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Konzert-Bericht
 
La belle et la bête

Lisa Portelli
Antoine Leonpaul

Köln, Studio 672
13.12.2011

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Lisa Portelli
Zu dieser Jahreszeit liegt das Kölner Studio 672 gut versteckt in einem dichtgedrängten Weihnachtsmarkt, so dass es zunächst so aussah, als könne niemand zum vom französischen "Exportbüro für Kultur und Musik" veranstalteten Konzertabend mit dem Deutschlanddebüt der beiden Nouvelle-Chanson-Protagonisten Antoine Leonpaul und Lisa Portelli finden. Nun sind aber die frankophilen Konzerte in der Domstadt traditionell gut besucht - und sei es auch nur von der französischen Kolonie -, so dass es am Ende im gut geheizten Studio 672 doch noch recht heimelig wurde. Wer an diesem Abend genau die Schöne und wer das Biest darstellte, blieb dabei am Ende eher im Unklaren. Jedenfalls agierte Lisa Portelli wesentlich wilder und biestiger als der eher romantisch verklärte Leonpaul.
Aber der Reihe nach: Antoine Leonpaul ist ein quirliger, junger Herr, der sich musikalisch nicht unbedingt an eine konkrete Tradition anhängt. Er macht eine Art Franko-Pop mit humorvollen Texten und bemüht sich geradezu auffallend, nicht wie jemand anderes klingen zu wollen. Auf der gerade erschienenen Debüt-Scheibe agiert er voll orchestriert mit allerlei Brimborium und klingt ergo zeitgemäß hip. Alleine auf der Bühne beschränkt er sich allerdings auf das Wesentliche, spielt die meisten Stücke auf einer alten, halbakustischen Gibson Jazz-Gitarre und setzt sich nur gelegentlich ans Piano. Dazu tänzelt er charmant linkisch auf der Bühne herum, erklärt sein Leben (gaaanz langsam, damit es auch jeder versteht), das so kompliziert sei, seit er dieses Mädel namens Claire getroffen habe, der er auch ein Lied widmen müsse, in dem er sich auch gleich über die Beziehungs-Problemchen lustig macht, die solcherlei Liaisons nun mal mit sich bringen. Überhaupt kennt Antoine mit sich selbst kein Pardon, wenn es um einen guten Song oder einen guten Gag geht. Da er kein Deutsch spricht (und auch Englisch nicht so gut beherrscht), hatte er kleine Billboards vorbereitet, auf denen in Deutsch so einige Übersetzungen geschrieben standen. Den Song "Seuls m'interessent" ("das, was mich einzig interessiert"), in dem er sich über allerlei aufregt, was er satt ist, kommentiert er mit dem Hinweis "Ich bin es satt, ein Nichtsnutz zu sein". Die Songs kommen eigentlich recht flott und lebhaft rüber- orientieren sich (wie in Frankreich üblich) oft am Swing, aber bieten auch zuweilen rockige Elemente. Dann, wenn Antoine sich ans Piano setzt - etwa zu "1975", der romantischen Hommage an ein analoges Studio im Paris der 70er Jahre -, dann wird "die gute Stimmung mit ein wenig Tristesse verdorben", wie er sagte. Wer unbedingt auf Vergleiche angewiesen ist, der konnte gewisse Parallelen in der Art des Auftretens zu seinem belgischen Kollegen Matthieu Boegaerts erkennen. Zwar spielt Antoine nicht barfuß und akustisch - aber er tänzelt genauso pfeifend und summend über die Bühne wie Boegaerts.
Eine ganz andere musikalische Genussmittelklasse bedient Lisa Portelli. Bewaffnet nur mit einer Fender-Stratocaster-Gitarre stürzte sich die zierliche, aber energische Person sogleich auf das Material ihres Debütalbums "Le Régal". Lisa hat sich eine Gemengelage ausgesucht - irgendwo zwischen Indie, Blues und Rock -, die in etwa der entspricht, die auch ihre britische Kollegin Anna Calvi bedient - bis hin zu beeindruckenden Gesangsvortrag, und dem dramatischen Auftreten (und Aussehen). Lediglich der Gitarrenstil ist bei Lisa Portelli konventioneller - und natürlich singt sie ihre Songs auf Französisch. Auch Lisa Portelli erzählte so einiges - allerdings ohne sich die Mühe zu machen, Luft zu holen, Pausen zu machen oder gar langsam zu sprechen. So erzählte sie, wie sie ihren ersten Song ("Les Chiens Dorment"") beim offenen Fenster, durch das der Mond hineinschien, geschrieben habe oder wie sie sich aus Respekt lange gewehrt habe, einen Song von Edith Piaf zu spielen - was sie dann aber doch tat ("Johnny tu n'est pas un ange"). Stimmlich passte das dann ganz gut - denn Lisa Portelli kann ganz schön röhren, wenn es das Drama verlangt. Zuweilen schießt sie dabei auch ein wenig über das Ziel hinaus und das hört sich dann an wie ein wildes Tier. Nun ja, der Song "Animal" verlangte auch danach. Auf der Scheibe spielt Lisa des Öfteren den Blues (u.a. mit sich selbst), im Live-Ambiente emulierte sie das zuweilen durch spitze Schreie - oder aber, die Sache wurde - wie beim Opener "Derrière le mur" - psychedelisch ausgedehnt. Soli gab es keine - dafür setzte sie bei dem bereits erwähnten "Chiens" geschickt einen Sampler ein. Insgesamt geriet der Auftritt von Lisa Portelli recht rockig und war aufgrund der Ausrichtung auf die erkennbaren Vorbilder (PJ Harvey etwa) so ungewöhnlich, dass er - im Rahmen eines französischen Konzertabends - durchaus als innovativ bezeichnet werden durfte.

Insgesamt überzeugten beide Acts - jeder auf seine Weise und recht unterschiedlich - wobei Lisa Portelli mit ihrem ungewöhnlichen Ansatz das größere Überraschunspotential bot.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/lisa.portelli.officiel
www.antoineleonpaul.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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