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Konzert-Bericht
 
Ottersuche in Ottersum

Laura Veirs

Ottersum, Klosterkapelle Cultureelpodium Roepaen
26.09.2011

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Laura Veirs
Einen recht ungewöhnlichen Zeitpunkt suchte sich Laura Veirs für den ersten Euro-Trip nach der Babypause aus: Die Veröffentlichung ihres letzten Studio-Albums mit neuem Material - "July Flame" - liegt ja nun schon einige Zeit zurück und das neue Werk (eine Sammlung historischer Kinderlieder mit Namen "Tumbleweeds") ist noch lange nicht erhältlich. Nicht, dass sich das irgendwie ausgewirkt hätte, denn Laura und ihre Musiker - Gitarrist Tim Young und Violinistin/Keyboarderin Alex Guy - spielten eh Songs von allen Alben, wie Laura eingangs erwähnte. Was auch Sinn macht, da das Oeuvre der Songwriterin aus Portland dermaßen eklektisch ist, dass man diesem mit einer Auswahl einer bestimmten Stilrichtung kaum gerecht werden könnte.
Nominell ist Laura Veirs natürlich eine klassische Geschichtenerzählerin, die sich von diesem und jenem inspirieren lässt. Wie sie das dann allerdings musikalisch umsetzt, ist jedes Mal wieder überraschend. Als Zuhörer bekommt man bei Solo-Akustik-Konzerten ja des Öfteren eine uniform gleichförmige Melange vorgesetzt, die sich einfach aus dem jeweiligen Stil des Protagonisten ergibt. Hier klang aber nun tatsächlich jedes Stück unterschiedlich, so dass sich schon alleine aus diesem Grund keine Gleichförmigkeit einstellen konnte. Dabei zauberte das Trio keineswegs: Alex' Fidel brachte eine gewisse Folknote ins Geschehen und Tim Young sorgte zuweilen für einen gewissen Country-Twang - dazwischen war aber prinzipiell fast alles möglich. Neben Folk- und Country gab es so zusätzlich auch psychedelische Klänge, Klassik, Prog, Blues und eine Prise Pop. Wes Geistes Kind Laura dabei ist, zeigte eine Coverversion von Neil Youngs "Unknown Legend" - ein Song, den Laura deswegen ausgewählt hatte, weil er so simpel ist und das Thema mit einfachsten Mitteln auf den Punkt bringt. Schließlich ist das die höchste Kunst des Songwriting - mit wenig Mitteln viel auszudrücken. Und das gelingt Laura auch bei ihren eigenen Songs. Das gilt sowohl für streng konzipierte und eher abstrakte Nummern wie "Ether Sings" von Carbon Clacier - die den zugrunde liegenden Folk bestenfalls noch als Sprungbrett für Klangexkursionen erkennen lassen - wie auch für vom klassischen Songwriting abstammende Stücke à la "Chimney Sweeping Man", einem Song, der von Lauras Onkel, einem Schonsteinfeger inspiriert wurde, wie sie ausführte. Der ist natürlich kein normaler Schornsteinfeger, sondern ein radikal links orientierter, wie sie sich beeilte, hinzuzufügen. Und dann gibt es noch klassischen Folk wie "Get Me Through December", eine ruhige Nummer im Stile einer melancholischen Heimsuchung, die selbst die großen des Genres nicht effektiver hinbekommen hätten.
Zu all dem passt dann wieder die Hinwendung zu Kinderliedern - denn diese Art von Songs muss ja zwangsläufig simpel und effektiv sein, um zu funktionieren. Hier gab es Harry Belafontes "Jamaica Farewell" - ein Hit aus den 50ern. Das Publikum zum Mitmachen zu bewegen war bei all dem trotzdem nicht ganz so einfach, denn eingangs verbat sich Laura das Plappern und forderte auf, ein wenig aufmerksamer zu lauschen. "Wo sind denn hier eigentlich die Otter?", fragte Laura während einer Spielpause - denn der Name des Ortes Ottersum legt dies ja irgendwie nahe. Was sie denn in Ottersum so mache? Fragte jemand aus dem Publikum zurück. "Wir gehen dahin, wo das Geld ist", antwortete Laura eher scherzhaft, denn eine Tour mit nur vier Terminen kann sicherlich nicht alleine aus finanziellen Gründen erfolgen. Insgesamt gefiel das Set - trotz einer gewissen Strenge im Vortrag - wegen der musikalischen Vielfalt, die fast dazu zwang, zuzuhören. Das hat man ja auch nicht alle Tage.

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Surfempfehlung:
www.lauraveirs.com
www.myspace.com/lauraveirs
www.facebook.com/LauraVeirs
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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