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Rich Hopkins And The Luminarios
The Blindside Blues Band

Bonn, Harmonie
22.10.2010

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Rich Hopkins And The Luminarios
Blues geht ja in der Bonner Harmonie immer. Es gibt dort regelmäßig Blues-Konzerte, die auch stets gut besucht sind, so dass man da fast schon von einer eigenen Szene sprechen kann. Insofern macht es auch Sinn, Blues-Bands in die Rockpalast Crossroads Aufzeichnungen einzubeziehen. Für alle Nicht-Blueser ist das dann natürlich eine Nagelprobe. Denn das, was etwa das Quartett um Mike Onesko da erstmalig in Deutschland präsentierte, war nun nicht eben eine Neudefinition der Fortbewegung mit runden Gegenständen.
Zwar hatte sich Mike gefreut wie ein Kind, als er die Bestätigung des Auftrittes von der Rockpalast-Redaktion bekommen habe (so erzählte Conferencier Rembert Stiewe im Vorfeld) - und zwar, weil alle seine Idole vorher auch schon beim Rockpalast gespielt haben - ABER: Mike und seine Kumpels spielte dann im Folgenden auch genau so wie diese. Da gab es nichts Originäres - keine eigenen Ideen, sondern ein sauber ausformuliertes Blues-Rock-Schema nach dem anderen - anderthalb Stunden endloser Soli und Riffs, die einem indes vorkamen wie anderthalb Wochen. So grotesk es klingen mag: Aber hätten die Jungs auch nur eine Cover-Version gespielt, wäre das alles viel interessanter und spannender geworden. Lediglich dem Umstand, dass The Blind Side Blues Band tatsächlich ganz gut rocken können, war es zu verdanken, dass die Sache in der ersten Viertelstunde erträglich und mäßig unterhaltsam rüberkam.
Nun ist Rich Hopkins ja nun wahrlich auch niemand, der alles neu machen möchte - er wehrt sich aber andererseits auch nicht gegen musikalische Ideen. So gefiel seine neue Scheibe, "El Otro Lado" durch Tex-Mex-Einflüsse inklusive eines Trompeters und Gesang auf Spanisch. Auch interessiert sich der Meister schließlich aufgrund seines sozialen Engagements tatsächlich für die besungene "andere Seite" - in dem Fall geht es natürlich um die Wetback-Problematik an der Grenze zwischen den USA und Mexico. Und Rich ist auch ein so alter Hase, dass er genau weiß, wo er als solcher langlaufen muss: Seine Soli kennt er ja selbst auch zur Genüge und insofern ist es folgerichtig, dass er auf jeder Tour neben seinem langjährigen Sidekick, Bassist Ken Andre und einem seiner Hausdrummer (heuer George Duron), immer wieder auch neue Gitarristen mitbringt. In dem Fall war es John Sanchez, ein Mensch mit Käppi und Vorliebe für spacige Effekte, der nebenher auch noch Keyboard spielte.

Dennoch bekam man natürlich gewohnte Rich-Kost serviert. Rich selbst brachte das auf den Punkt, als er während des Konzertes fragte, wie viel Zeit er denn noch habe. Als ihm der WDR bedeutete, dass es noch 40 Minuten seien, meinte er: "Gut, dann können wir ja noch ein Stück spielen." Er schlug dann noch "Close To The Edge" von Yes vor, das ja schon auf der LP über die ganze Plattenseite ging. Das war natürlich ein Spaß - aber man weiß ja, worauf man sich bei Rich einlässt. Und so gab es dann auch kaum eine Nummer, die unter fünf Minuten durch ging. Auch nicht, wenn er mal eine "Country Nummer" einstreute, seiner Lebenspartnerin Lisa Nowak das Mikro überließ oder einen kleinen Rausschmeißer anstimmte. Trotzdem war das vom Unterhaltungsfaktor eine ganz andere Nummer als das vorangehende TBBB-Konzert. Denn Rich hat immer noch so viel Spaß beim Spielen, dass sich das unweigerlich auf das Publikum überträgt. Und dann noch was: Rich Hopkins ist immer so gut, wie Ken Andre sich fühlt - und der war an diesem Tag besonders gut drauf (auch wenn er sein Gesicht die ganze Zeit unter einer mordsmäßigen Hutkrempe verbarg). Und so gab's dann mächtig was in den Bauch, was die Bass-Seite betraf. Dennoch gab es natürlich klassischen Rich-Rock zu hören. "El Paso" ist "El Paso" ist "El Paso"...

Das neue Material machte sich in diesem Umfeld aber gar nicht so schlecht. So erfreut der Titeltrack "El Otro Lado" durch eine erfreulich aufrechte Grunge-Note - wie Rich überhaupt immer dann am besten ist, wenn er etwas schnoddriger spielt und Neil Young zu Hause lässt. Gerade letzteres war bei diesem Konzert der Fall, so dass immer wieder gespielte Rich Gassen-Hauer wie z.B. "Dirt Town" mit genügend Schmackes gespielt wurden, ohne in die mögliche Eintönigkeit des Genres zu versinken. Insgesamt sahen wir an diesem Tag einen gut gelaunten Rich, der mit einer Portion Selbstironie sein musikalisches Schicksal akzeptiert hatte. Der Mann ist immer noch mit sich im Reinen. So muss das sein!

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/richhopkinsandtheluminarios
www.richhopkins-germanfanclub.de
www.myspace.com/blindsidebluesband
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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