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Konzert-Bericht
 
Valentinstag für Tiere

Ben Weaver
Dolorean

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
13.02.2011

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Ben Weaver
Dass Americana-Musik bei unseren holländischen Nachbarn ein höheres Standing hat als bei uns, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Dass der Nightclub im Landgut Roepaen aber bis auf den letzten Platz gefüllt war, war angesichts dessen, dass die beiden Acts Ben Weaver und Dolorean kaum unterschiedlicher hätten sein können, dann doch noch überraschend - auch wenn Weaver sich als Roepaen-Veteran präsentierte.
Ben Weaver hätten zu Beginn seiner Karriere alle Möglichkeiten offengestanden, sich im Americana-Genre in einer bestimmten Nische bequem einzurichten. Stattdessen entschied er sich dazu, jede Veröffentlichung aus einer anderen Perspektive anzugehen und ist mit seinem letzten Album "Mirepoix And Smoke" momentan beim orthodoxen Folksong angekommen. Ergo wunderte es dann nicht, dass er auf der aktuellen Tour alleine mit Gitarre und Banjo auftrat (wobei er letzteres betont zurückhaltend bediente). Im Gegensatz zu der CD verzichtete er auch auf eine zweite Stimme (wobei man wissen muss, dass Weaver sich sowieso gegen Harmonie-Gesang sträubt). Sagen wir mal so: Man hätte Erica Froman, die die Vocals auf der Scheibe beisteuerte, zwar gerne dabei gehabt - vermisste sie am Ende dann aber doch nicht wirklich. Dass seine neuen (und alten Songs) in diesem Setting zwar beeindruckend anrührend aber auch mächtig depressiv rüberkamen, hatte dabei mehrere Gründe: Im Privatleben ist Weaver nach einer unangenehmen Trennungs-Geschichte und einer Phase, in der er sich als Suppengrün-Koch durchschlug (Mirepoix ist eine Art von Suppengrün), momentan ziemlich desolat dran. "Das ist das letzte Konzert meiner Tour", erklärte er zu diesem Thema, "und morgen, am Valentinstag, muss ich nach Hause zurück. Ist schon ein blöder Tag, dieser Valentinstag!" Zumindest dann, wenn man sich emotional da befindet, wo sich Ben Weaver zur Zeit befindet.

Nun gehört aber Weaver zu einer der wenigen Berufsgruppen, denen solche privaten Katastrophen nützlich sein können: Das Material seines neuen Werkes ist dermaßen verdichtet und intensiv, dass da wirklich nichts fehlt - auch wenn, wie hier, außer der Stimme und dem einen Saiteninstrument nichts da war. Wie sich Weaver da von Song zu Song mehr in die Dunkelheit sang, drängten sich zunehmend Vergleiche mit einem Vorreiter des Genres auf, die Weaver dann am Ende der Show bestätigte: "Ich spiele nun einen Song von einem Mann, der viel Ärger verursacht hat und dafür verantwortlich ist, dass ich heute hier stehe - und vermutlich auch dafür verantwortlich sein wird, wenn mal ich nicht mehr hier stehe." Sprachs und spielte "Highway Kind" von Townes Van Zandt - und zwar in genau derselben desolaten Grundhaltung wie der Meister selber es auch getan hätte. Nun, die Parallelen sind aber auch allzu deutlich. Dass die Sache trotz dieser ganzen düsteren Noten nicht langweilig wurde, lag schlicht an der Qualität der Songs und natürlich der Art, wie Weaver diese vortrug: Mit stets geschlossenen Augen jeden Moment durchlebend und mit einer geradezu sanftmütigen Stimme, die in krassem Widerspruch zu den morbiden Texten stand und nur bei den wenigen (übriggebliebenen) Liebesliedern wirklich zu passen schien. Und dann gab es noch kleine Anekdoten dazwischen - wie z.B. jene von Bens Indonesien-Reise, auf der er im Buch eines japanischen Reisbauern den Satz gelesen hatte, dass Tiere ihren Lebensunterhalt durch leben verdienten, während der Mensch den seinen durch arbeiten bestreite - weswegen er, Weaver, lieber ein Tier wäre. Insgesamt war dies ein Vortrag, der jetzt nicht gerade unterhaltsam rüberkam (einfach weil man sich mit der Grundstimmung auseinandersetzen musste), den man aber andererseits aufgrund seiner Intensität nicht hätte missen möchten.

Dolorean aus Portland, Oregon, haben es - genau wie der Mann aus Minnesota - nicht so mit Liebesliedern, wie Frontmann und Songwriter Al James nicht müde wurde zu betonen. Die gelegentliche Backing Band von Damien Jurado spielte in Roepaen in einer leicht veränderten Line-Up, was sich aber nicht auf die Performance auswirkte, denn diese wird gemeinhin von Al James bestimmt, der z.B. ansagt, wann zu akustischen und wann zu elektrischen Gitarren gegriffen werden soll. Oregon, so meinte James zu Beginn, sei Holland sehr ähnlich - nur dass es in Oregon riesige Berge gäbe. Rein emotional könne man sich aber sehr gut in Holland hereinversetzen und fühle sich demenstprechend zu Hause. Vielleicht spielte die Band deswegen so, als sei man unter alten Freunden. Musikalisch orientieren sich Dolorean nicht, wie man erwarten könnte, an der Indie-Szene von Portland, sondern haben ein Faible für Westcoast-Sounds und intelligentem Songwriting mit ungewöhnlichen Harmoniefolgen, die durch die unkonventionelle Rhythmus-Arbeit noch verstärkt werden. Es gab hier zwar keine richtige Rockmusik, aber anders als Ben Weaver machten Dolorean auch mal Druck. Im Allgemeinen bewegt sich die Band aber im gepflegten, halbakustischen Mittelfeld - wobei der neue Song "Country Clutter" eine Art Blaupause darstellt. Im Zentrum standen natürlich die Songs des neuen Albums "Unfazed", mit dem sie nach einer dreijährigen Auszeit musikalisch dann aber doch nahtlos an das Vorgänger-Werk "You Can't Win" anschlossen - doch haben sich Dolorean im Laufe der Zeit eine ganz eigene Soundästhetik erarbeitet, so dass altes und neues Material gut zusammen passte. Der Name des ersten Dolorean Werkes "Not Exotic" ist dabei aber dennoch Programm: Dolorean kommen nicht als große Erneuerer daher, sondern als Musiker, die in ihrer Musik und ihren Geschichten aufgehen - so auch hier. Das Set war geschickt aufgebaut: Mit einem Solo-Teil für Al James, einer "depressiven Phase", rockigeren Passagen bei der auch mal gejammt wurde (etwa beim "Unfazed"-Titeltrack) und schließlich, bei einem Track, durfte Ben Weaver, der sich mit den Jungs auf der Tour angefreundet hat, auch die Lead-Vocals übernehmen - weil er ja keinen Harmonie-Gesang kann.

Insgesamt war dies ein schöner Konzertabend - auch wenn er am Nachmittag stattfand. Denn auch wenn sich Ben Weaver und Dolorean musikalisch unterscheiden, stimmten doch im Allgemeinen die Vibes - was wichtig ist.

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Surfempfehlung:
www.benweaver.net
www.myspace.com/benweavermusic
www.myspace.com/doloreanmusic
www.doloreanmusic.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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