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Konzert-Bericht
 
Mit Rückenwind

Alin Coen Band

Köln, Blue Shell
29.09.2010

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Alin Coen Band
Genau genommen braucht Alin Coen gar keinen Rückenwind. Auch ohne entsprechende Hilfe schaffte es die Wahl Weimarerin, sich zusammen mit ihren drei Musikanten, die die namensgebende Band ausmachen, nach der Veröffentlichung ihrer vielgelobten Debüt-CD "Wer bist du?" (dessen Titelsong den betreffenden Rückenwind-Bezug enthält) sich eine beachtliche Anhängerschaft zu erspielen, die unter anderem dafür sorgte, dass gleich die erste offizielle Tour ausverkauft war. So auch im Kölner Blue Shell, das deswegen recht eng befüllt war.
Auf einen Support Act verzichtete die Band - unter anderem wohl auch deswegen, weil die Bühne aufgrund des eigenartigen Aufbaus, bei dem Drummer Fabian Stevens links an der Seite sitzt (um besser mit den anderen Musikern kommunizieren zu können, wie Alin erklärte) kein Platz mehr für zusätzliches Equipment bot. Denn neben einigen neuen Songs hatte Alin auch ein archaisches Keyboard (mit drei Sounds) mitgebracht, das auch gleich bei einigen dieser Stücke zum Einsatz kam. Bereits vor dem Konzert hatte Alin vorgewarnt, dass die neuen Stücke ganz anders seien, als jene auf der Scheibe - unter anderem, weil sie diese (anders als das bisherige Material) mit den Musikern zusammen geschrieben hatte. Aus einem ganz einfachen Grund, war diese Warnung aber unnötig. Und der ist der, dass im Prinzip alle Alin Coen-Stücke anders sind, als die jeweils anderen - und das ist durchaus als Lob gemeint. Vielleicht sind die neuen Songs wie "Chasing Answers" (oder "Questions", wie es auf der Setlist hieß) oder "Common T." allerdings ein wenig ambitionierter als die bisherigen Titel, denn da wurde arg gefrickelt und gedaddelt, so dass dieses Material schwerfälliger und spröder rüberkam, als die bekannten Nummern. Vielleicht sollte man hier aber auch ein "noch" hinzufügen, denn dieses Frickeln und Daddeln bietet - ein Mal eingespielt - durchaus Potential für die Zukunft. Am Besten klappte die Sache beim letzten, offiziell dargebotenen Titel "Fenêtre" - einem Song mit französischem Text, den eine kanadische Freundin Alins geschrieben hatte. Musikalisch artete diese Nummer am Ende zu einem psychedelischen Jam-Trip aus - unter anderem Dank entsprechender Sample-Abenteuer von Bassist Phillip Martin und Gitarrist Jan Frisch.

Unter dem Strich zeigte aber gerade das neue Material, in welcher Geschwindigkeit das Coen'sche Universum expandiert. Nicht schlecht für eine "Nachwuchsband". Dieser Begriff freilich passt hier nicht so recht, denn Alin Coen hat sich ca. zehn Jahre Zeit genommen, ihre Kunst auf dieses Level zu hieven. Das erzählte sie auch während des Konzertes - dass dieses und jenes Stück in Schweden oder Australien entstanden sei, wo sie sich jeweils für längere Zeit aufgehalten habe. Insofern konnte die Performerin Alin Coen dann auch auf ihre Erfahrungen aus der Solo-Vorlaufzeit zurückgreifen und kam deswegen betont ausgekocht daher. Da gab's keine dieser Unsicherheiten und Schwächen zu beobachten, die gerade neue Acts oft auszeichnen. Ganz im Gegenteil: Das Ganze erschien zuweilen sogar eine Spur zu kontrolliert. Andererseits verstand die Band es ausgezeichnet, auf das Publikum einzugehen. Beste Beispiele dafür waren etwa die Songs "Halo", bei dem das Publikum auf Bitte zu Plappern aufhörte oder "Wer bist du?", bei dem es andererseits den Text mitsang. Eine Sache fiel noch positiv aus: Auch im Vorfeld hatte Alin gesagt, dass die Live-Versionen - abhängig vom jeweiligen Publikum - jedes Mal anders klängen. Und dem war tatsächlich so: Zwar war der Geist der jeweiligen Songs noch zu erkennen, aber eigentlich dienten die Arrangements auf der Scheibe lediglich als Sprungbrett für das, was im Folgenden dann möglich war. Neben der nonchalanten Mehrsprachigkeit ist übrigens auch das eine Parallele zu dem, was Sophie Hunger macht (ohne dass man die Damen deswegen weiter vergleichen müsste). Auch hier gab es ein entsprechendes Beispiel: Der Song "Left Behind" klang - von den Vibes her - an diesem Abend mehr nach Alins Idol Ani DiFranco als nach der Konserven-Version. Auch dies eine gute Sache. Fazit: Die Erwartungen, die die Alin Coen Band mit der Debüt-CD erweckt haben mochte, wurden im Live-Ambiente durchaus erfüllt. In einem solch intimen Rahmen dürfte man die Alin Coen Band freilich vermutlich zum letzten Mal gesehen haben.

Alin Coen Band
NACHGEHAKT BEI: ALIN COEN BAND

Alin Coen überzeugt - live wie auf Konserve - mit der nonchalanten Souveränität, mit der sie zwischen den Sprachen wechselt. Zwischenzeitlich hinzugekommen ist ja ein Song auf Französisch und auf Spanisch wird es wohl auch irgendwann mal welche geben, oder? "Ja, wahrscheinlich schon", meint Alin, "ich bin ja zweisprachig Deutsch und Spanisch aufgewachsen. Für mich ist die Sprache auch einfach ein Mittel der Kommunikation. Ich denke da nicht drüber nach. Natürlich begann ich, auf Englisch zu schreiben, weil mich ansonsten in Schweden, wo ich damals lebte, keiner verstanden hätte. Aber ansonsten ist es einfach vom Song abhängig, in welcher Sprache er geschrieben wird. Ich spiele vor mich hin und dann kommt ein Wort oder ein Satz heraus, auf dem ich dann aufbaue. Vielleicht kann ich auf Deutsch bessere Wortspiele schreiben, aber dafür kann ich auf Englisch besser Bilder darstellen... Es mag sein, dass die Sprache dann auch die Arrangements beeinflusst - weswegen die deutschen Songs eher die leiseren sind - aber das ist kein bewusster Prozess. Ich habe mir nämlich keine Technik zurecht gelegt, sondern probiere lieber aus, was geht." Sophie Hunger meinte ja, dass sie es schwieriger fände, in ihrer Muttersprache, deutsch zu singen. "Bei mir ist das einzig vom Song abhängig", meint Alin dazu. Was zeichnet einen guten Alin Coen-Song denn aus? "Ich muss mich in den Song verlieben können", meint sie strahlend, "ich habe bei jedem meiner Songs mindestens ein Mal geweint - dann weiß ich, dass der Song auch funktioniert."

Wie fing die Sache denn überhaupt an? "Nun, als ich damals in Schweden lebte, hatte ich eine Cassette von Ani DiFranco dabei und als ich diese hörte, wusste ich, in welche Richtung es gehen sollte. Was nicht heißen soll, dass ich Ani DiFranco kopieren wollte - und habe mich auch gefragt, ob ich überhaupt Songs schreiben sollte, wo diese Frau doch schon so viele gute Songs geschrieben hatte. Ich wusste aber immer schon, dass ich mal Songs schreiben wollte, fing dann damals, mit 20, damit an." Ist Ani DiFranco auch ein Vorbild in Bezug auf die Do-It-Yourself-Mentalität der Alin Coen Band? "In gewisser Weise ja - es hat sich aber auch einfach so ergeben. Keines der größeren Labels hatte Interesse an unseren Songs und da dachten wir uns, dass das, was die kleinen können, wir auch selbst könnten. Die Hauptsache ist ja ein guter Vertrieb und die Werbung - und da hilft ja heute auch das Internet. Ich habe von den Fans z.B. erfahren, dass uns viele über YouTube entdeckt haben."

Was hat sich für die Songwriterin Alin Coen im Laufe der Zeit geändert? "Die neuen Songs habe ich - anders als die bisherigen - nicht alleine geschrieben, sondern mit meinen Musikern. Und dieser Prozess gefällt mir und ich habe auch gar keine Lust mehr, Songs ganz alleine zu schreiben." Was ist dabei die größte Herausforderung? "Das sind eher technische Dinge, wie die Disziplin, die es braucht, um einen Text fertig zu bearbeiten oder sein Instrument besser zu beherrschen. Belohnt wird man dafür durch den Moment, wenn etwas funktioniert oder wenn etwas fertig wird. Das ist ein unglaubliches Gefühl." Der kreative Prozess also? "Ja, das ist das eigentlich Befriedigende." Was ist denn bei Live-Auftritten das Wichtigste? "Die sind immer unterschiedlich - abhängig von der Situation vor Ort. Ein guter Sound ist wichtig - deswegen werden wir wohl demnächst mit einem eigenen Soundmann reisen, weil man da ansonsten abhängig ist von den Leuten vor Ort. Bei den Live-Auftritten achten wir darauf, dass die Stücke immer anders klingen - dabei ist man natürlich abhängig von dem Publikum. Aber wenn dieses mitgeht und alles klappt, dann ist das schon ein tolles Gefühl. Wir probieren hier auch neue Sachen aus - so haben wir jetzt zum ersten Mal ein Keyboard dabei, das wir vorher noch nicht hatten." Und wie geht es weiter mit der Alin Coen Band? "Also im Grunde genommen müssten wir uns ja eigentlich bis April nächsten Jahres mit unserem Album beschäftigen. Wir sind aber doch so ungeduldig, dass wir schon eifrig an neuem Material arbeiten." Und davon scheint es keinen Mangel zu geben: Für die Zukunft der Alin Coen Band ist also bereits gesorgt.

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Surfempfehlung:
www.alincoen.com
www.myspace.com/alincoen
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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