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Konzert-Bericht
 
Snacks And The City

Nada Surf
The Tunics

Köln, Gloria
20.04.2010

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Nada Surf
Mag sein, dass Indierock zur Zeit nicht das angesagteste Ding ist. Doch wenn Nada Surf in der Stadt sind - auch ohne "richtige" neue Scheibe -, dann ist der Zuspruch garantiert, denn die drei Jungs aus New York haben in Köln eine sehr solide Fanbasis. Sogar eine, die noch ausbaufähig scheint, denn das Gloria war restlos ausverkauft. Wie bei Nada Surf üblich, durfte im Vorprogramm der Nachwuchs ran. In dem Fall waren es The Tunics, eine sympathische, junge Band aus London, die im Prinzip das machte, was man von sympathischen, jungen Bands aus London erwartet: Den Brit-Pop unter Einbeziehung bestimmter Richtwerte für sich zu entdecken.
In dem Fall war das Placebo - denn Sänger Joe Costello hört sich an, wie Brian Molko und als Trio hatten die drei Briten das ganze Repertoire des UK-Indie-Schrammel-Indie-Gitarrenpops drauf. So hören sich Bands dieser Art nun mal an, bevor sie auf der zweiten oder dritten Scheibe dann zu einer eigenen Identität finden - vorausgesetzt, sie halten bis dahin durch. Wie oft bei solchen Acts zu beobachten, ist übrigens auch bei den Tunics der Drummer (Joe Blanks) der beste Mann. Er sieht übrigens auch als einziger wie ein Rockstar aus. Unter dem Strich war das als Support-Act alles nicht sehr unangenehm.
Der Anlass der Nada Surf-Tour ist eine Scheibe namens "If I Had A Hifi", auf der Caws & Co. ihre Lieblingssongs covern. Diese ist zunächst nur auf der Tour erhältlich, erscheint aber nächsten Monat dann auch offiziell. "Das sind meist obskure Songs", erklärte Matthew Caws, "weil wir uns nicht anstrengen wollten... oder besser gesagt, weil wir Spaß dabei haben wollten, wenn wir uns schon anstrengen müssen." Das traf die Sache natürlich nicht ganz. Es ist zwar richtig, dass ca. die Hälfte des Materials eher obskurer Natur ist, doch anderes ist durchaus nachvollziehbar. Zwar gab es beim Konzert in Köln nicht unbedingt einen Showcase für die neue Scheibe, doch einige der Nummern spielten Nada Surf natürlich. Nachdem die Show zunächst mal mit "See These Bones" eröffnet wurde, riss Bassist Daniel Lorca bereits bei der zweiten Nummer der Gurt seines Basses - woraufhin Caws dann "Blizzard Of 77" akustisch vortrug, während ein Roadie bemüht war, den Gurt wieder anzubringen. Erst dann gab's das erste Cover - "Love Goes On" von den Go-Betweens. Was Nada Surf nicht wissen konnten, war, dass die Go-Betweens an gleicher Stelle - im Kölner Gloria - ihre glanzvollsten Momente in der Domstadt zu verzeichnen hatten. Die Messlatte lag also insofern recht hoch. Dennoch lösten die Jungs die Aufgabe brillant - nicht zuletzt auch aufgrund des Trompeten-Solos von Gastmusiker Martin Wenk (Calexico), der an allerlei Instrumentarium aushalf und den gewohnten Sound des Trios ein wenig erweiterte. Das und der Umstand, dass die Go-Betweens musikalisch ja nicht sooo weit von Nada Surf entfernt sind, ließ die Sache funktionieren. Bei anderen Nummern - auf Scheibe wie Live - funktioniert die Sache nicht so gut. So geriet "Enjoy The Silence" zwar durchaus zu einer Nada-kompatiblen Powerpop-Nummer, ließ allerdings den Geist des Originals vermissen. Andere Tracks - "Eletrocution" von Bill Fox oder "You Were So Warm" von Dwight Twilley - sind dann tatsächlich so obskur, dass ein Vergleich gar nicht erst möglich ist, so dass diese Songs dann wie (nicht besonders gute) Nada Surf-Nummern klingen. Und dann gab es da noch "Love & Anger" von Kate Bush. Das ist ja eh eine Nummer, die sich nicht so gut zum covern eignet, da sie musikalisch kaum etwas hergibt und ihr Eigenleben auf Scheibe allein durch die spezifische "Kate-ness" entwickelt, die sich kaum reproduzieren lässt. So fuhren Nada Surf das Ding dann auch prompt gegen die Wand - inklusive schiefer Töne und matschigem Sound. (Überhaupt war der Sound im propevollen Gloria nicht eben der Beste.) Und dann noch etwas: Angesichts dessen, dass dies die erste Nada Surf-Tour ohne eigenes, neues Material war, schienen die Herren das Ganze dann auch irgendwo lockerer zu nehmen, als sonst üblich.

Sicher: Das war eine Best-Of-Show, bei der es nahezu alle Nada Surf-Hits gab - einige davon, wie z.B. "Blonde On Blonde" oder "Fruit Fly" in durchaus gelungenen, ja inspirierten Versionen (auch hier half Martin Wenk aus) - ABER: Konzerte bei denen Nada Surf vom eigenen, neuen Material selbst noch so begeistert sind, dass sie dieses dem Publikum auch gleich vermitteln möchten, sind dann musikalisch doch irgendwie spannender. Was nicht heißen will, dass dies eine schlechte Show war - dafür ist das Material einfach zu stark und dafür sind die Jungs zu cool und routiniert - aber die Spannung fehlte tatsächlich ein wenig. Nun gut: Man wird auch älter. Die Falten werden tiefer und das Bäuchlein (zumindest das von Daniel Lorca) dicker - vielleicht muss man da auch Abstriche machen, denn beweisen müssen die Herren sich und der Welt schließlich nichts mehr. Kommen wir aber noch mal zum Titel dieser Story zurück: Auf Tour, so erklärte Matthew, lebe man ja großteils von Snacks. So kamen die Herren auf die Idee, sich Backstage zum Zeitvertreib alternative Filmtitel auf Snack-Basis auszudenken: "Snacks To The Future" etwa oder "9 ½ Snacks" oder "The Unbearable Lightness Of Snacks". Dieses Spiel wurde dann mit dem Publikum fortgesetzt und zeitigte mit dem Vorschlag "Snacks And The City" dann auch einen eindeutigen Tagessieger.

Fazit: Wie gesagt, war das keine schlechte Show - wenn man von einer solchen die Vollbedienung in Sachen Greatest Hits erwartet. Allerdings hätte man von einer der besten Gitarrenbands der Welt gerne auch bei dieser Gelegenheit den ansonsten selbstverständlichen X-Faktor gesehen, der sie ansonsten auszeichnet.

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Surfempfehlung:
www.nadasurf.com
www.myspace.com/nadasurf
www.thetunics.co.uk
www.myspace.com/thetunics
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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