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Lohnenswerte Warterei

Gus Black
HT Heartache

Köln, Blue Shell
04.11.2011

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Gus Black
Endlich war es so weit: In seiner "zweiten Heimat" Köln spielte Gus Black jene Show, die eigentlich bereits im Frühjahr angesetzt war, dann aber aus familiären Gründen verschoben werden musste. Natürlich ging es um die Präsentation des letzten Albums, "The Day I Realized" - dem Abschluss der sogenannten "Days"-Trilogie, die sich allesamt aus Gus Blacks neuerer Historie rekrutieren. Angereist war Gus mit einer jungen Band und seinem Protégé, HT Heartache, die ihn auch auf der Tour zum vorletzten Album begleitet hatte und deren selbstverlegtes Debütalbum "Swing Low" Gus auch produziert hat.
Eigentlich hatte HT bereits an den Aufnahmen zu ihrem zweiten Werk arbeiten wollen, was sich durch die Tour mit Gus noch ein wenig verzögerte. Unterstützt von ihrem Gitarristen Sam Johnson (der auch in Gus' Band spielte) überzeugte die Frau, die einen Pakt mit sich selbst geschlossen hat, nicht über ihren eigenartigen Künstlernamen zu sprechen, mit einer eigenwilligen und eigenständigen Alt-Country-Variante. Ganz gemäß des Geistes des erwähnten Künstlernamens gibt es in der musikalischen Welt von HT Heartache eben viel Herzschmerz. Und Sehnsucht, Lamento, Melancholie und jede Menge Hall auf den Vocals. Stimmlich liegt HT auf einer Linie mit Margo Timmins von den Cowboy Junkies und das kommt dem stoischen Vortrag sehr zu pass. Wie ein gefallener Engel deklariert HT ihre verkorksten Beziehungsdramen im Stile von klassischen Mörderballaden - unaufgeregt, ein wenig verletzlich, frei von jeglicher Aggressivität und ungemein ökonomisch. Ihre Songs und Titel - wie z.B. jener ihrer Trademark-Nummer "John" - kommen mit wenigen Worten aus und auch musikalisch passiert da gar nicht so viel - ein bisschen Gitarre, wenige Akkorde und zuweilen gibt es auch mal ein Song, der ganz ohne Melodie auskommt (der Gospel "I Saw The Light" sang HT quasi auf einem Ton). Swing low eben! Was bleibt, ist dann diese eindringliche Stimme, deren Faszination man sich nur schwerlich entziehen kann. Und da live mit dem Hall und den Effekten auch sehr haushalterisch umgegangen wird, stand die Stimme ganz greifbar im Zentrum. Zugegeben: Ohne diese Stimme wäre die Sache eher langweilig - so aber bietet HT Heartache eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zur etablierten "Sandoval-Fraktion".
Zu Köln hat Gus Black eine besondere Beziehung (oder doch zumindest gute Erinnerungen). Nicht nur ist hier sein Label und seine Agentur ansässig, sondern auch die treuesten Fans. Hier gab es die Record Release-Party von "Autumn Days", hier supportete er seine Freunde The Eels, hier gab es ein exklusives Solo-Konzert vor der Veröffentlichung der neuen CD und hier spielte er überhaupt seine besten Konzerte - nicht zuletzt jenes zur letzten CD "Today Is not The Day" an gleicher Stelle im Blue Shell. Auf "Today" etablierte Gus auch das böse "F"-Wort in seinem Vokabular, das ihn seither nicht mehr verlassen hat und das er an diesem Abend geradezu exzessiv hegte: "Cologne, you fuckers - I love you" begrüsste er die Fans zur anstehenden "Softrock-Show", wie er es nannte. (Zugegeben: Später spezifizierte er die Anrede dann: "Don't get me wrong - you are nice people. What's wrong with nice people? Fuck all the arseholes!") Das sind Sätze, die sich einprägen und die man gerne öfter vom Star seines Herzens hören würde.

Doch zurück zum Business. Wenn Gus mal keine Comedy machte, gab es makellose Renditions seiner Songs zu hören. Gus trat zunächst alleine vor das Publikum und erwies sich damit als gewiefter Dramaturg. Das Material seiner letzten beiden Alben ist ja eher zurückhaltend inszeniert und verlangt eigentlich auch nach einer Solo-Umsetzung. So begann er seine Show also mit dahingeflüsterten Nummern über bestimmte "Days", sinnierte über das "Afterlife", um sich später auf sein altes Fahrrad "The Amsterdam" zu schwingen und am Ende mit seiner Band gar ein " Miracle" dahinzurocken bis "A Certain Kind Of Light" am Horizont auftauchte. Gekrönt wurde die Sache mit Coverversionen: "Paranoid" kennt man ja bereits seit "Uncivilized Love"-Tagen - dieses Mal gab es das Ganze als Country-Swing-Version. Dass Gus früher gerne Hardrock hörte, ist ja mittlerweile bekannt. In Köln fachsimpelte er bei einer der zahlreichen, klimabedingten Stimmpausen, die ihn an die besagte Zeit erinnerten, mit dem Publikum über die Scorpions und UFO - entschied sich dann aber doch dafür, lieber "One" von U2 zu covern - und zwar in einer durchaus ernstzunehmenden, halbakustischen Fassung, die dem Geist des Originals entsprach und genau genommen sogar besser als die von Johnny Cash. Und mittendrin gab es dann noch "Will You Still Love Me Tomorrow". Das soll aber nicht heißen, dass Gus sein eigenes Material vernachlässigte. Ganz im Gegenteil: Er nutzte die Gelegenheit, um die Songs in (im Vergleich zur CD) vollkommen umgekrempelten und aufgebohrten Versionen zu spielen. Dabei spielte sowohl die Band eine große Rolle (auch wenn er die Jungs mal als A-Cappella-Chor missbrauchte) wie auch HT Heartache, die im letzten Drittel der Show dazu stieß und mit der zusammen er mitten im Publikum das titelmäßig passende "Silent Films" dahinhauchte. Gus zeigte hier auch, dass er ein feiner Gitarrist ist: So gab es diverse, glasklare Fingerpicking-Soli auf der akustischen Gitarre. Erst bei den letzten Nummern griff er zur E-Gitarre und zeigte, dass er das Rocken doch nicht verlernt hat - auch wenn er dereinst eine ganze Scheibe mit Band-Material auf Eis legte und dem Rocker-Leben eigentlich abgeschworen hatte. Nach einer eher depressiven Phase weilt Gus heutzutage wieder unter den Lebenden, schreibt Liebeslieder und scheint den Spaß an der Sache auch wiedergefunden zu haben. Gut so. Nach der Show nahm sich der Meister dann noch ordentlich Zeit für die Fans, signierte alles, was ihm hingehalten wurde und ließ sich mit jedem ablichten, der das wünschte.

Im Rückblick darf gesagt werden, dass sich das lange Warten auf diese Tour gelohnt hat und es an dieser Show rein gar nichts auszusetzen gab und dass die Idee, diesen Nachholtermin im Blue Shell (statt im ursprünglich mal geplanten größeren, aber unpersönlicheren Luxor) anzusetzen, mit Sicherheit die richtige gewesen war.

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Surfempfehlung:
www.gusblack.com
www.facebook.com/pages/Gus-Black/8647419121
www.facebook.com/htheartache
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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