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You never know when you might run into a great gig

Roepaen Festival

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
10.10.2010

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Thus:Owls
Die fünfte Auflage des Roepaen Festivals präsentierte sich in einer entschlackten Form: Der bislang übliche dritte Auftrittsort wurde gestrichen, um den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, alle Acts, die wechselseitig in der Kapelle und im Nightclub auftraten, zu sehen. Soweit die Theorie: Der unerwartete Ansturm auf die Tickets machte es dann doch wieder notwendig, die Sache zu entschärfen - denn alle Fans finden im Nightclub bei ausverkauftem Haus schlicht keinen Platz. Ergo baten die Veranstalter einige Acts, während der Nightclub-Shows im ehemaligen Raucherraum akustische Zusatzkonzerte zu geben. Insgesamt funktionierte das Schema ganz gut - verhinderte aber nicht, dass zu den jeweiligen Wechseln zwischen den Acts unschöne Wanderbewegungen einsetzten, die insbesondere die akustischen Acts (die ja den Löwenanteil dieses auf Americana-Songwriter spezialisierten Festivals ausmachen) gestört haben dürften.
Sei es drum: Den Anfang machte Rachel Harrington, die der Conferencier als "Western-Girl" bezeichnete. Dieser Begriff ist nicht ganz unpassend gewählt, denn die Songwriterin aus Oregon, im amerikanischen Heartland, die bereits ein Mal in Roepaen zu Gast war, spielt jene Art von traditionellen Folk-Songs, wie sie eben typisch für den Mittelwesten sind und ergo mit der eher östlich gelagerten Country-Seligkeit nicht so viel am Hut haben. Das war dann überraschungsfrei aber von durchaus unterhaltsamer Qualität.

Dass der nächste Act, Okieson, aus Holland stammt, konnte man nur anhand der Ansagen von Bandleader Sebastiaan van Bijlevelt erkennen. Ansonsten gibt's hier Americana pur. Dass die Band, die an diesem Abend mit kleinen technischen Schwierigkeiten zum ersten Mal in der aktuellen Besetzung auftrat, Support für Woven Hand spielt, macht Sinn, da Sebastian ähnlich inbrünstelt wie David Eugene Edwards - wenngleich musikalisch wesentlich weiter westlich gelagert.

In der Kapelle trat als nächstes Peter Broderick auf. Der junge Mann, der auch aus Oregon kommt, hat ganz anderes im Sinn als Rachel Harrington. Er ist ein Soundmaler, der mit so wenig Instrumenten auskommt, dass er davon sogar singt. Hauptsächlich mit seiner Stimme und jeweils einem Zusatzinstrument (Piano, Gitarre, Säge und Geige), die er zuweilen mittels eines Samplers orchestral verdichtete, schaffte er magisch / atmosphärische Klangwolken, die geradezu zum Zuhören zwangen und sehr viel besser zu dem sakralen Ort passte, als die halbkomischen Sprüche, die viele seiner Kollegen (mehr aus Verlegenheit) in ihre Ansagen einfließen lassen. Das war ein erster Höhepunkt des Festivals.

Im Nightclub spielten als nächstes Headwater aus Kanada. Die Jungs traten mit der typischen Bluegrass-Besetzung auf - Bass, Banjo, Mandoline und Gitarre - verwirrten aber bereits dadurch, dass die Gitarre eine Weißendorn-Slide-Gitarre darstellte (so eine spielt Ben Harper) und dann im Prinzip gar kein Bluegrass gespielt wurde - sondern Songs zwischen Folk und Roots-Rock, die halt eben nur akustisch dargeboten wurden. Headwater entpuppten sich als echte Frohnaturen, die ihren Hoedown später als Band von Matt Harlan bei dessen Akustik-Auftritt im Raucherzimmer dermaßen steigerten, dass der ganze Gang vom gemeinsamen Stampfen und Klatschen der Band und des Publikums widerhallte.

Vor der Pause zur Halbzeit spielte besagter Matt Harlan sein reguläres Set in der Kapelle. Matt ist ein junger, aufstrebender Songwriter aus Texas, der sich der gepflegten Vertonung des Männerschmerzes am eigenen Beispiel verschrieben hat. Zum Glück hat er dabei seinen Humor noch nicht verloren, was die ganze Sache dann auch recht unterhaltsam und kurzweilig erscheinen ließ. Das lag nicht zuletzt an Harlans beeindruckend virtuosem Gitarrenspiel: Der Mann spielte Rhythmus und Melodie gleichzeitig - und deutlich voneinander abgesetzt, so dass er zuweilen wie drei seiner Art klang.

Nach der Pause setzte Otis Gibb unterhaltungstechnisch noch eins drauf. Der weltenbummelnde Protest-Schrat ist im Prinzip der Vertreter einer Zunft, die im Zeitalter von Internet und iPhone ausgestorben zu sein schien: Die des musikalischen Wanderpredigers und Mahners. Vermischt mit Anekdötchen aus seinem ereignisreichen Leben ergibt das genau die Mischung, die man sich als Zuhörer für einen akustischen Solo-Act wünscht. Da ließ er einerseits das Publikum bei seinen Protestsongs mitsingen, brachte andererseits auch nachdenkliche Songs über verstorbene Freunde an den Mann, erzählte von seiner Kindheit im Redneck-Milieu und veranschaulichte das mit musikalischen Beispielen. Von ihm stammt übrigens auch der Titel dieser Story. Denn auch als Zuschauer weiß man schließlich nie, wann man einen tollen Gig zu sehen bekommt. Das war so einer.

Im Nightclub gaben danach Thus:Owls aus Schweden ihr Roepaen-Debüt. Die Band war auf Empfehlung der Kollegen von The Tiny aus dem Umfeld von Anna Ternheim auf den Spielort aufmerksam geworden und waren schwer begeistert. Das Publikum gegebenenfalls auch. Dann jedenfalls, wenn man nicht darauf pochte, durchgängig mit Americana totgeknüppelt zu werden. Was Thus:Owls eigentlich machen, konnte auch Frontfrau Erika Alexandersson (auch bei Loney Dear tätig) nicht so recht beschreiben. Es hatte irgendwie mit der Natur zu tun, mit dem Verbiegen von Sounds (der Domäne von Gitarrist (und Erikas Mann) Simon Angell, der mit einer ganzen Spielzeugsammlung über sein Instrument herfiel), mit ungewöhnlichen Halbmelodien und einer allgemein psychedelisch abgehobenen Gesamtgemengelage. Das war zwar ungewohnt aber auch sehr schön - auch anzuschauen, übrigens.

Die nach einem Film der Marx Brothers benannten Horse Feathers erfreuten dann in der Kapelle mit einer Art von Barock-Americana. Je nach Betrachtung gab es zwei Streicher (dabei Peter Brodericks Schwester Heather am Cello), einen Sänger und einen Drummer mit Identitätskrise, denn dieser spielte mehr Banjo und Geige als dass er trommelte. Auch die Horse Feathers kommen aus Oregon - und brachten eine weitere mögliche Americana-Facette mit ihren ruhigen, melodiösen Balladen ins Spiel. Das war alles sehr schön anzuhören - nur so dunkel, dass man die Protagonisten kaum ausmachen konnte. Bereits im letzten Drittel der Show wanderte ein Großteil des Publikums ab, um den heimlichen Headliner des Festivals, Eileen Jewell und Band, auch bloß nicht zu verpassen.

Die quirlige kleine Dame aus Texas hat mit "Sea Of Tears" soeben ein Tribut an Loretta Lynn vorgelegt. Das erklärte auch die von der Grande Dame des Country-Dramas signierte Gitarre, die Eileen spielte. Naturgemäß gab es in diesem Setting jede Menge Mörder-Balladen und ähnlich tragische Short-Stories zu hören. Musikalisch klingt das Ganze - nicht zuletzt aufgrund der stramm marschierenden Band - wie Tex-Mex-Wüstenrock für Frauen. Oder von Frauen. Ist ja auch egal, so lange das so unterhaltsam präsentiert wurde wie hier. Fazit: Das war das bislang geradlinigste, schlüssigste Line-Up des Roepaen-Festivals. Punkt.

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Surfempfehlung:
www.cultureelpodium.nl
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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