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Konzert-Bericht
 
Das vorgezogene Lebenswerk

Julia A. Noack

Köln, Theater Der Keller
28.11.2011

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Julia A. Noack
Als Venue für Musik-Aufführungen drängt sich das Kölner Theater Der Keller ja nicht gerade auf - einfach deswegen, weil es der Öffentlichkeit seit Jahrzehnten eben als klassisches "Off Broadway"-Theater bekannt ist. Dem muss nicht so sein, dachte sich Werner Meyer, seines Zeichens Impresario des von ihm geführten Labels Meyer Records und nebendrein aufrichtiger Musikfreund und überredete die Theaterleitung dazu, an den eh spielfreien Montagen das Theater für Musikveranstaltungen zu öffnen. Das Ergebnis - die Reihe KellerMusik - findet seither jeden letzten Montag im Monat ebendort statt - und das mit zunehmendem Erfolg. Das Schöne dabei ist, dass die Reihe natürlich nicht nur labeleigenen Acts die Möglichkeit zu Auftritten bietet, sondern auch solchen, die musikalisch halbwegs ins Meyer'sche Musikweltbild passen - wie z.B. Julia A. Noack, die als ehemalige Kölnerin hier sozusagen sogar ein Heimspiel absolvierte.
Die inzwischen in Berlin lebende und arbeitende Songwriterin ist ja regelmäßig in unseren Breiten unterwegs und absolvierte soeben eine "Weltstadt-Tournee" durch NRW, von der das Kölner Konzert den Schlusspunkt bildete. Eine neue LP der emsigen Songwriterin steht zwar erst für nächstes Jahr an - was die Gute aber nicht davon abhielt, ein Programm vorzustellen, das wenigstens zur Hälfte aus neuen Songs besteht. Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen Julias, die so etwas vermeiden würden - aber Julia traut sich halt was. Zum einen, weil sie sich auf eine intensiv vernetzte Fangemeinde verlassen kann, die solcherlei Wagemut belohnen und zum anderen, weil sie eh ziemlich wagemutig ist. Begonnen hatte die Sache vor einigen Jahren ja noch recht konventionell mit verträumt sentimentalem Mädchen-Folk, der bestenfalls Potential verriet - aber nicht das erahnen ließ, was sich dann letztlich mit Julias zweiter Scheibe "69.9" Bahn brach. Da wurde dann mit Soundeffekten, Elektronik, Strukturen, Instrumentierungen und Arrangement-Details experimentiert, dass es schon eine reine Freude war - wobei Julia nicht den Fehler machte, das Songwriting deswegen zu vernachlässigen, sondern ihre Fähigkeiten zu mitreißenden Refrains und angenehmen Melodien weiterhin auslebte. Dass sie darüber hinaus noch wunderschön singen und intelligent Gitarre spielen kann, attestierte auch die Präsentatorin Amy Antin, die Julia und ihren (kurzfristig eingesprungenen) Sizilianischen Drummer David aus Wuppertal vorstellte. Kurz gesagt, ging es in etwa da weiter, wo Julia anlässlich ihrer Tour zu "69.9" innegehalten hatte (nur etwas sparsamer).
Gleich zum ersten Song griff Julia zur elektrischen Gitarre und überraschte mit einem ausgesucht aufmunternden Popsong. Danach ging es dann "konventionell" mit Akustik-Gitarre und Drums weiter (wobei David auch noch ein Klöppelinstrument und einen Synthesizer bediente). Dennoch hatte das Ganze nicht mehr viel mit Folk zu tun. Zwar klingt das, was Julia macht, zuweilen durchaus auch schon mal wie z.B. klassische Joni Mitchell-Kost, ABER: Julia kopiert nicht und sie emuliert auch nicht. Mittels eines Samplers etwa gelingt es ihr mittlerweile ganze Band-Szenearien aufzubauen. Damit kommt sie Joseph Arthur, dem König dieser Technik, schon sehr nahe. Und ansonsten zeigte sie sich als vielseitige Technikerin. Die Tricks, die sie dabei anwendet - etwa bei dem neuen Song "Name For This" den Refrain im Sampler einzuspielen und den Rest des Songs frei vorzutragen oder den Sampler mal als Noise-Maschine, mal als Orchester und mal als Band zu missbrauchen oder den ebenfalls neuen Song "Summer Something" in bester Lennon-Manier um einen Ton herum aufzubauen oder sich ein Ersatz-Plektron hinter das Capo zu klemmen um vom Fingerpicking zum Akkord wechseln zu können -, outeten sie als "Musicians Musician" und dürften interessierten durchaus das eine oder andere Schmunzeln entlockt haben.

Das wäre freilich alles nichts ohne entsprechendes Songmaterial und auch diesbezüglich steigert sich Julia seit Jahren kontinuierlich. Das liegt wahrscheinlich auch an der unbefangenen Art, mit der sie an die Sache herangeht und die englischsprachigen Songs mit einer gewissen Selbstverständlichkeit präsentiert, die man hierzulande (außer vielleicht bei Katharina Franck) ansonsten kaum findet. Wird Zeit, dass sie das selbst auch mal erkennt und so vielleicht etwas weniger nervös agiert. Das Ergebnis überzeugte musikalisch an diesem Abend jedenfalls auf der ganzen Linie. Das war der oft bemühte Folkpop in Reinkultur. Laura Marling etwa, die momentane Genre-Königin dieser Stilrichtung, hatte das vor 14 Tagen am gleichen Ort auch nicht wesentlich besser gemacht (nur halt aufwendiger und mit mehr Hype). Die alten "Hits" wie "Grizzly Girl" (alias "Battle Of The Glockenspiel", wie Julia das Ding umtaufte, weil es dabei gleich zwei Glockenspiele zu hören gab), "Phantom Dream" oder "Leaving The Door Ajar" wirkten in diesem Zusammenhang fast wie bloße Bonbons, die dann aber wieder das eigenartige Projekt einer Best-Of-Scheibe als dritte Veröffentlichung, die Julia von ihrem Label quasi aufgedrungen wurde, dann aber doch wieder rechtfertigten. "Ich erwarte dann demnächst einen Preis für mein Lebenswerk", scherzte sie zu diesem Thema. Hoffentlich dauert das noch eine Weile, denn Potential ist da auch heute immer noch drin.

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Surfempfehlung:
www.julianoack.com
www.myspace.com/julianoack
de-de.facebook.com/Julia.A.Noack.music
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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