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Konzert-Bericht
 
Bloß keine Hektik

Azure Ray
James Husband/ Sir Simon Battle

Köln, Gebäude 9
16.02.2011

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Azure Ray
Natürlich erwartet niemand, der zu einem Azure Ray-Konzert geht, eine Rockshow. Dennoch war es erstaunlich, wie entspannt und unaufgeregt dann der ganze Abend über die Bühne ging. Eine Veranstaltung für Hektiker war das jedenfalls nicht. Das lag natürlich auch an der musikalisch erstaunlich ausgewogenen Zusammenstellung. Kurzfristig war noch Sir Simon Battle persönlich ins Programm aufgenommen worden. Sir Simon ist natürlich niemand anderes als der kreative Motor hinter dem Projekt Sir Simon Battle, das sich nun anschickt, mit dem zweiten Tonträger ins Rennen zu gehen.
Ergo bot Sir Simon einige der neuen Nummern als Testversionen. Da Sir Simon Battle normalerweise eine voll ausformulierte Band ist, leistete er sich Schützenhilfe von seinem Handy, auf dem er "die kleinste Rhythmusmaschine der Welt" installiert hatte. Natürlich bat er darum, während des Vortrages nicht auf diesem Handy angerufen zu werden. Insgesamt kam der Gitarrenpop des Meisters in dieser nackerten Form dann doch ein wenig müde rüber - auch die Coverversion von "Girls Just Want To Have Fun". Für alle, die den nicht unsympathischen Mix des Debütalbums gemocht haben, deutete sich da aber schon an, dass das neue Material wieder ähnlich kurzweilig zu werden scheint. Insofern machte die Veranstaltung aus werbetechnischer Hinsicht natürlich schon Sinn - und schlecht war es ja keineswegs; nur halt sehr zurückhaltend dargeboten.
James Husband war an diesem Abend zunächst in seiner Funktion als Drummer und Keyboarder der Azure Ray-Band anwesend. Ganz dem kommunalen Gedanken folgend, der den Saddle Creek-Acts innewohnt, durfte er sich dann zunächst als offizieller Anheizer in eigenem Namen präsentieren. Der etwas Dandyhaft aufgeplusterte Mensch, der im richtigen Leben James Huggins III heißt, hat - wohl nicht zuletzt aufgrund seiner musikalischen Laufbahn, die ihn mal hierhin und mal dorthin führte (unter anderem zu der Band Of Montreal) - eine Vorliebe für vertracktes, vielschichtiges Songwriting nach dem Motto "Mehr ist Mehr". Das meint nicht unbedingt den Vortrag - hier entschuldigte er sich quasi dafür, dass er alleine mit der bandeigenen Cellistin auftrat und bat darum, man möge sich die hier fehlenden Pauken und Trompeten doch bitte selbst vorstellen - sondern was die Songstruktur betrifft. Scotts Songs sind kleine Kitchen Sink Operetten mit einer Unzahl von Haken und Ösen, in denen sich der Meister zuweilen auch selbst zu verzetteln droht. Nicht weil er nicht in der Lage wäre, das komplexe Wirrwarr elegant zu präsentieren, sondern weil es in seinen Stücken keinen Fokus gibt, sondern immer nur Richtungsänderungen, Stops & Gos und wieselflinkes Schluckauf-Gewusele. Warum er das als notwendig erachtet, wurde zumindest bei diesem Konzert nicht klar, denn die Momente, in denen er sich mal länger als drei Sekunden mit einer musikalischen Idee beschäftigte, waren wesentlich weniger anstrengend als die komplexen Passagen in denen er alles auf ein Mal und sofort versuchte.

Mit so etwas haben Maria Taylor und Orenda Fink natürlich nichts am Hut. Mit heiterer Gelassenheit, die man fast schon als Introvertiertheit erfassen mochte, begaben sich die beiden Damen daran, ihre gesamte, gemeinsame musikalische Laufbahn Revue passieren zu lassen - natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf ihrem neuen Album "Drawing Down The Moon". Ganz so, als habe es nie eine Auszeit von einem halben Jahrzehnt gegeben, sangen die beiden Protagonistinnen wie aus einem Munde. Das ist deswegen immer noch so bemerkenswert, weil Maria und Orenda im Prinzip recht unterschiedliche Gesangsstile haben: Während Maria ihren Vortrag mit Kieksern und Dehnungen akzentuiert und strukturiert (und zwar mit aufgerissenen Bambi-Augen), singt Orenda wie eine weiche Welle (mit geschlossenen Augen) und lässt alles miteinander verschmelzen. Nicht so, freilich, wenn beide zusammen singen. Mit traumwandlerischer Sicherheit findet hier alles - also Tonlage, Lautstärke, Timbre und nicht zuletzt das Timing - zusammen. Es klingt tatsächlich mehr nach einer Einheit als nach einer Band mit individuellen Mitgliedern (James Husband trug auch einige Harmonien bei).

Was den Vortrag von den Studio-Alben unterscheidet, ist, dass es hier keine akustischen Gitarren und keine Elektronik gibt. Die zuweilen recht verspielten Arrangements wurden im Live-Kontext ein wenig eingedampft, aber mit Keyboard, Melodica, Cello, Mandoline und besonders E-Bow-Gitarre vor allen Dingen kongenial umgedeutet. Die Musiker wechselten auch munter die Instrumente - allerdings gelang es dennoch nicht, jedes Stück mit einem Bass darzubieten - was vielleicht der einzige klangtechnische Kritikpunkt der ganzen Show war; und das ist ja zudem auch noch Geschmackssache. Die Aufgabenteilung war dabei, was den Gesang betraf, durchweg paritätisch. Diejenige, die gerade der anderen den Vortritt ließ, sorgte durch eine ausgesprochen subtile Begleitung auf der Gitarre und die nahtlos eingeflochtenen Gesangsharmonien für ein absolut rundes Klangbild im Sinne des Songs. Der Nachteil bei so viel Perfektion war dann vielleicht, dass es keine richtigen Höhe- oder Schwachpunkte gab. Mit Ausnahme von "When We Fall" - dem einzigen Song, zu dem Maria an das Piano wechselte -, gab es etwa keine Up-Tempo-Nummern und auch die Songs, bei denen die ganze Band als solche einstieg, blieben eher dezent und transparent. Nun ja: Das ist ja auch gerade die Spezialität der Damen - hier geht es nicht ums Rocken, sondern um hörbar gemachte Gefühle, die übrigens, trotz des Projektnamens durchweg auf der düster-melancholischen Seite zu finden sind. Auch dann, wenn Melodie und Songformat etwa einen Pop-Song andeuten - z.B. im Falle von Orendas "Larraine" liegt da im Prinzip ein todtrauriger Folksong zu Grunde. Nun gibt es ja durchaus einen Bedarf für solches Material (das Konzert war dann am Ende auch recht gut besucht) - und hier sind Azure Ray die ungekrönten Königinnen der Szene. Fazit: Wer auf diese Art von versöhnlich-friedfertigen Mädels-Folk-Pop steht, dürfte an dieser Show kaum etwas auszusetzen gehabt haben.

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Surfempfehlung:
www.azureraymusic.com
www.myspace.com/azureray
www.myspace.com/jameshusband
www.sirsimonbattle.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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