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Konzert-Bericht
 
Erinnerungen an Jackie

Michael Weston King
Alan Cook

Köln, Hauskonzert
09.12.2011

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Michael Weston King
In familiärem Rahmen, vor einer Gruppe musikalisch gleichgesinnter Freunde und Bekannten, beendete Michael Weston King in Begleitung seines langjährigen, wackeren Sidekicks Alan Cook die diesjährige Deutschlandtour - bevor es dann für Weihnachtskonzerte zurück in die Heimat ging. Zwar spielte Michael, der sich immer mehr zu einer wandelnden musikhistorischen Jukebox entwickelt, auch einige ausgesuchte Weihnachtslieder (etwa "Christmas Must Be Tonight" von Robbie Robertson), doch stand dieses Konzert weniger im Zeichen des Weihnachts-Themas als vielmehr des Angedenkens an seinen vor wenigen Wochen verstorbenen Freund, den schottischen Songwriter Jackie Leven.
Im Laufe seiner Laufbahn hat Michael immer wieder mit Jackie zusammengearbeitet - sei es, dass dieser sein 2003er Album "A Decent Man" produzierte, ihm für seine Protest-Song-CD "I Didn't Raise My Boy To Be A Soldier" den Poeten Langston Hughes empfahl oder einfach nur zusammen mit ihm auftrat (zuletzt im August, bei den letzten Konzerten die Jackie gegeben hat, wie Michael erzählte). Zwar spielte Michael keinen Song von Jackie, baute dafür aber so manche Hommagen an den sanften Riesen ein - die schönste davon zweifelsohne der Song "She's Leaving" von Ronnie Lane, den er in "He's Leaving" umformulierte. Die Textzeilen "Oh may the road rise up to great him and the wind be at his back. The sunshine warm upon his lovely face. The rain fall soft upon the fields until we meet again" aus diesem Stück wurden bei Jackies Beerdigung als Nachruf vorgetragen.
Nachdem Michael das Konzert mit "Rake" von Townes Van Zandt (auch so ein verstorbener Freund Michaels) eröffnet hatte, gab es einen gutgelaunten Streifzug durch das weite Oeuvre, das sich eben jemandem erschließt, der aufrichtig an der Musikhistorie interessiert ist. Neben diversen Protestsongs (darunter natürlich auch Material von Phil Ochs, Mikes Idol und auch jenes des Gastgebers) und einigen eigenen Songs, die sich nahtlos in das Programm einreihten, weil Mike das Folkwesen dermaßen verinnerlicht hat, dass es ihm zur zweiten Natur geworden ist, gab es auch Material des neuen MWK-Werkes "My Darling Clementine", das eine Kollaboration mit seiner ebenfalls songwriterisch tätigen Gattin Lou Dalgleish geworden ist. Das Ziel des Albums war es, klassische Duette im Stil von Dan Penn und Spooner Oldham zu kreieren. Mike erklärte, dass er hier dem Drang widerstanden habe, einfach existierendes Material zu covern, sondern dass er und Lou neue Stücke - im Stil der alten Klassiker - geschrieben haben. Penn und Oldham - heutzutage des Öfteren Leitbilder für Songwriter mit traditionellen Anwandlungen (Julian Dawson ist etwa auch ein bekennender Fan) - haben in den 60s ja eine Genre-Nische entwickelt, bei der sie Country und Soul-Elemente zu einer eigenen Spielart verdichteten. Diesem Prinzip fühlte sich Michael bei dem "Clementine"-Projekt verpflichtet.

Natürlich bedingt dieses eigentlich ein reichhaltiges Arrangement (wie es auf der Scheibe auch zu finden ist) - das bei diesem Konzert nun von Mike und Alan alleine emuliert werden musste. Alan Cook agierte dabei mit Mandoline und Pedal-Steel-Gitarre - wobei es ihm gelang, letztere über weite Strecken wie eine Orgel klingen zu lassen. Die Songs - darunter das bereits seit einiger Zeit gespielte "She Is Still My Weakness" bewegen sich (ganz in der Tradition des musikalischen Misanthropen MWK) im Bereich des musikalischen Herzschmerzes. Dass die Sache an diesem Abend dennoch so gutgelaunt und quirlig rüberkam, lag daran, dass Mike auch ein paar flotte Nummern im Gepäck hatte ("Still Time" etwa) und an den positiven Vibes, die dazu führten, dass Mike es schaffte, das ganze Publikum als Chor mit einzubeziehen. Abgerundet wurde das Programm durch amüsante Anekdoten - über Jackie oder Michaels Erlebnisse auf der Tour - und Bonbons wie die selten gegebene Zugabe "I've Just Seen A Face" von Paul McCartney. Die Zuschauer erlebten an diesem Abend einen Michael Weston King, der einen sehr viel lebensbejahenderen Eindruck vermittelte als gewöhnlich. Auch wenn er immer noch darüber nachdenkt, ob er seinen mit 35 geschriebenen Trademark-Song "35 Regrets" updaten solle, nachdem er kürzlich 50 geworden ist.

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Surfempfehlung:
www.michaelwestonking.com
www.myspace.com/alancookpedalsteel
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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