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Der galante Herzensbrecher

Scott Matthew
Snailhouse

Köln, Kulturkirche
24.11.2011

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Scott Matthew
Bereits zum zweiten Mal war der melancholische Troubadour Scott Matthew in der Kölner Kulturkirche zu Gast - doch erst dieses Mal fiel ihm auf, wie viele seiner Songs quasi für einen Vortrag in einer Kirche maßgeschneidert scheinen. Wimmelt es in seinen Songtiteln - insbesondere jenen der neuen - doch vor Klerikal besetzten Begriffen: "Sweet Kiss In The Afterlife", "Devil's Only Child" oder "No Place Like Hell" sind da nur einige Beispiele. "Das ist ein bisschen befremdlich", gestand er, "aber wenn ich an Gott glauben würde, dann denke ich, dass Gott nichts dagegen hätte, wenn ich diese Lieder hier singe." Nun, was Scott nicht klar war, ist, dass es sich bei der Kölner Kulturkirche um ein evangelisches Gotteshaus handelt. Und der evangelische Gott ist ja bekanntlich sowieso toleranter als der katholische.
Dieses Mal wurde Scott von dem Projekt Snailhose des Kanadiers Mike Feuerstack unterstützt. Musikalisch war das in dieser Form ein Volltreffer, denn Feuerstack spielte solo, auf der elektrischen Gitarre zwar, aber unterstützt nur von einem zurückhaltenden Keyboarder, der zufällig auch Mike hieß. Feuerstack, der dieses Solo-Projekt seit den 90ern neben seinen zahlreichen Band-Beteiligungen zelebriert, outete sich mit seiner naiven Weltsicht als klassischer Kanadier - was aber eigentlich hervorragend zu seinen Songs passte, in denen er sich als neugieriges Kleinkind in der großen Welt der Natur und der Liebe präsentierte, das die humorvollen Texte in einer Art vortrug, die selbst Vic Chesnutt nicht besser hätte formulieren können. Das bezieht sich aber nur auf die Texte: Musikalisch zeigte sich der hier präsentierte Feuerstack-Slow-Core von einer fast jazzigen Seite - was aber auch am klassisch geprägten Gesangsvortrag des Mannes gelegen haben mochte. Was das Klangbild anging - so ganz ohne laute Töne und aggressive Note -, passte dies natürlich ganz hervorragend zum Oeuvre Matthews, der ja im Übrigen auch so eine Art musikalisches Kind ist.
Nur weil Scott Songs schreibt, die "niemals genug Drama haben können", wie er selbst sagt und die allesamt eine melancholische, todtraurige Note haben, heißt das nicht, dass Matthew selbst ein Trübsal-Bläser ist. Ganz im Gegenteil: Gleich mehrfach betonte der gebürtige Australier und bekennende Doris Day-Fan an diesem Abend, wie glücklich und dementsprechend gut gelaunt er sei, kicherte verlegen nahezu bei jeder Ansage und war am Ende aufrichtig erfreut über den enthusiastischen Zuspruch des Publikums - so als könne er diesen gar nicht so richtig fassen. Dass Scott zwar seine Musik, nicht notwendigerweise aber seine Person ernst nahm, zeigten diverse Witzchen, die er mit sich selber machte. Das Stück "Duet" habe er zwar als Duett geschrieben - dann aber auf der Scheibe mit sich selbst gesungen, was so ziemlich das pathetischste sei, was er jemals zustande gebracht habe.

Scott spielte im Trio Format mit Bass, Piano, Gitarren, Cello und einer großen Ukulele (Scott ist ja nicht gerade klein) und gab - neben einigen älteren Songs wie "White Horse" - vor allen Dingen Nummern seiner neuen Scheibe "Gallantries Favorite Son" und eine brandneue Nummer namens "Palace Of Tears", die er unter dem Eindruck des Besuches des Tränenpalastes in Berlin geschrieben hatte. Obwohl es auf der letzten Scheibe erstmals im Matthew'schen Oeuvre Drums gegeben hatte, blieb es live aber natürlich beim reinen Akustik-Ansatz. Scott erklärt dies so, dass er eine besonders reine Musik anstrebe - und dass Drums (seinem Verständnis nach) eben kein reines Instrument seien. Dafür mag er das Cello, weil dieses das Instrument sei, das den Möglichkeiten der menschlichen Stimme am nächsten komme. Ergo ist dieses eben auch Bestandteil des Live-Line-Ups. Trotz allem gibt es ja mittlerweile so einige Songs Scotts, die recht flott daherkommen - etwa die Geburtstagsode an seine Jugendfreundin Felicity ("Einen der schmalzigsten Songs, die ich jemals geschrieben habe"), die zumindest im lustigen Zirkus-Ragtime-Rhythmus vorgetragen wurden. Da gibt es zugegebenermaßen aber noch ein weiteres Problem: Auf die Frage nämlich, wie Scott es mit dem Rhythmus halte - da es ja keine regelgerechte Rhythmusgruppe gibt -, antwortete er nämlich ein Mal, dass er schon froh sei, wenn die Tonlage stimme. Und des Weiteren müsse man sich dann eben an den anderen orientieren, wobei es schon eine große Hilfe sei, dass seine Cellistin Clara Kennedy eine ausgebildete Musikerin wäre. Diese freilich war ja auf dieser Tour gar nicht dabei, und so musst man es dem Meister dann einfach nachsehen, wenn es da zuweilen ein Mal leicht holperte und er manche Stimmpause einlegen musste. Aber ehrlich gesagt war das auch nicht schlimmer als bei manchem Kollegen und nahm dem Konzert nichts von seinem Reiz. Letzterer lag übrigens darin, dass dies mal ein klassischer Liederabend zum Zuhören war. Hektik oder Lautstärke wären hier demzufolge auch vollkommen fehl am Platz gewesen. Matthews präsentierte sich also gut gelaunt, einfühlsam und humorvoll - ergo, so wie wir ihn kennen und mögen. "Der nächste Song ist ein Liebeslied", kündigte er seinen letzten Beitrag vor drei Zugaben an - "aber sind sie das nicht alle?" Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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Surfempfehlung:
www.scottmatthewmusic.com
www.facebook.com/scottmatthewmusic
www.snailhousemusic.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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