vision überzeugten sie bei diesem ersten gemeinsamen Konzert mit Get Well Soon restlos und gewannen mit Sicherheit etliche neue Fans im Publikum. Vielleicht funktionierte das auch deswegen so gut, weil Musée Mécanique - auf einer anderen Ebene zwar - genau dieselbe Art von hymnischen, spirituellen Vibes verbreiten wie Konstantin Gropper und seine Truppe.
"Ich hatte mir viele lustige Ansagen ausgedacht", begrüßte Konstantin das Kölner Publikum, "habe die Zettel aber in der Umkleide liegen lassen, weil ich mir dachte, dass in Köln sowieso genug gelacht wird. Wir sind auch eher die Band zur Fastenzeit." Das war natürlich pures Understatement, denn im Gegensatz zur letzten Tour legten Get Well Soon noch mal eins drauf. Allerdings nicht so, wie man es vielleicht vermutet hätte. Zwar gab es durchaus ein Vibraphon und ein Xylophon auf der Bühne - doch wurden diese "Klöppelinstrumente" längst nicht so exzessiv eingesetzt, wie das die Arrangements der aktuellen Scheibe, "Vexations", hätten vermuten lassen können. Dafür gab es eine exakt auf die Show zugeschnittene Multimedia-Präsentation - von der sich andere, die so etwas versuchen, ruhig mal eine Scheibe abschneiden können. Einfach auch deswegen, weil die kunstvoll zur Performance geschnittenen, mit verfremdeten Live-Feeds ergänzten Videos des Regisseurs Philipp Kässbohrer ausnahmsweise ein mal nicht AUF die Musiker projiziert wurden, sondern auf die Leinwand dahinter. Und was diese Videos betraf, so handelte es sich hierbei nicht einfach um sinnfrei zusammengeschnittenes Bildmaterial, sondern um dramaturgisch durchdachte Filmschnipsel, die erstens auf den Rhythmus der Songs abgestimmt waren und teilweise sogar diese ergänzten. So fuhren da U-Boote durch die Gegend, wanderten Rotkäppchen durch den Wald oder kam der Chor zum Song "We Are Ghosts" nicht einfach von der Harddisk, sondern im Stil eines Guy Madigan (um hier auch ein Mal mit Querverweisen in der Art von Konstantin Gropper um sich zu werfen) als verfremdetes Retro-Filmchen der Band von der Leinwand. Auch die hörspielartigen Intro- und Outro-Elemente der CD wurden dramaturgisch eingebaut (inklusive Credits, die am Ende der Show - wie bei einem Spielfilm - alle Beteiligten auflisteten).

Ganz nebenbei gab es natürlich auch Musik. Dass sich das GWS-Konzept nicht unendlich in alle Richtungen ausdehnen lässt, hat natürlich auch Konstantin begriffen und demzufolge wurden die orchestralen Elemente dieses Mal eher sogar reduziert. So gab es einen Musiker weniger an Bord (was sich zum Beispiel auf die Bläserparts auswirkte) und auch die Geige von Verena Gropper kam nicht mehr so intensiv zum Einsatz wie bislang gewohnt. Das wurde nun aber nicht etwa durch übermäßigen Einsatz von Klöppelinstrumenten kompensiert - wie zu befürchten gewesen wäre -, sondern schlicht durch Dynamik und Intensität. Dies bekam erstaunlicherweise gerade den eher elegischen Nummern des neuen Albums besonders gut. Was aber nicht heißen soll, dass GWS nicht mehr rocken können. Ganz im Gegenteil - wenn es denn mal so richt los ging (etwa beim inoffiziellen Hit "Hat's Missing"), dann stellte sich gleich so etwas spirituell-Erhebendes ein - etwa so wie bei einer katholischen Festmesse. Das soll nicht bedeuten, dass GWS zu den Esoterikern übergelaufen sind oder sich gar als Prediger betätigen, sondern lediglich, dass Gropper & Co. es verstehen, positive, schwelgerische Vibes zu verbreiten, die aber eben nicht ins Pathetische oder gar Kitschige umschlagen. Oder anders ausgedrückt: Sie sind in der Lage, den Zuhörer zu transportieren.

Was bleibt, ist so etwas wie Ehrfurcht vor der Musik - die man aber trotzdem irgendwie auch noch lieb haben kann. So als sei das noch nicht genug, verstehen es GWS auch, als Performer zu unterhalten. Da wird auch mal rumgeflippt, das Instrument gewechselt oder die große Geste gesucht. Und das alles kommt unter dem Strich auch noch selbstverständlich und sympathisch rüber. Mit dieser Show haben die Mannheimer wieder mal ihre Ausnahmestellung in unseren Breiten bestätigt. Und sie schaffen es, damit verschiedenste Interessengruppen zu bedienen, denn das Publikum setzte sich aus den unterschiedlichsten Gemengelagen und Bevölkerungsschichten zusammen, was stets ein gutes Zeichen für die Breitenwirksamkeit einer Band ist.

zur Foto-Galerie

Surfempfehlung:
www.youwillgetwellsoon.com
www.myspace.com/youwillgetwellsoon
www.myspace.com/museemecanique
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister