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Maulwürfe im Tunnel

Dear Reader
Marching Band

Köln, Gebäude 9
27.09.2011

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Dear Reader
So gesehen begann die Live-Karriere von Dear Reader in Deutschland dereinst in Köln - bei einem denkwürdigen Showcase zusammen mit Sophia im Museum Ludwig - und auch im Gebäude 9 spielte Cherilyn MacNeil bereits (damals noch mit ihren südafrikanischen Musikern); und deswegen war es auch nicht verwunderlich, dass das Gebäude 9 zum Abschluss der "Idealistic Animals"-Tour gut gefüllt war. Einen Support-Act hatte Cherilyn in Form des schwedischen Duos Marching Band mitgebracht, das sie auch gleich als Rhythmusgruppe in das aktuelle Dear Reader-Line-Up integriert hatte.
Erik Sunbring und Jacob Lind unterhielten das Publikum mit angenehm temperierten Folkpop-Songs auf Gitarren und Klavier mit typisch skandinavischem Melodie-Einschlag. Dem gegenüber stand das humorige Gehabe der Herren, die das Publikum mit Ansagen unterhielten wie etwa: "Ich weiß nicht, ob ihr euch kennt oder ob ihr uns kennt. Wir kennen euch jedenfalls nicht. und damit sind wir alle gleichgestellt." So richtig in Schwung kam das Geplänkel aber erst, als zunächst Dear Reader-Multiinstrumentalistin Jean-Louise Nel und dann Cherilyn selbst als Gäste dazu kamen. "Ich bin cool und du siehst interessant aus, weil du neben mir stehst", war z.B. so ein Impromptu-Gag. Das launige Hin und Her erinnerte gleich an das humorige Umeinander der ersten Dear Reader-Inkarnation, das sich während der anschließenden Dear Reader-Show dann teilweise auch fortsetzte (wobei Cherilyn mit den zwischenzeitlich beeindruckend verfeinerten Deutsch-Kenntnissen überraschte) - obwohl der eher düstere Tenor des aktuellen Materials eine Comedy-Show dann doch verhinderte.
Dafür wurde aber musikalisch so Einiges geboten. Denn neben den bereits erwähnten Musikanten hatte Cherilyn noch den gerne überall spielenden Martin Wenk of Calexico-Fame mitgebracht. Insgesamt standen zur Verfügung: Drei Keyboards, Trompete, Waldhorn, Viola, Akkordeon, E-Mandoline sowie diverse Gitarren. Insbesondere Martin und Jean-Louise (die wie Cherilyn aus Südafrika stammt) verkörperten dabei den Inbegriff coolen musikalischen Professionalismus und wechselten munter die Instrumente. Teilweise agierte ein Musikant mit drei Instrumenten gleichzeitig. Langer Rede kurzer Sinn: Damit (und mit bis zu fünf Gesangsstimmen) ließen sich Cherilyns Visionen abenteuerlicher Klangkaskaden wesentlich besser verwirklichen, als im vorangegangenen Trio-Format, bei dem man immer den Eindruck hatte, dass irgendetwas fehlte (meist der Bass). Letztlich darf gesagt werden, dass Dear Reader - die Live-Band - das Material deutlich druckvoller und weniger hakelig als auf der CD-Konserve präsentierte. Es war dabei geradezu eine Freude zu beobachten, wie die Arrangements so ausgelotet und umgebogen wurden, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. In einigen Fällen - etwa beim hymnisch aufgebauschten Titeltrack - gelang das gar mit orchestraler Grandezza. Irgendwie, so der Eindruck vor Ort, kam Cherilyn mit diesem Ansatz unserer deutschen Seele auf symphonische Weise ziemlich entgegen. Das gesagt sollte natürlich auch angemerkt werden, dass in einem solch differenziert ausgearbeiteten Konzept für Improvisation und Soli kaum mehr Platz blieb. Die Songs wurden also alle im knappen Format dargeboten. Freilich wurde das durch die Menge des Materials kompensiert. So gab es das komplette Album, einige wenige Stücke des Debüt-Werkes (darunter der "Polar Bear"-Song inklusive der Extended Version der Hintergrundstory), zwei "B-Seiten" - "She's Her's" und der Hochzeits-Song "Go-Home" - sowie eine gelungene Akustik-Version von Springsteens "Dancing In The Dark".

Das passte dann zum Thema des Abends - denn die neuen Songs sind ja nun mal ziemlich "dark". Zumindest Inhaltlich. Licht am Ende des Tunnels - so die Botschaft im übertragenen Sinn - gibt es nur für Maulwürfe. Und diese können das ja nicht sehen. Neben den Maulwürfen, die sich - so Cherilyn - in einem Tunnel treffen und lieben, weil es ja keine anderen Orte gibt, an denen sich Maulwürfe treffen und lieben können - gab es natürlich die ganze Menagerie des neuen Albums - Füchse, Elefanten, Kamele, Würmer, Giraffen, Affen und das größte Tier von allen - den Menschen. Allerdings standen auf der Setlist nicht die Tiernamen, sondern die "echten" Untertitel der Songs mit den schwerwiegenden Titeln wie etwa "Take Your Chances", dessen Leitmotiv "They Say There Is No Hope" gar plakativ auf den Keyboards geschrieben stand. Nicht, dass Cherilyn selbst deswegen etwa zur Mimose geworden wäre: Nach wie vor gibt es kaum jemanden, der besser gelaunt, amüsanter und alberner durch sein Programm führt als Cherilyn MacNeill! Fazit: Die dem neuen Album stellenweise entgegengebrachte Kritik erschien anhand dieses Konzertes überhaupt nicht nachvollziehbar. Wenn das nun schlechte Songs gewesen sein sollten, dann ist Griechenland zweifelsohne uneingeschränkt zahlungsfähig!

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Surfempfehlung:
www.dearreadermusic.com
www.marchingband.se
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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