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Sticky Fingers

Kaki King

Köln, Kulturkirche
24.03.2010

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Kaki King
Wenn man Gitarre spielt wie Kaki King, dann braucht man eigentlich viel mehr als zehn Finger. Da das aber schlecht möglich ist, arbeitet Kaki mit einem Trick: Wie viele, die diese sehr spezielle Art von Fingerpicking favorisieren, wie Kaki das nun mal tut (Ani DiFranco kommt da zum Beispiel in den Sinn), klebt sie sich künstliche Fingernägel an die linke Hand (zusätzlich zu etwaigen Plektren). Anders als Ani verwendet sie dabei kein Klebeband sondern Sofortklebstoff. Was sich als keine gute Idee herausstellte, da sie sich dabei die Finger vollgekleckert hatte und somit mit "klebrigen Fingern" spielen musste. Nicht, dass das irgendjemand gemerkt hätte, wenn sie nicht selbst darauf hingewiesen hätte.
Kaki stellte ihr soeben erschienenes Album "Junior" mit derselben Band vor, mit der sie es auch einspielte: Drummer Jordan Perlson agierte dabei noch am "normalsten" - das heißt: Er spielte sein Instrument so, wie man es gemeinhin von einem Drummer erwartet. Multiinstrumentalist Dan Bratigan ist da schon von einem ganz anderen Kaliber: Zunächst ein Mal fuhr er etliche Computerprogramme hoch, die dann im Folgenden allerdings kaum dazu dienten, abgespeicherte Passagen von der Harddisk abzurufen, sondern vor allen Dingen seinen geblasenen Multifunktions-Synthesizer zu beschicken. Früher nannte man so etwas ein Mal "Lyricon" - doch Bratigan ging es um etwas anderes, als Blasinstrumente synthetisch zu emulieren. Er musste sowohl die Bassfrequenzen bedienen, wie auch atmosphärische Klangflächen erzeugen und sogar gelegentlich Soli-ähnliche Passagen bewältigen (wobei er hierbei lieber auf eine konventionelle Trompete zurückgriff). Über die Technik Kaki Kings noch etwas sagen zu wollen, hieße Eulen nach Athen zu tragen, immerhin ist sie dadurch berühmt geworden. Ihre Spezialität ist eine Spielweise, bei der sie mit beiden Armen von oben die Saiten traktiert - etwas, was man nicht so recht begreifen kann, selbst wenn man es sieht.

Dieses gab's übrigens auf der neuen Scheibe so gut wie gar nicht, denn hier stieß Kaki in für sie neue Dimensionen vor, was auch beim Konzert deutlich wurde. Denn die erste Hälfte der Show bestand nahezu ausschließlich aus den rockigen Vocal-Nummern, die sie zuletzt für sich entdeckte - nachdem sie zuvor jahrelang ganz auf instrumentale Designs vertraute. "Falling Day" etwa ist so etwas wie eine Blaupause für Songs dieser Art. Man darf schon sagen, dass Kaki King als (Prog)-Rock-Göre eine ganz ausgezeichnete Figur machte. Live kamen die Nummern natürlich eine ganze Portion druckvoller als auf Konserve rüber - was unter anderem daran liegt, dass Kaki nicht so sehr auf Effektgeräte, sondern stattdessen mehr auf intelligentes Fingerpicking steht - und das ist live eben dynamischer möglich, als auf der Scheibe. Dass es auf "Junior" um eine Art Spionage- und Agentengeschichte geht, bei der Kaki in verschiedene Rollen schlüpft, spielte dabei nur insofern eine Rolle, als dass die Songs insgesamt recht abwechslungsreich dargeboten wurden. Erst im Mittelteil gab es dann ausgedehnte Instrumentalnummern - zunächst solo, akustisch und dann mit der Band - wobei auch hier die Dynamik ins Spiel kam und sich die Band so manches Mal - und nicht nur bei den Zugaben - auf fast epische Art in Trance spielte.

Welche Art von Musik Kaki eigentlich macht, bleibt dabei auch eher im Dunkeln. Von der Fingerfertigkeit und Virtuosität her, müsste es eigentlich extrem schnell gespielte Klassik sein, von der Sensibilität her Jazz, vom Feeling her Rock und von der Struktur her eher Post- oder Prog-Rock. Es ist aber nichts von alledem und dann doch wieder von allem etwas - Kaki King pur eben. Schön übrigens auch, dass hier eine Gitarrengöttin am Werke war (auch, wenn sie das nicht gerne hört), denn anders als bei männlichen Kollegen, gab es - bei aller Fingerfertigkeit und Virtuosität - nicht ein einziges, selbstverliebtes Solo. Es steht hier immer der Song im Vordergrund - oder zumindest doch der Sound - und nicht das eigene Können. Dazu gehört auch, dass da mal kleine Glitches drin sein dürfen und dass Kaki selbst manchmal von dem amüsiert scheint, was da so klangtechnisch aus ihrer Gitarre quillt. "Hört sich an, wie etwas, das stirbt", kommentierte sie z.B. einen seltsamen Akkord, der sich bei einer der wilden Umstimm-Aktionen ergab. An anderer Stelle setzte sie sich mit einer Lapsteel Gitarre auf einen Stuhl und erzeugte mittels eines Samplers ein ganzes Gitarren-Orchester. Überhaupt zeigte sich Kaki King als amüsant plaudernde, unbeschwert aber souverän agierende Performerin, die auch mal einen Witz mit ihrem Publikum machte.

Das, was den Abend schließlich aber insgesamt auszeichnete, war der Umstand, dass hier mal etwas erfrischend anderes zu sehen war, als die übliche Gitarrenband - auch wenn es die eine oder andere Power-Pop-Indie-Rock-Nummer zu bestaunen gab. Das Konzept funktioniert offensichtlich auf breiter Ebene: Die ausverkaufte Kulturkirche war zu etwa gleichen Teilen mit sehr jungen Fans (von denen sich einige auch optisch ihrem Idol annäherten), vergleichsweise älteren Herrschaften und offensichtlich studierten, mittelalten Fachleuten gefüllt. Lediglich das "übliche" Konzert-Publikum fehlte. Das ist eine interessante Entwicklung, da es offensichtlich immer noch - und entgegen aller Unkenrufe, die das Gegenteil behaupten - möglich zu sein scheint, mit interessanten Konzepten auch Bedürfnisse links der Mitte zu bedienen!

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Surfempfehlung:
www.kakiking.com
www.myspace.com/kakiking
de.wikipedia.org/wiki/Kaki_King
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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