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Konzert-Bericht
 
Wie in alten Zeiten

Susan James

Solingen, Cobra Kantine
25.04.2011
Susan James
Ein Jahrzehnt ist - in Musiker-Jahren gerechnet - ja schon fast ein halbes Menschenleben. Und Susan James war deutlich länger als zehn Jahren musikalisch "verschwunden". Nach einer ausgedehnten Familien-Auszeit und angespornt von ihrem Freund und Musikerkollegen Paul Lacques (dem Frontmann der LA Country-Pop-Band I See Hawks In LA) legte sie nun aber mit "Highways, Ghosts, Hearts & Homes" ein neues Album vor, mit dem sie nun erstmals auch auf Tour in unseren Breiten war.
Dass da zwischenzeitlich so viel Zeit in die Lande gegangen war, schlug sich musikalisch allerdings überhaupt nicht nieder. Susan spielt, klingt und singt mit der gleichen Hingabe und Intensität, wie sie das auch anlässlich der Konzerte zum Vorgängeralbum "Fantastic Voyage" tat. Mehr noch: Sie sah auch genauso aus wie damals und sie zeigte immer noch diese sympathischen Unsicherheiten zwischen den Stücken (wohlgemerkt: nicht während des Vortrages), wie weiland. Angesichts dessen, dass andere Acts, die dermaßen lange "Weg vom Fenster" waren, mit ihren Neustarts gerne auch mal mittelprächtige Bauchlandungen hinlegen, ist das schon mal erstaunlich. Das Erfolgsgeheimnis dürfte ein eigenartiges sein: Susan schrieb in der Zwischenzeit zwar laufend neue Songs, sie trat aber nicht mehr auf und legte obendrein ihre Gitarre beiseite, um - wie sie sagt - wieder mit der gleichen Freude und Begeisterung dazu zurückzukehren, wie damals, als sie das Instrument erstmals erlernte.
Susan James
So überzeugte sie bei dieser Show, bei der sie Paul Lacques an E-Gitarre und Lapsteel begleitete, von der ersten Sekunde an mit einer beachtlichen Spielsicherheit und auf dem Punkt sitzenden Gesang. Beides früher schon Markenzeichen ihres Tuns. Besonders deutlich wurde das bei ihrer Paradenummer - einer Coverversion von "Eight Miles High", die sie bereits damals im Programm hatte. Nicht nur, dass Susan den Song melodisch sehr wagemutig umbaute, auch die Gitarrenarbeit zeigte durchaus kreative Ansätze. So überzeugte sie besonders in technischer Hinsicht (etwa mit einem souveränen Wechseln von Fingerpickung, Plektron und Akkord-Griffen) und ließ manchen männlichen Kollegen eher blass aussehen. Natürlich nicht Paul Lacques: Der alte Fuchs hat alle Spieltechniken drauf, die man seinem Instrument gemeinhin zueeignet und darüberhinaus die Gabe, sein Geschick ganz in den Dienst des Songs zu stellen. Die Country-Touches, die Susans neues Album so überraschend erscheinen ließen, hielten sich beim Live-Vortrag in Grenzen, so dass Susans Vorlieben vor obskure Sound-Exkursionen und abenteuerliche Melodieführungen/Harmoniewechsel voll zum Tragen kamen. So etwa auch bei einem ganz neuen Stück namens "Aqua Dulce Tears", das sie für das nächste Album angedacht hat. (Sie hat nach eigener Aussage bereits Material für vier weitere CDs im Kopf.) Ansonsten beschränkte Susan sich - neben einem weiteren Cover ("Pale Blue Eyes" von Velvet Undergound) ganz auf das neue Material. Sie befindet sich gerade in einer Phase, in der sie damit ringt, welchen Stellenwert alte Songs für sie haben (auch solche, die sie nach "Fantastic Voyage", aber vor der Auszeit schrieb) und inwiefern diese wieder ins Programm einfließen werden, wird sich zeigen. Schade nur, dass dazu auch "Sunken Waltz" gehört, ein Song von "Fantastic Voyage", den sie für die neue CD in einer neuen und eigentlich gelungeneren Fassung einspielte, aber bei diesem Konzert auch außen vor ließ.

Paul Lacques sagte zwar nach dem Konzert, dass es ihm fast lieber gewesen wäre, wenn Susan die Konzerte ganz solo gespielt hätte, jedoch waren seine Beiträge eigentlich unverzichtbar, da die neuen Songs sehr viel band-orientierter aufgebaut sind. So geriet dieses Konzert dann auch musikalisch ziemlich abwechslungsreich - und dank E-Gitarre und Attitüde auch überhaupt nicht folky. Susan selbst griff für "Old Jug Song" abrundend noch zum Banjo. Bereits für den Herbst ist eine zweite Tournee angedacht - und hier wird sich dann zeigen, ob das alte Material doch noch ein Mal hervorgekramt wird - oder ob wieder alles neu werden wird. Wie dem auch sei: Eine zweite Auszeit wird es nicht geben - das hat Susan schon versprochen. Und das ist das Wichtigste.

Surfempfehlung:
www.susanjamesmusic.com
www.myspace.com/susanjamesmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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