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Lady In Black

Lykke Li
Sarah Blasko

Köln, Gloria
11.04.2011

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Lykke Li
Keine Angst, es geht hier nicht um einen Bericht über die Altrocktruppe Uriah Heep - aber auf der Bühne des ausverkauften Gloria gab es deutlich mehr schwarz als bei einem durchschnittlichen Nick Cave-Konzert. Nicht, dass die Sache etwa schlecht ausgeleuchtet war, aber mit schwarzen Vorhängen, schwarzem Backdrop und schwarzer Bühnenkleidung boten Lykke Li und ihre Musikanten recht wenig für die Freunde bunter Farben.
Den einzigen diesbezüglichen Aspekt gab es quasi beim Support-Act, der in London lebenden Australierin Sarah Blasko, die sich (in ein helles Kleidchen mit Schleife gewandet) zusammen mit ihrem Gitarristen zumindest blau und violett anstrahlen ließ. Musikalisch lag die Kombination nicht offensichtlich auf der Hand, denn Sarah Blasko ist eher dem Folkpop-Genre zuzuordnen, auch wenn der Gitarrist bei diesem Konzert eine E-Gitarre zupfte. Aber: Sarahs drittes Album, "As Day Follows Night", das im letzten Jahr auch bei uns erschien, wurde von Björn Yttling produziert, der ja auch mit Lykke zusammenarbeitet - womit wir wieder beim Thema wären. Aber auch davon abgesehen, bot Sarah eine ansprechende Performance, die von dem dankbaren Publikum (das zum Großteil aus jungen Damen bestand) gerne angenommen wurde. Sarah bemühte sich, das überschaubare Setting mit einer Ukelele, Piano und Bass-Einlagen aufzumischen und konzentrierte sich ansonsten auf den beeindruckend treffsicheren Gesang. Sarahs Sprechstimme ist eher piepsig - aber beim Gesang zeigt sie ein beachtliches Stimmvolumen, das sie auch geschickt zur Modulation und zur Meldodieführung nutzt - auch nonverbal: Sarahs Stücke bieten viele "oohs" und "aahs" - nicht unbedingt zum Selbstweck oder um Bohlensche "Emontionen" zu illustrieren, sondern um zusätzliche Klangfarben einzuweben - was hier recht passend erschien, denn die ausgewählten Stücke waren vorwiegend balladesker Natur. Insgesamt dürfte sich Sarah Blasko hier so manche neue Freundin erspielt haben.
Denn wie schon gesagt, bestand das Publikum vorwiegend aus Mädels. Im Prinzip drängelten sich im ausverkauften Gloria sogar fast mehr Damen als bei einem durchschnittlichen Tegan & Sara-Konzert, und das will schon was heißen. Und als Lykke Li dann kurz nach 21 Uhr und nach einem dramatischen Instrumental-Intro aus den Nebelschwaden hervorwaberte, kannte die Begeisterung kaum noch Grenzen. Die Sache ist dann die: Lykke Li ist zweifelsohne eher eine Performerin, Konzeptkünstlerin, Sounddesignerin und Songwriterin als dass sie eine Sängerin wäre. Ihre Stimme ist ziemlich dünn und quäkend und auch was die Tontreffsicherheit betraf, war der Unterschied etwa zu Sarah Blasko geradezu frappierend. Aber: Darum ging es ja auch gar nicht. Jedenfalls nicht alleine. Eine Lykke Li-Show ist eher so eine Art Gesamtkunstwerk als die Demonstration virtuoser musikalischer Fertigkeiten.

Die Songs wurden so etwa im Geiste der Scheiben umgesetzt - mit relativ wenigen und eher zufällig ausgewählten Ausbrüchen vom allgemeinen Sounddesign. Dieses bestand vorwiegend aus Tribal-Grooves, die nicht alleine von den beiden vollamtlichen Perkussionisten, sondern auch von Lykke Li und allen Musikern, die gerade eine Hand dafür frei hatten, produziert wurden - und die wesentlich elektrischer rüberkamen, als die zuweilen akustisch aufgebauten Arrangements auf den Scheiben (von "rockig" möchte man in diesem Zusammenhang wirklich nicht sprechen - auch wenn gelegentlich Gitarren zum Einsatz kamen). Dieses Konzept wurde ziemlich konsequent durchgezogen. Mozart hätte zu Salieri irgendwann gesagt "ab hier wiederholt sich's, nicht?" Aber auch darum ging es nicht wirklich. Denn Lykke hat - insbesondere auf ihrem neuen Album "Wounded Rhymes" gelernt, den Grooves mit geschickten Melodiebögen zumindest Gleichwertiges hinzuzufügen (so etwa beim flotten Opener "Youth Knows No Pain" - da nickte mancher Kopf verständnisvoll im Publikum, obwohl die Nummer merkwürdigerweise fast gegen die Wand gefahren wurde) oder bei der neuen Single "I Follow Rivers". Andere Nummern kamen dagegen perfekt inszeniert daher - darunter natürlich auch die Hits wie "Little Bit" oder "I'm Good I'm Gone"; aber auch neues Material wie "Get Some" oder "Rich Kids Blues" - obwohl es hier natürlich überhaupt keinen Blues mehr gab. Die Idee, den eigenen Gesang mit Chören aufzuwerten, verfolgte im Prinzip auch das Live-Konzept, allerdings gab es nur wenige Stellen, bei denen alle sechs Musiker gemeinsam mit Lykke sangen. Das sorgte dann allerdings zuweilen für hymnische Momente.

Abgerundet wurde das Set durch den "Exklusiven Song" (wie Lykke ihn ankündigte) "You Make Me Whole" - der gleichzeitig auch eine der wenigen ruhigen Nummern darstellte. Die ganze Sache wirkte ziemlich kontrolliert und durchkonzeptioniert - bis hin zu dem Umstand, dass es musikalisch nicht viele Freiheiten gab und das ganze Konzert nach ca. einer Stunde vorbei war. Dass die Sache dann aber keineswegs steril oder distanziert rüberkam, sondern - im Gegenteil - ziemlich lebendig, sprach dann wieder für Lykkes Qualitäten als Performerin. Denn anders als die Arrangements wirkte diese ziemlich spontan und dramatisch, wobei es Lykke gelang, auch ohne viele Worte durchaus einen Kontakt zum Publikum herzustellen, einfach indem sie dieses offensiv anspielte und stets den Blickkontakt suchte. Dabei war sie sich auch nicht zu schade, ein Solo auf einer Kindertröte "zu spielen". Im Prinzip lieferte Lykke Li ein ziemlich beredtes Beispiel dafür, wie moderne Popmusik eigentlich aussehen sollte: Lebendig, innovativ und irgendwie anders. Und dafür braucht es weder Mozart noch Salieri.

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Surfempfehlung:
www.lykkeli.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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