Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Gut gebrüllt, Heather

Heather Nova
Jason Downes

Köln, E-Werk
14.08.2001

zur Foto-Galerie
Heather Nova
"Ich ziehe es vor, in kleineren Hallen zu spielen", erklärte Heather Nova noch anläßlich der Veröffentlichung ihres Live Albums "Wonderlust", "am liebsten würde ich nur in kleinen Clubs spielen, wo die Luft dampft und der Schweiß in Strömen fließt." Nun: Leider hat Heather mittlerweile einen solchen Status erreicht, der sie für Kreise wie Frauenzeitschriften und Feuilletons (und dementsprechend dimensionierte Zielgruppen) interessant macht. Insofern mußte eine Lösung her: Diese sah so aus, weit vor Veröffentlichung der neuen Scheibe "South" eine Reihe von Fan-Konzerten in moderatem Rahmen zu geben. "Moderat" hieß in dem Umfang "halb so groß wie sonst". So trat dann Heather im kleinen E-Werk zu Köln auf (im großen wurde besagte "Wonderlust" Scheibe eingespielt).
Zunächst mal durfte sich der Newcomer Jason Downes versuchen. Der Mann, der halb Amerikaner und halb Cherokee ist, hatte die richtigen Ideen: Seine prinzipiell simplen Popsongs peppte er mittels Hip-Hop-Rhythmen, einem Rapper, Backgroundsängerinnen und einem Stammesgenossen an der Lead-Gitarre auf. Leider haperte es im Abschluß: Die Songs waren weder besonders spritzig, noch etwa hip-hop-geeignet, die Raps besonders lahm und die Texte des Meisters schon mehr als banal. Das kam auch alles gar nicht so gut an: Der Beifall war am größten, als Downes ein Stück namens "Good Night" ankündigte. Die Krönung war dann eine betont ungelenke Coverversion von "Cats In The Cradle". Da ging ein Aufatmen durch's Auditorium, als es vorbei war.

Der Dampf und Schweißfaktor stimmte dann mittlerweile schon - allerdings eher deswegen, weil es schlicht ein schweineheißer Sommertag war. Dann ging das Licht aus und zu flockigen Trip-Hop-Klängen vom Band betrat La Diva Nova die Bühne. Die gute Heather hat da diesbezüglich schon einen Sinn fürs dramatische. Dazu muß man zunächst mal wissen, daß Heather - wie Herr Turtur aus der Augsburger Puppenkiste - zu Gattung der Scheinriesen gehört. D.h.: Von weitem - insbesondere auf der Bühne - sieht sie ziemlich groß aus, je näher man kommt, desto fragiler und zerbrechlicher wirkt sie (was dann allerdings wieder durch einen kräftigen Händedruck relativiert wird). Egal: Das Bühnenbild war ganz auf das Scheinriesen-Konzept ausgerichtet: Lange Gaze-Vorhänge umflatterten die ganz im Zentrum (und im bevorzugten Halbdunkel) stehende Heather, die effektvoll illuminiert wurde von einigen Kaleidoskop-Strahlern und von einem strategisch plazierten Ventilator angepustet wurde, der ihre Haare flattern ließ wie im Video. Dazu wartete Heather musikalisch mit neuer Band (bis auf Gitarristin Berit Fridahl) und neuem Konzept auf. "Meine nächste Scheibe wird weniger rockig werden", hatte sie gesagt, "erwarte eher soulige Songs. Rocken kann ich live immer am besten." Beides stimmt: Die neue Scheibe geht deutlich mehr in Richtung Pop und Soul. Wer nun dachte, Heather würde dies auch live umsetzen, sah sich getäuscht. Der Sound dieses Konzertes entsprach eher dem der ersten regulären Nova-CD, der Live-Scheibe "Blow". Das lag nicht zuletzt daran, daß Heather erstmalig auf Nadia Langman und ihr Cello verzichtete. Da Nadia's Cello ja stets weniger dramatisch eingesetzt wurde, als es für dieses Instrument möglich wäre - eher süßlich - war der Effekt der, daß dies dazu führte, daß Heather 2001 plötzlich einen Gutteil rauher und düsterer klingt als z.B. zur eher pflegeleichten "Wonderlust" Show. Hinzu kam, daß viel mit Dynamik (und ziemlich schroffen Gitarrenkaskaden) gespielt wurde und einige Tracks auch entsprechend umarrangiert waren.

Neben allen Hits inkl. "Walk This World", "Verona", "London Rain" und dem neuen "No Angel" (mit Bernard Butler entstanden) gab es auch einige ältere Tracks, einen Morrison-mäßigen Gedichtvortrag (aus dem Gedichtband, den Heather demnächst veröffentlichen wird) und sorgsam eingestreute neue Stücke. Einige davon, wie z.B. "Like Lovers Do" integrierten sich nahtlos in das Oeuvre, andere hingegen, wie das grandiose "Talk To Me" müssen im Live-Vortrag noch an Kontur gewinnen (Der Knackpunkt lag in diesem Falle daran, daß sich Baß und E-Piano um die gleichen Frequenzen prügelten und Heather schlicht nicht wußte, wozu sie singen sollte - das ist aber noch ausbügelbar.). Daran, daß das Publikum die neuen Tracks mit der gleichen gespannten Aufmerksamkeit verfolgte (der Applaus brach sofort ab und wich interessierter Stille) wie die alten Tracks von "Blow" zeigt, welchen Alben Heather ihren Erfolg verdankt. Heather als Performerin tut sich nach wie vor schwer. Mehr als ein paar belanglose Worte rutschen zwischen den Tracks selten über ihre Lippen und die Bemühungen, etwas Auflockerung ins Programm zu bringen (singen ohne Gitarre, vorlesen aus einem Buch, andeutungsweises Anmachen den Publikums) wirkten eher ungelenk. Letztlich ist dies aber wurscht, denn Heather Nova kann sich jederzeit hinter ihrer Musik verstecken, die für sich spricht. Als Fazit darf man amerken, daß der jetzt begangene Weg - also live die Hinwendung zu rauheren Tönen und auf CD zu mehr Abwechlungsreichtum und soundtechnischer Finesse - genau der richtige ist. Es darf bezweifelt werden, ob man so was noch besser machen kann.

zur Foto-Galerie
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister