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Konzert-Bericht
 
Unschlagbar

Nada Surf
Waters

Köln, Live Music Hall
28.02.2012

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Nada Surf
Um es gleich vorweg zu sagen: "Ihr seid unschlagbar", sagte Van Pierszalowski, der ehemalige Port O'Brien und jetzige Waters-Vorsitzende in seiner Funktion als Anheizer zum Kölner Publikum - und zwar auf Deutsch. Dennoch passt das Schlagwort recht gut als Titel für unsere kleine Story, denn am Ende der Tour zum neuen Album "The Stars Are Indifferent To Astronomy" waren Nada Surf - in erweitertem Rahmen sogar - wieder zu gewohnter Höchstleistung aufgelaufen, nachdem die letzte Kölner Show zum Covers-Album "If I Had A HiFi" ja eher unterdurchschnittlich inspiriert gewesen zu sein schien.
Aber von vorne: Nada Surf sind eine der wenigen Gitarrenbands mittlerer Größe, die im eher saitenfeindlichen Köln Zuschauer in größeren Mengen mobilisieren können und so war es gewiss keine schlechte Idee, die Labelkollegen von Waters mit auf die Tour zu nehmen, denn auch die neue Formation des ursprünglich als Folkpoppers gestarteten Van Pierszalowski hat sich dem Rock-Gedröhn verschrieben. Das meint: Waters gehen live ganz gut los, machen keine Gefangenen und halten nichts von Schönklang und Perfektion. Etwas Schmutz unter den Fingernägeln hat freilich noch keiner Rockband geschadet und ergo gelang dem Quartett eine recht lebendige, mitreißende und spielfreudig ausgekleidete Show. Die Band, die auf ihrem Album "Out In The Light" sowohl Vans persönliche Dämonen, wie auch die Heimatstadt San Francisco zelebriert, hat dabei noch ein besonderes Gimmick. Mit geschlossenen Augen und insbesondere bei den Mid-Tempo-Nummern (wie auch dem Coming Out-Track "For The One") stellt sich - zumindest bei geschlossenen Augen, ein gewisses Neil Young & Crazy Horse-Feeling ein. Das sich mit geöffneten Augen freilich sofort wieder verflüchtigt, denn ein Blondschopf, der auf Young macht, ist dann doch zu seltsam. Dennoch: Waters sind eigentlich keine typische Americana Band und gefallen eher durch respektlose Ungezügeltheit denn durch Klischee-Reiterei. Interessanterweise hat der Performer Pierszalowski eher im Balladen-Segment Schwierigkeiten. So kletterte zur sorgsam platzierten "Forever Young"-Hommage "Mickey Mantle" zwar in schönster Tradition die ganze Nada Surf-Belegschaft (minus Ira Elliot, der derweil mit seiner kölschen Tante unterhielt) auf die Bühne, um den Refrain mitzusingen - so ein richtiges Lagerfeuer-Feeling wollte aber trotzdem nicht aufkommen. Sei es drum: Waters bedankten sich beim Publikum und bei Nada Surf und diese bedankten sich bei Waters und das Publikum vermutlich bei beiden und am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf: Man versteht, achtet und ergänzt sich - was eigentlich keine schlechte Kombination von Headliner und Support Act ist.
Nach einer unnötig langen Umbaupause, die dadurch entstand, dass sich der Gitarrenroadie und Gitarrist Doug Gillard nicht auf das richtige Kabel einigen konnten, betraten dann Nada Surf die Bühne. Martin Wenk von Calexico ist ja schon seit der letzten Tour assoziiertes Bandmitglied und zuständig für die Keyboards, Trompete und Glockenspiel (beim neuen Track "Jules And Jim"). Wo dieser weiland aber auch noch gelegentlich zur Gitarre griff, stand dort dieses Mal ein "neuer" Mann. Doug Gillard, der schon für Guided By Voices und Richard Buckner die Saiten schwang, hatte erstmals auf der "HiFi"-Scheibe mit Hand angelegt und ist jetzt auch ein Nada Surf-Mitglied. Ansonsten gab es da nicht viel zu erklären: Das neue Album ist zwar Matthew Caws' bislang philosophischste Arbeit geworden, allerdings auch das rockigste Nada Surf-Album überhaupt. Also gab es vorwiegend Vollgas, wie gleich schon mit dem Opener sowohl der CD wie auch des Sets "Clear Eye Clouded Mind" deutlich gemacht wurde. Im gewohnten Setting - also mit dem Fokus auf Caws und den Gesellen im Halbschatten (es gab auch keine Spiegel mehr hinter Elliotts Drumkit) ging es im strammen Stechschritt durch das ganze Ouevre. Zwischen den Titeln gab es dann die üblichen Albereien mit dem Publikum. Es wurden die "Snack"-Filmtitel wieder hervorgeholt (wobei es darum geht, in Filmtitel den Begriff "Snack" einzubauen - als etwa "Snack To The Future", "Snackless In Seattle" oder "No Coutry For Old Snacks") und Matthew erzählte sogar Witze wie "Wie findet ein männlicher Elefant eine Elefantendame, die im Gras liegt? Sehr verführerisch." Dazu wurde das Publikum gleich mehrmals zum Mitmachen bewegt - was sogar bis in den hinteren Bereich der Halle funktionierte und am Ende ließen sich die Jungs etwa zu der Aussage hinreißen, dass dieses das "viertbeste Konzert" ihrer Laufbahn gewesen sei.

Trotz der soundmäßigen Vollbedienung bei alten und neuen Hits blieb aber doch Raum für besinnliche Momente. Ohne Akustikgitarren zwar aber mit Bedacht präsentierten die Herren etwa das Kernstück der neuen Scheibe, "When I Was Young". Mit der Nummer, die aufgrund ihres Aufbaus zu einer Art "Stairway To Heaven" für die New Yorker werden könnte, ist Nada Surf eine sehr schöne, unpeinliche Power-Ballade gelungen, mittels der auch Martin Wenk und Doug Gillard Möglichkeit gegeben wurden, sich zu entfalten. Das zu Beginn des letzten Drittels gegebene Stück war dann allerdings erst mal der letzte Ruhepol. Es folgten dann quasi nur noch Rausschmeißer wie "The Future" oder "Looking Through". Sogar der letzte offizielle Titel. "See These Bones" wurde mindestens doppelt so schnell gespielt wie üblich. Überhaupt führte die Strum & Drang-Attitüde des Abends dazu, dass auch die älteren Hits wie "Weightless" oder "What Is Your Secret" eher als Rocknummern aufgefasst wurden. Zur Zugabe wurde dann noch ein Mal das Publikum bemüht: Matthew bat die Fans, zusammen mit der Band zu dem alten Schunkelhit "Inside Of Love" einen Two-Step zu tanzen. Wer nicht geglaubt hatte, dass "Inside Of Love" ein Schunkelhit ist, der wurde spätestens dann eines bessern belehrt, als die Halle aufgrund des schwankenden Publikumskorpus sozusagen Schlagseite zu bekommen schien. Was also nicht alle für möglich gehalten hatte, zeigte also diese Show: Dass Nada Surf noch mal zu alter Höchstleistung aufgelaufen waren. Matthew selbst erklärt das quasi in einer seiner neuen Lyrics: "It's Never Too Late For Teenage Dreams." Dem muss nichts mehr hinzugefügt werden.

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Surfempfehlung:
www.nadasurf.com
www.facebook.com/NadaSurf
twitter.com/#!/nadasurf
www.thisiswaters.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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