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Konzert-Bericht
 
Im Wohnzimmer

Anna Ternheim

Köln, Kulturkirche
11.02.2012

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Anna Ternheim
Anna Ternheim hatte symbolisch in ihr Wohnzimmer eingeladen. Jedenfalls war die Bühne der Kölner Kulturkirche eingerichtet wie ein solches - mit Sitzgruppen, einem Klavier, ausgestopftem Hund und am Bühnenhintergrund befestigten Bild. Das alles passte natürlich vom Konzept her zum musikalischen Anlass: Einer Solo-Darbietung. Anna erklärte die Sache so, als dass sie auf ihrer letzten Tour, die sie mit einem akustischen Trio absolviert hatte und bei der sie natürlich auch in Köln gastiert hatte, Blut geleckt und sich entschlossen hatte, anschließend auch eine akustische CD einzuspielen, die dann auch letztes Jahr als "The Night Visitor" realisiert werden konnte.
Allerdings mit erheblichen Startschwierigkeiten: Nach einer Art Schreibblockade im heimatlichen New York ging die Sache erst dann los, als sie dort Matt Sweeney kennen lernte, der vorschlug, die Scheibe in Nashville mit "einigen älteren Herren" (wie Anna es nennt), die weiland mit Johnny Cash zusammengearbeitet hatten, einzuspielen. Dazu gehört auch Dave Ferguson, den Anna auch gleich als Unterstützung und Duett-Partner mit auf Tour gebracht hatte. Gleich mehrfach machte Anna deutlich, dass die Stücke der neuen Scheibe in der Tradition jener zu Beginn ihrer Karriere zu sehen sei, weswegen das Programm hauptsächlich aus ganz neuen und ganz alten Stücken bestand. Nun ist das ja so, dass Anna eigentlich anlässlich jeder Veröffentlichung und Tour die Fans mit Akustik-Versionen ihrer Songs versorgte und stets auch solo aufgetreten ist, so dass das Metier kein unbekanntes für sie ist. Allerdings gab es eine Phase, mit der sie sowohl mit ihrem Gitarrenspiel, wie auch mit ihrem Piano-Spiel nicht so recht zufrieden war, weswegen es zwischen der vorletzten und der letzten Scheibe eine recht große Pause gab, in der sie sich neu positionierte.

Beim Konzert in Köln spielte sie zunächst einige Nummern solo auf der akustischen Gitarre, dann setzte sie sich ans Piano und spielte (nachdem sie die dort platzierte Art-Deco-Tischlampe eingespielt hatte) darauf "Shoreline" - einige der wenigen Nummern aus dem "Mittelfeld". Erst danach stieß Dave Ferguson dazu, der im Folgenden mit Bass, Gitarre und Mandoline Akzente setzte - allerdings auch die Möglichkeit bekam, mit eigenem Material beizutragen. So spielten Anna und Dave auch das Duett "The Longer The Waiting The Sweeter The Kiss", eine Ferguson-Nummer, die auch den Weg auf die CD geschafft hatte. Dabei erwiesen sich die unterschiedlichen Stimmen in Kombination als deutlicher Pluspunkt: Annas klares Organ mit viel Sustain und Daves eher sonor grummelndes Altherren-Vibrato ergänzten sich ganz hervorragend - insbesondere da beide die Sache mit Inbrunst betrieben. Auch andere Kombinationen - wie etwa der Johnny Cash-Song "The Great Divide", der auf einer eigens für die Tour eingespielten EP zu finden war oder "Bow Your Head", der offiziell letzte Song des Sets, gehörte zu den Höhepunkten.

Zwischen den Nummern unterhielten Anna und Dave das Publikum mit einigen Anekdötchen zu den Songs. "Come To Bed" etwa, so Anna, sei ein Liebeslied, der davon handele, dass man die Personen, die man liebe, nicht gehen lassen dürfe. "Weil sie das nicht verdient hat", fügte Dave hinzu. Im Folgenden zeigte sich Anna, die bislang auch bei ihren Solo-Auftritten gerne mal mit Sampler und Harddisk hantiert hatte, als Vertreterin der reinen Lehre: "Let It Rain" etwa sang sie A-Cappella - begleitet nur von einem klickenden Metronom (bevor Dave dann mit dem Bass hinzustieß). Der Zuschauer hatte allerdings zu keiner Sekunde das Gefühl, dass hier etwa etwas fehlte. Da die Protagonisten ständig die Instrumente wechselten (wobei Anna auch zu einer halbakustischen Gitarre griff, was für nette Variationen im Klangbild sorgte), gab es ständig Abwechslung auf der Bühne. Technische Pannen hielten sich in Grenzen: Dass Anna den Publikumswunsch "Halfway To Fivepoints" vor die Wand fahren würde, weil sie das Stück so lange nicht mehr gespielt hatte, hatte sie schließlich angekündigt. Dafür klappte dann "My Secret" wieder anstandslos. Der Klang war im vorderen Teil des Auditoriums gut, während sich im hinteren Teil das Problem mit den Echos im Kirchengebäude nicht ganz ausmerzen ließ. Kompensiert wurde dies indes allerdings quasi durch das vorbildlich agierende Publikum, denn während des Vortrages hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, so dass es sogar Sinn machte, dass Anna dem letzten Duett "Black Light Shines" ganz auf das Mikro verzichtete. In der langen Reihe der immer wieder anders organisierten Ternheim-Touren stellte diese ein weiteres Highlight dar.

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Surfempfehlung:
www.annaternheim.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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