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Vom Trinken und Singen

French Kiss Tour
Elodie Frégé/ Katel/ Constance Amiot

Köln, Studio 672
05.11.2010

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Elodie Frégé
In seiner zweiten Auflage wartete die French Kiss Tour - als kleine Schwester des Francophonic-Festival - im gemütlich eingerichteten Studio 672 neben dem Kölner Stadtgarten mit einer beeindruckenden Riege französischer Songwriterinnen auf, die jede für sich für eine eigene Spielart des jungen Chanson stehen.
Constance Amiot präsentierte ihre Folkpopsongs akustisch solo und überzeugte dabei mit souveräner Zweisprachigkeit. Die Songs ihres Debüt-Albums "Fairytales" und der kommenden CD "Once Twice", von der einige Nummern als Showcase dargeboten wurden, sind zu 50% auf Englisch und zu 50% auf Französisch gehalten. Ähnlich wie Carla Bruni - deren Timbre Constance insbesondere bei den balladeskeren Stücken nahe kommt - gelingt es ihr dabei, den klassischen, französischen Akzent weitestgehend vor der Tür zu lassen. Dass sich die Stücke selbst dann musikalisch auch eher an Americana-Tugenden als am klassischen, französischen Chanson orientieren, versteht sich da fast schon von selbst. Constance gehört dabei zu jenen Songwriterinnen, die aus dem eigenen Erleben schöpfen und sich auch selbst ein Mal auf die Schüppe nehmen können - was sich dann auch auf sympathische Art beim Live-Vortrag niederschlägt.

Ein anderes Kaliber ist Katel (ohne Nachnamen). Katel ging wohl durch die Schule eines gewissen Yann Tiersen und ist daher prinzipiell (Art)-rockigeren Tönen gegenüber nicht unaufgeschlossen. Auf ihren CDs "Raides à la ville" und "Decorum" geht es daher gerne auch schon ein Mal lauter zu. Daher überraschte es zunächst, dass auch sie alleine mit einer akustischen Gitarre auftrat. Nun, laut wurde es auch so. Katel attackiert ihr Instrument eher als dass sie es spielt und lässt auch beim expressiven Gesangs-Vortrag alle Hemmungen fallen. Sie legt auch weniger Wert auf Gefälligkeit, denn auf Nachdruck, lässt auch Politisches in ihre Themenwelten einfließen und orientiert sich beim Songaufbau weniger an gängigen Pop-Konventionen (geschweige denn am Chanson), sondern lässt ihre Stücke gerne auch mal episch ausarten. Katel tut sich schwerer mit der Zweisprachigkeit (auch wenn ihre Nummern zuweilen englische Titel haben, wie z.B. "One Day"), spielte aber trotzdem die Björk-Coverversion "Human Behaviour", das sich auch auf "Raides" findet und zu den Höhepunkten des Sets gehörte - zum einen, weil man nicht unbedingt damit gerechnet hätte und zum anderen, weil es musikalisch recht eigenständig geriet. Dazu trank Katel ein Glas Whisky, das sie als Tee ausgab - was später noch von Bedeutung sein sollte.

Elodie Frégé hatte als einzige der Damen bereits eine dritte CD "La fille de l'après-midi" vorzuweisen und trat vielleicht deshalb zusammen mit ihrem Bassisten Benjaimn Tesquet als "Headlinerin" auf. Zugegeben: Sie hat mit "La Ceinture" auch schon einen Hit unter dem Gürtel ("Ceintüre" heißt "Gürtel") und außerdem perfekte Zähne. Das muss ja auch mal gesagt werden! Ihre letzte CD, "Le jeu de 7 erreurs", produzierte Benjamin Biolay, was für sie gleichermaßen Segen wie Fluch war: Segen wegen des Hits und der Popularität Biolays, mittels derer sie in Frankreich selbst zum Star wurde und Fluch deswegen, weil Biolay sie gesanglich auf dieser CD gnadenlos auf sein eigenes, bescheidenes Mindestmaß runterzog. Davon ist auf "La fille" zum Glück nichts mehr zu spüren und so stammten die meisten der gespielten Chansons von dieser brandneuen CD. Ehrlich gesagt, sind auch die neuen Stücke besser: Es geht um federleichten, jazzigen Franko-Akustik-Pop mit komplexen Melodien und Strukturen. Natürlich gab es bei diesem kurzen Set keine Streicher, wie auf den CDs, doch Elodie ließ sich von ihrem Partner, Benjaimn Tesquet (der das neue Album auch produzierte und der selber mit sang), multiinstrumental begleiten - und war sich nicht zu schade, bei dem Gainsbourg-Cover "Ennui mortelle" selbst eine Blaskapelle zu mimen. Überhaupt nahm auch Elodie sich nicht ganz ernst und erzählte viel von ihren Schwächen und den Unbilden, die ihr wiederfahren und die sie auch gern in ihren Songs verpackt - bis hin zum soliden Trinklied "Boire ou bien se counduire". Was man übrigens nicht immer vermutet, denn melancholisch oder schwermütig ist das alles nicht. Dass Elodie als Siegerin von "Star Academy" - einer französischen Casting-Show - begann, vergaß man an diesem Abend übrigens gerne. Als Elodie die beiden anderen Musikantinnen zum Abschluss noch mal auf die Bühne holte, damit man sich gemeinsam verbeugen konnte, gab es noch eine unbeabsichtigte Whisky-Dusche von Katel, die dann wieder zum inoffiziellen Thema des Abends, dem Trinken, überleitete.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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