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Konzert-Bericht
 
Love is good and life is real

Damien Jurado
Jodymoon

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
12.09.2010

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Damien Jurado
Die neue Saison im Landgut Roepaen begann mit einem ausgewogenen Doppel-Konzert. Es spielte die niederländische Band Jodymoon in großer Besetzung mit zwei Streichern und der Roepaen-Veteran Damien Jurado gab anlässlich der Veröffentlichung seines aktuellen Albums "Saint Bartlett" ein Solo-Konzert.
Jodymoon um Frontfrau und Sängerin Digna Janssen stellten ihr zweites Album "Where Are You Now" vor. Jodymoon machen eine etwas zu dramatisch präsentierte, jazzige Folkpop-Variante mit Blues-Touch. Die besagte Dramatik dazu kommt von den beiden Streichern Wim Spaepen und Marie-José Didderen, die mit klassischen Intros, Interlüden und Instrumentalpassagen dem ganzen eine gehörige Portion Ernsthaftigkeit verpassen. Dazu kommt dann noch die etwas unfreiwillige Gesichtskomik von Digna Janssen, die so die inhaltsschwangeren Texte wohl illustrieren möchte, um besonders nachdrücklich und glaubhaft rüberzukommen - mal am Piano und mal frei stehend, wo dann noch große Gesten hinzukommen. Im Prinzip ist dadurch eigentlich sogar das Gegenteil der Fall, denn die Songs machten ohne diese Mimik wesentlich mehr Sinn. Rein musikalisch ging die Sache im Großen und Ganzen durchaus in Ordnung, was nicht zuletzt am einfühlsamen Zusammenspiel der Musiker lag - und an den Streicher-Einsätzen, denn diese fügten den prinzipiell simplen Songs durchaus die benötigte dritte Dimension hinzu.
Damien Jurado brauchte sich über Arrangementsfragen keine Sorgen zu machen. Er hatte seinen Laptop auch nicht mitgebracht, um die in Zusammenarbeit mit Richard Swift erarbeiteten schwelgerischen Arrangements seines letzten Albums einzuspielen, sondern ganz schlicht, um die Lyrics der Songs abrufen zu können. "Ich bin nämlich nur in dem Sinne ein professioneller Musiker, als dass ich herumeise und meine Songs vortrage", erklärte er dies, "Technisch bin ich nicht so gut." Das mag sein - doch wegen der Technik kommen die Fans auch nicht zu Konzerten von Damien Jurado. Das tun sie vielmehr wegen seiner Songs bzw. den zugrunde liegenden Stories und der Art, in der er diese darbietet: Anrührend, verletzlich, zerbrechlich und melancholisch. "Nur damit wir uns verstehen", erklärte er aber gleich einschränkend, "nur weil ich traurige Songs schreibe, heißt das nicht, dass ich traurige Musik mag. Ich bin auch eigentlich gar kein trauriger Typ. Ich denke aber, dass Songs ein Eigenleben besitzen und ich nur der Botschafter bin. So wie ein Briefträger. Bitte gebt mir also nicht die Schuld, wenn ich einen schlechten Brief überbringe. Es ist meine Aufgabe, euch diese Songs vorzuspielen, um euch traurig zu machen." Im Prinzip brachte dies die Sache auch auf den Punkt: Insbesondere solo ist Damien Jurado der König der Misanthropen, bei dem Zeilen wie "der einsamste Ort ist in deinen Armen" quasi Gang und Gäbe sind. Unterstützt wird dieser Eindruck dann noch von den fast zärtlich dahingefächerten Gitarrenakkorden und diese lamentös-brüchigen Stimme, die Jurado teilweise bis an den Rand des Winselns ausnutzt. Und dass der Meister auf der Bühne extrem ernsthaft rüberkommt - auch wenn er die haarsträubend aberwitzigsten Anekdoten erzählt - liegt daran, dass er sich zum Prinzip gemacht hat, niemals zu lächeln.

Hier allerdings brach er bei diesem Konzert dann doch ein. Denn er verzettelte sich in einem aberwitzigen Dialog mit dem Publikum derart, dass er am Ende selbst schmunzeln musste. "Ich mag das, mit einem ausländischem Publikum zu flachsen", erklärte er das, "weil ich nie genau weiß, was wirklich lustig ist oder schlicht beleidigend. Davon bekomme ich meinen Kick." Das Publikum in Roepaen sei aber - ganz ernsthaft - wirklich ein besonders gutes. Das Programm des Sets bestand aus einem bunten Potpourri aus zwischen 9 - 20 Veröffentlichungen Jurados (je nach Zählweise), in dem man die neuen Songs wie "Kansas City" oder "Arkansas" quasi suchen musste - was ja auch erklärlich erschien, da die Arrangements in diesem Ambiente keine Rolle spielten. Zugaben gab es keine - weil die ja sinnlos seien. Immerhin spielte Damien als letztes Stück "Ohio", seine vielleicht schönste metaphorische Ode an einen bestimmten Ort, von denen er nicht wenige im Programm hat. Ach ja: Und überhaupt wisse er nicht mehr, was er noch sagen solle, außer vielleicht: "Love is good and life is real" Und so wünschte er den Anwesenden zum Abschluss einfach noch ein gutes Leben.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/damienjurado
www.saintbartlett.com
www.jodymoon.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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