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Konzert-Bericht
 
Verrenkte Glissandi

Emily Jane White
Girls, Guns And Glory

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
12.12.2010

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Emily Jane White
"Wir sind gerade aus Hannover gekommen, wo wir gestern Abend sehr spät aufgetreten sind. Für uns ist es jetzt gerade morgens", erklärte Emily Jane White anlässlich des nachmittags stattfindenden Konzertes im Nightclub des Landgutes Roepaen in Ottersum. Dieser hausgemachte Jetlag war wohl etwas zuviel für sie und Cellistin Jen Grady - und so brachten beide einen Gutteil der Show damit zu, sich zu recken und zu strecken. "Ich habe im Auto total verrenkt geschlafen", führte Emily noch aus, "und wenn man den ganzen Tag Gitarre spielt, so wie ich, dann ist die Schulter besonders empfindlich für so etwas." Nun, zum Glück wirkte sich dieses orthopädische Problem nicht auf den Vortrag aus - obwohl der, was die Motorik betraf, durchaus so einiges forderte.
Emily, die bei uns zwar durch ihre letzten beiden CDs "Victorian America" und "Ode To Sentience" bekannt geworden ist, aber dennoch nur selten in unseren Landen gastiert, hat sich nämlich für die Live-Performance einen deutlich von den CD-Arrangements abweichenden Stil zurecht gelegt. Während Cellistin Jen Grady die Streicherarrangements der CDs verdichtete und die Melodielinien Emilys kongenial umspielte und so quasi kommentierte, spielte Emily ultraschnelle Glissandi auf der Gitarre und auch auf dem Piano, die quasi ein dichtes Netz für die mit viel Hall versehenen Vocals erzeugten. Besonders das Gitarrenspiel erinnerte dabei durchaus an die Virtuosität eines Elliott Smith, der die Gabe hatte, seine hochmelodischen Songs auf diese Weise auch solo stets interessant und überraschend darzubieten. Beides - also Glissandi und Pianospiel - finden auf den Scheiben nur am Rande statt, was dazu führte, dass das Live-Soundbild ganz anders - und vor allen Dingen geschlossener - rüberkam, als das auf den Konserven. Und im Prinzip wurden dadurch Emilys Songs auch verständlicher und zugänglicher. Weniger ist hier tatsächlich mal mehr. Und Emily kam damit auch besser zu Recht als mit "konventionellem" Gitarrenspiel, wie z.B. die etwas hakelige Version des "Victorian America"-Tracks zeigte. Während es in Emilys Texten oft um Tod und Verderben geht - sei es in metaphorischer Hinsicht, wie etwa bei "The Cliff" oder in wörtlicher, wie bei "Laid To Rest", ist ihre Musik selbst nie depressiv oder morbide. Das liegt zum einen am vollkommenen Fehlen jedweder aggressiver oder energischer Elemente wie natürlich auch am sanftmütigen Gesangsvortrag, der punktuell durch den Harmoniegesang von Jen Grady akzentuiert wurde. Der Veranstalter, Chris Tangelder, brachte es bei seiner Ansage auf den Punkt, indem er um einen Applaus für Emilys "warme Musik" bat. Obwohl Emily Jane White im Prinzip gar nichts Besonderes machte, war dies in puncto Melodie, Tiefgang und letztlich auch Abwechslung eines der denkbar kurzweiligsten Akustik-(fast)Solo-Konzerte überhaupt. Der Eindruck, den Emily auf diese Weise hinterließ, hätte durch keine Band der Welt verstärkt werden können. Hier fehlte nicht nur nichts, sondern hier hätten weitere Zutaten sogar eher gestört.
Von einem ganz anderen Kaliber war der zweite Act des Tages, Girls Guns And Glory. Diese Band hatte sich das Programm nicht nur dem Namen nach auf die Fahnen geschrieben. In der Tradition der großen des Genres gab es soliden Country-Twang mit Honky Tonk-Drive. Dabei schossen die Jungs allerdings zuweilen über das Ziel hinaus. Zwar wurde kein Klischee ausgelassen, das diese Art von Americana-Schweine-Rock eigentlich benötigt. Aber auch keines in Ruhe gelassen. So jodelte der Sänger Ward Haden zuweilen regelrecht und der Gitarrist Chris Hersh wusste auch nicht so recht, wie man ein Solo rechtzeitig beendet. Sowohl bei eigenen Elaboraten, wie auch Coverversionen, wie dem Folsom Prison Blues etwa. Das war - wie gesagt - alles recht solide, passte aber so gar nicht zu dem, was es vorher zu hören gab. Bands wie diese spielen in Texas (das den Jungs auch was die Lyrics betrat sehr am Herzen lag) in jeder Country-Bar und es gab absolut nichts, was Girls Guns And Glory von solchen Tanzkapellen unterschieden hätte - und das, obwohl sie aus Boston stammen. Nun ja: Wer so etwas mag, der wurde gut bedient. Für eine bestuhlte Angelegenheit war das aber nicht unbedingt die richtige Wahl.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/emilyjanewhite
www.emilyjanewhite.com
www.girlsgunsandglory.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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