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Konzert-Bericht
 
Traurig und trauriger

Kat Frankie
Beeline

Köln, Kulturkirche
21.10.2010

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Kat Frankie
Zunächst sah die Sache gar nicht gut aus - denn zum Einlass fand sich gerade mal eine handvoll Fans vor dem Portal der Kölner Kulturkirche, um für das Konzert von Kat Frankie Einlass zu begehren. Es waren dann wohl zunächst die Anhänger der Kölner Support-Band Beeline, die die Reihen mit den Kirchenbänken füllten (bevor im Nachhinein dann doch noch eine Menge Frankie-Fans nachrückten, bis die Kirche am Ende dann doch ganz gut gefüllt war). Einer der Zwecke von Support-Band - aus Sicht des Veranstalters - kann ja auch der sein, durch das Mitbringen eigener Unterstützer den Veranstaltungsort zu befüllen. Das lösten Beeline mustergültig.
Unter anderem, indem sie das fünfköpfige Line-Up noch mit drei Streicherinnen ergänzten, die dann ihrerseits wohl auch Freunde und Familie angeschleppt hatten. Beeline muss man sich vorstellen wie eine Art Get Well Soon-Projekt mit zwei musikalischen Köpfen - jedenfalls singen die Herren Benji und Flo beide. Beeline bieten eine Kunst-Prog-Pop-Variante mit vielen Zutaten. So spielen die Jungs neben der üblichen Band-Besetzung auf Trompete, Glockenspiel, Synthie, Orgel, Vibraphone und Percussion herum - und das neben den Streichern. Und mit großer Geste und viel Pathos. Wirkungsvoll ist das alles schon, was da - recht komplex und mit vielen anspruchsvollen Haken und Ösen - zusammengeschraubt wird. Es fehlt der Band bisher allerdings jenes Quäntchen Größenwahnsinn und Vision, das Konstantin Gropper & Co. auszeichnet. So mussten die Zuschauer bis zum letzten Stück warten, bevor es eine erkennbare Melodie gab. Warum? Die Songs hätten nichts verloren, wenn da mal der eine oder andere Refrain eingeschoben worden wäre. Wahrscheinlich wurden die Komponisten hier von den (unbegründeten) Bedenken gebremst, durch zu viel Pop dem eigenen Anspruch nicht gerecht werden zu können. Dargeboten wurde das übrigens alles beeindruckend punktgenau (auch klangtechnisch, was in der Kulturkirche aufgrund der baulichen Gegebenheiten ja nicht ganz einfach ist). Kat Frankie, die ja sicherlich auch selbst eine Freundin kontrollierten musikalischen Anspruchsdenkens ist, gefiel diese Melange offensichtlich, denn sie erbat für den Auftritt von Beeline einen Extra-Applaus im eigenen Set - was ja auch nicht allgemein üblich ist.
Kat Frankie, die in Berlin lebende australische Songwriterin, trat in Köln mit Band auf. Das ist insofern etwas Besonderes, als dass Kat in Berlin und auch auf ihren Scheiben eher als Solo-Künstlerin gesehen wird. Musikalisch hat die Sache insofern Vorteile, als dass die Songs so in einem etwas - sagen wir mal weniger unbequemen bzw. spröden - Umfeld dargeboten wurden, als etwa auf Kats aktueller CD "The Dance Of A Strangers Heart". Das meint: Kat greift live öfter zur akustischen als zur elektrischen Gitarre und die Nummern, die als Band-Songs konzipiert sind - sei es der swingende Opener "The Saint" oder polternder Prog-Rock vom Schlage "The Wild One" oder "San Antonio" kommen im vollen Outfit sehr viel druckvoller bzw. ausformulierter zur Geltung als auf den eher spartanisch inszenierten Konserven-Nummern. Musikalisch ist Kat Frankie nicht ganz einfach zu greifen. Auch bei den Solo-Nummern gibt es nie bloße Folk-Songs. Vielmehr driften ihre Melodien jeweils entlang ungewöhnlicher Pfade und eher aufgelöster Songstrukturen vor sich hin und musikalisch entscheidet sich Kat nie für einen bestimmten Stil, sondern hantiert mit allen möglichen Genres, die sie jedoch immer wieder neu kombiniert - zuweilen auch innerhalb eines einzigen Songs. Nur so viel: Mit Americana, dem Genre, dem sich die meisten ihrer Artgenossen identifizieren, hat Kat nicht viel am Hut. Auch nicht mit klassischem Storytelling.

Ein Thema hatte der Abend aber dennoch: Es gab traurige und traurigere Songs. Eine Freundin, so erzählte Kat (auf Deutsch) bei einer ihrer wenigen Ansagen, habe sie gebeten, doch mal ein fröhlicheres Lied zu schreiben. Heraus kam dabei ein Song namens "Happy" - der zweifelsohne zu ihren traurigsten überhaupt zählt. Neben trodtraurigen Balladen gibt es ansonsten noch wüste Break-Up-Songs - ansonsten fühlt sich Kat mit ihrer melancholischen Grundnote recht wohl. Und im Grunde genommen sind Kats Songs ja auch gar nicht taurig - es sind halt bloß keine Dur-Nummern. Höhepunkte kamen an diesem Abend übrigens von eher unerwarteter Seite: Zwar brachte Kat keine Blasinstrumente mit, wie sie auf der neuen CD zuweilen vertreten sind, sie zwang jedoch ihren Gitarristen und den Bassisten dazu, Blockflöte zu spielen - was natürlich zu großer Erheiterung führte, denn wohl fühlten sich die Herren dabei nicht und lavierten gar am Rande der Arbeitsverweigerung dahin. Das andere Highlight war zweifelsohne Kats kurzes, aber effektives Experiment mit dem Sampler bei der A-Cappella-Nummer "Born Clever" - einfach weil sie hier bessere Eingebungen in puncto Melodieführung und Stimmschichtung hatte, als bei der Version auf der Scheibe. Insgesamt war dieses Konzert eine gegenüber der Konserve sehr abwechslungsreiche und lebendige Angelegenheit, bei der sich Kat Frankie als eine der eigenwilligeren, wandlungsfähigeren und einfallsreicheren Songwriterinnen unserer Tage empfahl.

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Surfempfehlung:
www.katfrankie.com
www.myspace.com/soundslikekatfrankie
www.myspace.com/beelineband
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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