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Konzert-Bericht
 
Schwedenpop

Miss Li
Helgi

Köln, Gebäude 9
26.05.2010

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Miss Li
Entweder interessieren sich die Leute, die zu dem Konzert des singenden Schwedenhappens Miss Li ins Gebäude 9 strömten, für Produkte von Volvo oder Apple (denn die Gute hat gleich zwei ihrer Songs in Produktwerbung o.a. Marken platzieren können) - oder aber sie kamen aufgrund der Mund-zu-Mund-Propaganda vom letzten Gastspiel von Miss Li am gleichen Ort. Wie dem auch sei: Zwar war das Gebäude 9 nicht ausverkauft, es gab aber ein mit beinharten und von Anfang an begeisterten, meist jugendlichen und weiblichen Fans, gut gefülltes Auditorium.
Die Show eröffnen durfte die musikalische Antithese zu Miss Li: Ein lustiger Schwede namens Helgi (nicht zu verwechseln mit dem österreichischen Isländer Helgi Johannsson) mit Maat-Mütze, Dali-Bart, Zahnlücken und Hornbrille. Dieser trug seine humorvollen Beobachtung zum Thema "Freundschaft und richtiges Leben" in der Art seines Landsmannes Nicolai Dunger vor - also mit kieksender Stimme und so, als mache er Witze mit seinen Liedern. Was er zuweilen auch tat. Wieviel Einwohner Köln denn habe, wollte er wissen. "Eine Million?", fragte er erstaunt zurück, "Das bedeutet also, dass ihr euch gar nicht alle kennt?" Nun - musikalisch passte das vielleicht nicht ganz, als Performer und Entertainer war Helgi (inklusive Texthänger bei einem neuen Song) indes durchaus angenehm.
Nach einer dann doch viel zu langen Umbaupause, in der eigentlich nichts umgebaut wurde, weil alles schon auf der Bühne stand, ging es dann endlich los. Von der ersten Sekunde an versprühte Miss Li - optisch eher als Presswurst zurecht gemacht - offensichtlich im Überfluss vorhandene, überschüssige Energie. Meist hinter dem Piano herumturnend, dieses am Ende gar besteigend oder in der Bühnenmitte posend tobte Miss Li wie ein Wirbelwind durch ihr Programm, das - objektiv betrachtet - eigentlich ausschließlich aus potentiellen Pop-Hits besteht. Balladen: Fehlanzeige. Ebenso irgendwelche Konzessionen an den musikalischen Zeitgeist: Das war alles richtig schöner, handgemachter, organischer Gitarrenpop mit allerlei Zutaten - neben Miss Lis Piano waren dies vor allen Dingen Lars Ahlunds Saxophone. Nun ist die Sache ja die: Pop-Songs haben für gewöhnlich ein eher festes Korsett, damit sie noch als solche funktionieren - und dieses bewegt sich mit drei Strophen, Refrains und Mittelteil ungefähr im drei Minuten-Rahmen. Wer nun allerdings befürchtet hätte, Miss Li würde ihre Nummern einfach 1:1 runterkloppen, wurde angenehm enttäuscht. Eigentlich gab es alles, was es bei einem "Rock-Konzert" auch gibt: Intros, Outros, Breaks und Soli. Diese fingen bei Ahlund an, wurden von dem ausgezeichneten Gitarristen Sonny Boy Gustafsson (der auch Miss Lis musikalischer Partner, Produzent und Co-Autor ist) stilistisch erstaunlich vielseitig zwischen Twang, Blues und Prog-Rock (!) aufgegriffen und schließlich von Drummer Gustav Nahlin vollendet. Manchmal spielten auch alle gleichzeitig.

Und dann gab es noch einige Überraschungen. So gab es immer wieder Einlagen, in denen die Band die Instrumental-Parts der Songs in irgendwelche obskure Richtungen abdrängte - Skiffle etwa oder Klezmer, Swing und immer wieder Blues. Miss Li saß derweil am Bühnenrand und trank Bier. Gerockt wurde nicht wirklich (Gustafsson spielte seine Gitarre eher mit sehr viel Twang und weniger mit Distortion), doch gut abgehen tat die Sache auf diese Weise durchaus. Nicht zuletzt, weil Miss Li keine Probleme hatte, das Publikum anzufeuern und zum Mitmachen zu bewegen. Einige Nummern wurden dann auch bewusst zerlegt - etwa "Oh Boy", der Song aus der Volvo-Werbung, den Miss Li wie einst Muddy Waters einfach wieder auf die Bühne holte, nachdem das Publikum auf den eigentlich schon beendeten Durchlauf reagierte und der dann in einen New Orleans-Blues umkippte. Ähnlich verfuhr sie mit "Bourgeois Shangri-La" - der Nummer aus dem Apple-Spot - den sie sich für die Zugabe aufgehoben hatte. Zwar ging hier alles dermaßen drunter und drüber, dass man weder Piano noch das Spielzeug-Glockenspiel wirklich hören konnte - dafür war aber die Free-Jazz-Improvisation am Ende schon überraschend.

Inhaltlich bedient Miss Li auf geschickte Weise die Bedürfnisse ihrer Klientel und singt über die Sorgen und Nöte junger Mädels. (Mit zum Teil ironischen Seitenhieben wie etwa "Dirty Old Man".) Wie lange sie das Ganze allerdings noch auf die Weise gesanglich umsetzen kann, auf die sie es momentan tut, bleibt abzuwarten: Vollkommen ohne Volumen und ohne Sustain, dafür aber mit einem gewaltigen Blues-Kieks im Timbre presst sich Miss Li fast heiser durch die Songs wie weiland die selige Janis Joplin. Das sorgt dann natürlich für eine Note mit Wiedererkennungswert und lenkt von der piepsigen Klein-Mädchen-Stimme ab - so richtig gesund kann das aber nicht sein. Immerhin: Miss Li ist ein Original! Und sie zeigt, wie man auch außerhalb Großbritanniens aktuell sympathische Girlie-Pop-Musik jenseits angesagter Trends machen kann - und wie man diese dann auch noch originell und unterhaltsam präsentieren kann.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/experiencemissli
www.missli.se
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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